14. Juni 2011, 09:54
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Wie sage ich es meinen Wählern?

Die Halver-Kolumne

„Alles wird gut“ ist lange Zeit das Motto der euroländischen Politik in punkto Griechenland gewesen. Nun stehen neue Hilfen für die Hellenen an – und eine Frage: Wie sage ich es meinen Wählern?

Robert-Halver- -B Rse-204 240-127x150 in Wie sage ich es meinen Wählern?

Robert Halver, Baader Bank

Die politisch Verantwortlichen haben bis zuletzt immer auf die Selbstheilungskräfte verwiesen, die, gemeinsam mit diasporaler Unterstützung der Freunde und Förderer Griechenlands, das Land wieder auf den Pfad der Stabilitätstugend – wenn sie da jemals waren – zurückführen sollten.

Doch allmählich scheint die Ernüchterung Einzug zu halten. Spätestens seit dem Bericht der Troika über die malade griechische Finanzverfassung ist für unreflektierte Gesundbetung kein Platz mehr: Griechenland hat seine Hausaufgaben nicht gemacht und wird somit 2012 auch keine erfolgreiche Reifeprüfung an den Kapitalmärkten ablegen können.

Gürtel enger schnallen ist kein Allheilmittel

Damit sieht der Bundesfinanzminister jetzt sogar die Gefahr eines unkontrollierbaren Staatsbankrotts Griechenlands. Als Brandbeschleuniger kommt die soziale Dimension des Problems, die man auf den Straßen Athens beobachten kann, hinzu, die die griechische Politik im Extremfall sogar zu populistischen Konsequenzen zwingen könnte. Mein Opa pflegte zu sagen, wer tagsüber eine Perspektive hat, wirft abends keine Fensterscheiben ein. Allein die Standardtherapie des IWF, wonach derjenige, der einen Gürtel habe, ihn enger schnallen möge, wirkt hier sicherlich wenig perspektivisch.

Tatsächlich dürfte dem Bundesfinanzminister permanent das dramatische Jahr 1989 vor dem geistigen Auge erscheinen. Als Zeitzeuge konnte er damals hautnah erfahren, dass zwischen sturer Gesundbetung der sozialistischen DDR und ihrem ungebremsten Untergang nur wenige Monate lagen. Einem unkontrollierbaren Verfall Eurolands will er daher schon von Anfang an, gerade auch mit Blick auf die politischen und wirtschaftlichen Dominoeffekte, entgegenwirken. Er weiß, dass Griechenland Luft zum Atmen, sprich mehr Zeit braucht. Diese Zeit böte ein neues Rettungspaket.

Beteiligung der Privaten ein Placebo

Aber wie verkaufe ich es meinen Wählern, denen sich nach Umfragen bei dem bloßen Gedanken, neues Steuergeld nach Griechenland zu senden, die Nackenhaare sträuben. Daher sollen auch die Banken und Versicherer als die größten Privatinvestoren griechischer Anleihen zur moralisch-hygienischen Beruhigung der Steuerzahler herangezogen werden. Jene institutionellen Anleger allerdings haben diesen Braten längst gerochen und teilweise bereits fluchtartig ihre Engagements in griechischen Staatsanleihen zurückgeführt. Die Aussichten darauf, künftig genügend kritische Masse aus dem privaten Sektor zur Bewältigung der Schuldenkrise zu erhalten, schwinden also täglich.

Was außerdem nötig ist, um den den Pleitekandidaten zu retten, lesen Sie auf Seite 2.

Weiter lesen: 1 2

1 Kommentar

  1. Die Erfahrungen aus dem deutschen Länderfinanzausgleich lehren: Transfer-Union bringts nicht, wird nur teuer, nimmt den Empfängerländern jegliche Motivation zur Besserung – im Gegenteil, Hängematte ist auch politisch viel bequemer. Ein Ende mit Schrecken incl Stützung der griechischen Banken und natür-lich “Rettung” der Bad Bank EZB kommt uns billiger als dieses Loch ohne Boden mit einem strukturel-len Defizit von 2,5% des BIP p.a.

    Kommentar von Dr. Ursula Renner — 15. Juni 2011 @ 14:43

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 02/2019

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Arbeitskraftabsicherung – Denkmalobjekte – Betriebsrente – Digital Day 2019

Ab dem 24. Januar im Handel.

Cash. 01/2019

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Fonds Finanz – Robotik – Moderne Klassik – Finanzanalyse

Versicherungen

Munich Re will Gewinn 2019 und 2020 weiter steigern

Der weltgrößte Rückversicherer Munich Re will nach der Rückkehr zu einem Milliardengewinn im laufenden Jahr noch etwas höher hinaus. Das kündigte der Dax-Konzern am Dienstag überraschend kurz nach Börsenschluss in München an.

mehr ...

Immobilien

Immowelt: Quadratmeterpreise steigen bis 2020 vierstellig

Beim Preiswachstum auf dem Immobilienmarkt ist das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht: Gerade in den größten deutschen Städten werden die Kaufpreise für Eigentumswohnungen weiterhin stark steigen, prognostiziert auch das Online-Portal Immowelt.

mehr ...

Investmentfonds

Keine Angst vor “Fallen Angels”

Zwar ist die Anzahl der mit BBB bewerteten Unternehmensanleihen inzwischen auf über 50 Prozent des gesamten Investment Grade-Marktes gestiegen, doch ob es im breiteren Anleihemarkt zu einem erhöhten Volumen an “Fallen Angels”-Unternehmen kommen wird ist eher fraglich. Eher sorgen sollten sich Anleger um die Schulden Italiens. Ein Kommentar von Debbie King, Kames Capital

mehr ...

Berater

Fondsfinanz: 5.200 Messebesucher und ein neuer Partner

Der Maklerpool Fondsfinanz konnte auf seiner diesjährigen Makler- und Mehrfachagentenmesse (MMM) im MOC München 5.200 Fachbesucher begrüßen. Besonders gefragt waren nach Angaben des Unternehmens die IDD-konformen Fachvorträge.

mehr ...

Sachwertanlagen

Emissionshaus UDI geht in die Offensive

In einem außergewöhnlich langen, selbst verbreiteten Interview verteidigt der neue Chef des Emissionshauses UDI aus Nürnberg unter anderem die „Quersubventionierung“ von Geschäftsbereichen und kündigt ehrgeizige Ziele an.

mehr ...

Recht

Straßenverkehr: Was tun bei falschen Anschuldigungen?

Strafen vom Bußgeld bis zum Führerscheinentzug muss nur fürchten, wer sich nicht an die Verkehrsregeln hält – so zumindest in der Theorie. Trotzdem kommt es in der Praxis immer wieder zu potenziell teuren Falschanschuldigungen.

mehr ...