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27. November 2015, 08:54
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Erholung bei Rohstoffaktien durch anziehende Weltkonjunktur

Hans Heimburger, Geschäftsführer des Vermögensverwalters Gies & Heimburger aus Bad Krozingen, erläutert im Gespräch mit Cash., welche Erwartungen er an das Börsenjahr 2016 hat.

Hans Heimburger-Kopie in Erholung bei Rohstoffaktien durch anziehende Weltkonjunktur

Hans Heimburger, Gies & Heimburger: “Wir bevorzugen Länder, in denen die Notenbanken die Märkte weiterhin mit viel Liquidität versorgen”

Cash.: Was bringt der Aktienmarkt: Welche Länder, Branchen und Unternehmen sind 2016 angesagt?

Heimburger: Wir erwarten in den kommenden beiden Jahren eine leichte Beschleunigung des globalen Wirtschaftswachstums auf etwa 3,5 Prozent jährlich. Wir sehen vier Haupttreiber hinter diesem Szenario:

1. Die positiven Aspekte der tiefen Rohstoffpreise setzen sich nun vollumfänglich durch, weil der negative Einfluss durch die Investitionskürzungen der Produzenten (dies geschieht meistens sehr schnell) nachlässt und der positive Effekt für die Verbraucher (steigender Konsum) vollumfänglich bestehen bleibt. Selbst ein moderater Anstieg der Rohstoffpreise wird dieses Szenario nicht konterkarieren. 2. Die Haushaltsdisziplin wird in vielen Ländern gelockert und höhere Staatsausgaben werden die Konjunkturentwicklung in 2016 unterstützen (unter längerfristigen Aspekten über 2016/2017 hinaus sehen wir das eher kritisch). 3. Wir gehen von einer Stabilisierung der Konjunktur in China aus. Die jüngsten monetären und staatlichen Stützungsmaßnahmen zeigen bereits erste positive Impulse. Dies wird generell die Volkswirtschaften in Asien wieder anschieben. Bei einer Stabilisierung der Rohstoffpreise sollte es Russland und Brasilien gelingen die aktuelle Rezession zu verlassen. 4. Mit der EZB, der Bank of Japan, und PBoC betreiben drei große Notenbanken weiterhin eine ultralockere Geldpolitik.

In der Summe wird dies die Zinswende in Amerika seitens der Fed unter monetären Aspekten deutlich kompensieren. Wir bevorzugen die Länder bzw. Regionen, in denen die Notenbanken die Märkte weiterhin mit viel Liquidität versorgen (1. Europa, 2. Japan, 3. Asien). Eine Beschleunigung des Wirtschaftswachstums sollte die Unternehmen aus den zyklischen Branchen bevorzugen.

Was bieten insbesondere die Aktienmärkte in USA, Europa und in Asien?

Wir favorisieren europäische Aktien, die im Vergleich mit dem amerikanischen Aktienmarkt günstiger bewertet sind. Der abgewertete Euro beflügelt das Gewinnwachstum der Europäer, während der starke Dollar auf die Margen der US-Unternehmen drückt. Die oben beschriebene Erholung der chinesischen Volkswirtschaft wird die asiatischen Aktienmärkte inklusive Japan beflügeln.

Gelten weiterhin die Sätze: “Die Dividende ist der neue Zins” und “An der Aktie führt beim Vermögensaufbau kein Weg vorbei?

Der plakative Satz, der Dividendenerträge als Ersatz für Zinsen formuliert, ist sicherlich ein gutes Marketing. In der aktuellen und möglicherweise noch lange andauernden Niedrigzinsphase werden Dividendenerträge einen Teil der (fehlenden) Zinserträge kompensieren müssen. Ob allerdings jeder Anleger die höhere Volatilität eines Aktienportfolios im historischen Vergleich zu Rentenanlagen akzeptiert (aushält), wagen wir zu bezweifeln. Als langfristiger Baustein beim Vermögensaufbau ist die Aktie absolut unverzichtbar.

Welche Rentenwerte liefern sichere, welche auskömmliche Renditen, werden die Ausschläge stärker?

Unternehmensanleihen im unteren Investmentgrade-Bereich erzielen je nach Laufzeit Renditen zwischen einem und zwei Prozent. Um höhere Renditen zu erzielen, müssen deutliche Abstriche bei der Bonität der Schuldner in Kauf genommen werden.

Welche Produkte bevorzugen Sie, um in 2016 in Aktien und in Renten zu investieren?

Unser Investmentstil beinhaltet schwerpunktmäßig Investments in ETFs und gemanagte Fonds. Situativ werden Einzeltitel beigemischt.

Haben Sie einen persönlichen Tipp für das kommende Börsenjahr?

Ein Anziehen der Weltkonjunktur sollte die Nachfrage im Rohstoffsektor tendenziell erhöhen, so dass Rohstoffaktien vor einer Erholung stehen sollten.

Interview: Frank O. Milewski

Foto: Gies & Heimburger

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