„Wir rechnen mit einem Ja zum Euro“

Chefanalytiker Bo Bejstrup Christensen rechnet beim Referendum am Sonntag mit einem Ergebnis pro Euro der Griechen und meint, dass das Risiko eines griechischen Ausstiegs aus dem Euro (Grexit) gering ist. 

Bo Bejstrup Christensen, Chefanalytiker bei Danske Invest

Wie beurteilen Sie die derzeit starke mediale Präsenz von Griechenland?

Christensen: Griechenland erhält so viel Aufmerksamkeit, weil wir noch nie zuvor erlebt haben, dass ein Euroland dem wirtschaftlichen Zusammenbruch so nahe ist, wie Griechenland jetzt. Als der Euro eingeführt wurde, ging man davon aus, dass dies nicht wieder rückgängig gemacht werden könne – wenn man sich einmal der Eurozone angeschlossen hatte, so verließ man sie nie wieder. Dies bedeutet: Wenn Griechenland den Euro verlassen sollte, müssten wir das gesamte Europrojekt neu überdenken.

Es kann gut sein, dass das Risiko, dass dann auch Italien oder Spanien den Euro verlassen, gering ist. Aber dies ändert nichts an der Tatsache, dass wir als Investoren uns darauf einstellen müssten, dass das Europrojekt etwas Anderes ist, als uns erklärt wurde.

Der Grund für die kräftige Reaktion der Finanzmärkte sind die vielen Ungewissheiten des Szenarios. Damit erheben sich eine Reihe von Fragen: Kann sich das ausbreiten? Steht uns eine europäische Rezession bevor? Droht eine neue Finanzkrise? Eine neue Schuldenkrise? Kann dies die USA anstecken? Und was bedeutet dies für Osteuropa, das sich ebenfalls in einer sensiblen Situation befindet? Die Märkte versuchen ein Szenario einzupreisen, das wir eigentlich nicht genau kennen. Und der Markt weiß auch nicht, mit welcher Wahrscheinlichkeit dies eingepreist werden soll. Daher konzentriert sich die Aufmerksamkeit so sehr auf Griechenland.

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Wie ist jetzt die Lage in Griechenland?

Die griechischen Banken sind geschlossen. Dies liegt daran, dass alle, die Guthaben bei griechischen Banken haben, ihr Geld abheben wollen. Und das würde zum Zusammenbruch des Bankensystems führen. Dann könnte man nicht einmal mehr die täglichen Einkäufe erledigen. Die Verhandlungen über eine Verlängerung der Kreditvereinbarungen sind zusammengebrochen und der griechische Ministerpräsident hat für Sonntag eine Volksabstimmung angesetzt.

 

Seite zwei: „Privatinvestoren sollten sich abwartend verhalten

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