20. Oktober 2016, 17:05
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

EZB lässt Leitzins erwartungsgemäß unverändert

Öffnet die Europäische Zentralbank (EZB) die Geldschleusen noch weiter oder schließt sie diese allmählich? Klarheit über den Kurs der Notenbank dürfte es erst Ende des Jahres geben.

EZB lässt Leitzins erwartungsgemäß unverändert

EZB-Präsident Mario Draghi: “Keiner will ein abruptes Ende der Anleihekäufe.”

Die EZB bleibt auf Anti-Krisenkurs: Sie sieht vorerst keinen Anlass, ihre ultralockere Geldpolitik zu ändern. Der Rat habe bei seiner Sitzung nicht über einen schrittweisen Ausstieg aus den milliardenschweren Anleihekäufe diskutiert, sagte EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag in Frankfurt. Aber auch über eine Ausweitung des Programms sei nicht gesprochen worden. Klarheit dürfte die Dezember-Sitzung bringen. “Dann werden wir sagen, was wir in den nächsten Monaten tun werden.”

EZB-Konjunktur- und -Inflationsprognosen im Dezember

Im Dezember legt die EZB ihre aktuellen Konjunktur- und Inflationsprognosen vor. Sollte es notwendig werden, werde die Notenbank alle ihr zur Verfügung stehenden Instrumente einsetzen, bekräftigte Draghi. Zugleich betonte der Notenbank-Präsident: “Keiner will ein abruptes Ende der Anleihekäufe.” Zuletzt hatten Spekulationen auf ein absehbares Ende der Geldschwemme für Unruhe bei Anlegern gesorgt. Seit März 2015 kauft die Notenbank Staatsanleihen und andere Wertpapiere im großen Stil.

80 Milliarden Euro fließen derzeit monatlich, insgesamt sollen es 1,74 Billionen Euro werden. Das Programm soll bis mindestens Ende März 2017 laufen. Seit Juni stehen auch Unternehmensanleihen auf dem Einkaufszettel. Allerdings werden einige Papiere allmählich knapp, die die EZB nur nach selbst gesetzten Kriterien kaufen kann. Derzeit darf sie keine Anleihen erwerben, deren Zinsen unterhalb des Einlagensatzes von derzeit minus 0,4 Prozent liegen. Zudem hat sie sich auferlegt, höchstens 33 Prozent eines jeweils ausgegebenen Wertpapiers zu kaufen. Bei einer Ausweitung der Geldflut dürfte die EZB in Konflikt mit den Regeln kommen.

Änderungen bei Kaufbedingungen von Anleihen erwartet

“Wenn die EZB die Anleihenkäufe, wie von uns erwartet, um neun Monate verlängert, wird sie schätzungsweise im Frühsommer 2017 bei den gegenwärtigen Regeln nicht mehr genügend kauffähige Bundesanleihen finden”, erklärte die Commerzbank. Deshalb dürfte die EZB im Dezember die Kaufbedingungen verändern.

Die EZB beließ den Leitzins im Euroraum, zu dem sich Geschäftsbanken frisches Zentralbankgeld besorgen können, erwartungsgemäß auf dem Rekordtief von null Prozent. Auch den Strafzins für Banken von 0,4 Prozent tastete sie nicht an. Banken müssen diesen zahlen, wenn sie überschüssiges Geld bei der Notenbank parken.

Draghi rechnet mit schrittweiser Teuerung

Mit den Maßnahmen will die EZB die Konjunktur ankurbeln und die Inflation im Euroraum anschieben. Zwar stieg die Inflation im September auf den höchsten Stand seit Oktober 2014. Die Rate ist mit 0,4 Prozent aber weit entfernt von dem Preisziel der EZB von knapp zwei Prozent. Langfristig niedrige oder gar sinkende Preise gelten als Risiko für die Konjunktur: Unternehmen und Verbraucher könnten Investitionen aufschieben, weil sie erwarten, dass es noch billiger wird.

Draghi rechnet damit, dass die Teuerung schrittweise anzieht – vor allem wegen wieder steigender Energiepreise. Die Wirtschaftsleistung im Euroraum dürfte moderat aber stetig zulegen. Die Widerstandskraft gegenüber ökonomischen Unsicherheiten sei gestiegen. Die ultralockere Geldpolitik der EZB ist vor allem in Deutschland umstritten. Sie belastet Sparer. Kritiker befürchten zudem eine sinkende Reformbereitschaft der Politik. (dpa-AFX)

Foto:  Arne Dedert/dpa

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Hurra, wir leben länger: Jedes dritte Mädchen wird 100 Jahre alt

Ein 100. Geburtstag wird in Zukunft immer gewöhnlicher. Mehr als jedes dritte neugeborene Mädchen (37 Prozent) wird das Jubiläum voraussichtlich erleben. Von den Jungen kann jeder zehnte darauf hoffen – sofern der Trend anhält. Das zeigen aktuelle Berechnungen des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung (MPIDR) im Auftrag der Initiative „7 Jahre länger“.

mehr ...

Immobilien

Baufinanzierung: Immer höhere Darlehen

Die hohen Preise für Objekte an den deutschen Immobilienmärkten treiben auch die Darlehenssummen stetig weiter nach oben. Michael Neumann, Vorstand der Dr. Klein Privatkunden AG, berichtet über aktuelle Entwicklungen bei den Baufinanzierungen.

mehr ...

Investmentfonds

Biotechnologie: “Ungebremste Innovationskraft”

Welches sind die größten Risiken bei einer Investition in Biotechnologie und was sollten Anleger beachten? Darüber hat Cash. mit Dr. Ivo Staijen, CFA gesprochen, Manager des HBM Global Biotechnology Fund.

mehr ...

Berater

Wirecard: Softbank als neuer Partner in Fernost

Der Zahlungsabwickler kann nach Berichten über umstrittene Bilanzierungspraktiken gute Nachrichten verkünden: Der Tech-Konzern Softbank investiert 900 Millionen Euro in Wirecard. Er soll den Dax-Kozern als Partner in Fernost unterstützen.

mehr ...

Sachwertanlagen

Wealthcap gibt weiteren Publikums-AIF in den Vertrieb

Der Asset Manager Wealthcap aus München bietet Privatanlegern erneut die Beteiligung an einem Dachfonds an, der in verschiedene Assetklassen investiert und auf diese Weise eine entsprechende Risikomischung anstrebt.

mehr ...

Recht

WhatsApp-Party-Einladung kann teuer werden

Bereits zum zweiten Mal hatte ein Jugendlicher per WhatsApp zu einer großen Grillparty aufgerufen. Leider spielte die Polizei da nicht mit und unterband die Veranstaltung auf einem Grillplatz im Landkreis Heilbronn. Zudem kündigte die Beamten an, den finanziellen Aufwand für ihren aufwändigen Einsatz dieses Mal in Rechnung zu stellen. Für die Eltern dürfte der Spaß teuer werden, denn die Privathaftpflicht zahlt nicht.

mehr ...