Starfondsmanager Igor de Maack sieht anhaltende Volatilität

Nach dem Brexit-Referendum sind die Politiker in der gesamten EU am Zug. Hierbei geht es sogar um die Überlebensfähigkeit des Euroraums an sich. Gastkommentar von Igor de Maack, DNCA

Igor de Maack von DNCA analysiert die Auswirkungen des Brexits auf die Kapitalmärkte
Igor de Maack von DNCA analysiert die Auswirkungen des Brexits auf die Kapitalmärkte

Das Brexit-Referendum hat dem Ansehen der Europäischen Union geschadet und wird zweifellos seine Spuren hinterlassen, wenn sich die politischen Entscheidungsträger Europas dem nicht ent- und geschlossen entgegenstellen. Allerdings sollte man die langjährige und ereignisreiche Geschichte der Europäischen Union nicht gänzlich unterschätzen. Dieses sehr knappe und unentschlossene Ergebnis zeigt deutlich die Zwiespältigkeit der Beziehungen Grossbritanniens zur Europäischen Union. Das Verhältnis zu den Europäischen Institutionen war immer von Insularität, Pragmatismus und versuchter Einflussnahme gekennzeichnet.

Das Referendum wird politische, wirtschaftliche und finanzielle Konsequenzen haben. So dürfte das Brexit-Votum populistischen Parteien Auftrieb geben, da diese nun von einem ähnlichen Szenario auch in ihren eigenen Ländern träumen. Andere Staaten, die der „Union Jack“ bisher noch verbindet, also Schottland und Nordirland, wollen vermutlich gerne in der Europäischen Union verbleiben. Auch die wirtschaftlichen Auswirkungen der tiefen Verunsicherung, die aus dem Brexit resultiert, lassen sich unmöglich ausblenden. Dabei geht es zwar zunächst um die britische Wirtschaft, im zweiten Schritt steht aber trotz der aktuellen Erholungstendenz in der Eurozone auch die europäische Konjunktur insgesamt auf dem Spiel. Die unnachgiebige Haltung der Europäer macht die Position Großbritanniens noch schwieriger, weil London den Austrittsprozess aktiv einleiten muss, bevor weitere Verhandlungen aufgenommen werden können. Ein Ende der Unsicherheit rund um den gesamten Prozess würde sicherlich dazu beitragen, die Ängste der Investoren zu reduzieren.

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Am Wachstumstrend im Euroraum schien mit Blick auf diverse Indikatoren kein Zweifel zu bestehen – bis die Wähler im Zuge des Brexit-Referendums ihre Unzufriedenheit zum Ausdruck brachten und damit ein politisches Erdbeben auslösten. Die Prognosen für das BIP-Wachstum liegen für 2016 und 2017 nach wie vor bei rund 1,6%, obwohl einige Auguren für 2017 inzwischen eine Rezession in Großbritannien voraussagen. Zum jetzigen Zeitpunkt lassen sich die Auswirkungen des Brexit auf das Wachstum in der Eurozone aber nur sehr schwer prognostizieren. Die letzten Statistiken vor dem EU-Austritt Großbritanniens waren durchaus vielversprechend. Dies galt beispielsweise für die Zahl der Fahrzeug-Neuzulassungen, die Verfügbarkeit von Krediten, die Konsumausgaben, die Zahl der erteilten Baugenehmigungen sowie die Investitionsausgaben der Industrie.

Seite zwei: Britische Rezession würde auch andere Länder treffen

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