17. März 2017, 10:35
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Wer hat Angst vor Protektionismus?

Der heutige Besuch von Angela Merkel beim neuen US-Präsidenten Donald Trump wird auch von den Börsianern intensiv beobachtet werden. Aktuell wird seitens der Investoren heftig über mögliche Auswirkungen der Protektionismus-Politik von Donald Trump diskutiert. Ein Gastbeitrag von Axel D. Angermann, Feri Gruppe.

Export in Wer hat Angst vor Protektionismus?

Der Besuch von Angela Merkel bei Donald Trump ist richtungsweisend für den zukünftigen Welthandel.

Hinter den Kulissen wird an einer Unternehmenssteuerreform gearbeitet, die unter dem Stichwort “Cross Border Tax” Importe in die USA deutlich belasten und amerikanische Exporte im Gegenzug entlasten würde. Feri hat die möglichen Folgen für die deutsche Wirtschaft untersucht. Danach spielen vier Faktoren eine entscheidende Rolle.

Auswirkungen auf Branchen unterschiedlich

Erstens sind die einzelnen Sektoren umso stärker betroffen, je höher der Anteil der USA-Exporte am Umsatz der Branche ist. Die steuerinduzierte Verteuerung deutscher Ausfuhren mindert entweder das Absatzpotenzial auf dem dortigen Markt oder die Gewinne der Unternehmen, wenn die Durchsetzung höherer Preise nicht gelingt. Die deutsche Industrie insgesamt erzielt etwas mehr als zehn Prozent ihres Umsatzes mit Exporten in die USA. In der pharmazeutischen Industrie liegt dieser Wert mit 37 Prozent sehr viel höher, für die Hersteller von Datenverarbeitungsgeräten und die Unternehmen des sonstigen Fahrzeugbaus (also vor allem im Flugzeugbau) ist der US-Markt mit mehr als 20 Prozent Umsatzanteil immer noch mehr als doppelt so wichtig wie für den Durchschnitt des Verarbeitenden Gewerbes.

Zweitens würde eine amerikanische Cross Border Tax aller Voraussicht nach den Wettbewerbsdruck für deutsche Unternehmen auf dem Weltmarkt insgesamt verschärfen. Der Grund: Die Steuer würde den Handel zwischen den USA und dem Rest der Welt umlenken und Gegenmaßnahmen anderer Länder auslösen. Dies hätte gravierende Auswirkungen auf den Welthandel, denen sich auch Deutschland nicht entziehen könnte. Da die deutsche Industrie immerhin die Hälfte ihres Umsatzes im Ausland erzielt, ist dies ein signifikanter Risikofaktor. Auch hier weisen die bereits genannten Branchen eine überdurchschnittlich hohe Abhängigkeit von den im Ausland getätigten Geschäften auf, zusätzlich aber auch die dem Umsatz nach größten Branchen, die Autoindustrie, der Maschinenbau und die Chemie.

Substitutionseffekt möglich

Drittens führt eine Cross Border Tax zu vergünstigten Importen aus den USA und damit zur Möglichkeit, dass in Deutschland selbst heimische Produkte durch US-Importe verdrängt werden. Die Zahlen zum Anteil der US-Importe am Inlandsmarkt zeigen, dass diese Gefahr insgesamt begrenzt ist: Lediglich drei Prozent des deutschen Marktes für Industriewaren entfallen auf US-Importe. Auch hier ragen die Werte für die pharmazeutische Industrie und den sonstigen Fahrzeugbau heraus.

Viertens ergibt sich ein aus deutscher Sicht positiver Effekt über die Vorleistungen, die deutsche Unternehmen aus den USA beziehen. Indem deutsche Unternehmen Vorleistungen aus den USA günstiger beziehen können, erhöht sich ihre Wettbewerbsfähigkeit. Dieser Effekt dürfte jedoch insgesamt begrenzt sein, weil der Anteil der US-Importe an den Vorleistungen in fast allen Branchen deutlich unter 10 Prozent liegt. Die Ausnahme bildet erneut der sonstige Fahrzeugbau mit einem Wert von 11 Prozent (siehe auch die Tabelle unten).

Deutsche Konzerne können ausweichen, der Standort Deutschland nicht

Die Einführung einer US-Cross Border Tax würde an der stark exportorientierten deutschen Wirtschaft natürlich nicht spurlos vorbeigehen. Ein derart gravierender Eingriff in die Rahmenbedingungen des internationalen Handels hätte vor allem für die Automobilhersteller und den Maschinenbau, aber auch die pharmazeutische Industrie oder den Flugzeugbau Folgen, dort müsste insbesondere Airbus mit einer deutlichen Verschlechterung der Wettbewerbsposition im Vergleich zu Boeing rechnen. Dennoch ließen sich die negativen Auswirkungen in Grenzen halten. Das liegt zum einen daran, dass Qualität “Made in Germany” nicht ohne weiteres durch US-Produkte oder durch solche aus anderen Ländern ersetzt werden kann. Zum anderen können weltweit agierende Unternehmen auf veränderte Rahmenbedingungen flexibel reagieren, zum Beispiel mit höheren Investitionen beziehungsweise der Verlagerung ihrer Produktion in bereits bestehende US-Standorte.

Diesen Zusammenhang dürfte auch die Kanzlerin, die auf ihrer USA-Reise von Spitzenmanagern der deutschen Wirtschaft begleitet wird, bedenken: Für einen international tätigen Konzern mag sich eine neue Handelssteuer nur geringfügig auf Gewinn und Beschäftigung auswirken. Für den Standort Deutschland, für die hierzulande angesiedelte Wertschöpfung und die Beschäftigten gilt dies aber unter Umständen nicht.

Axel D. Angermann ist Chefvolkswirt der Feri Gruppe.

Foto: Shutterstock

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