Märkte stehen vor unruhigem September

Aus der Zentralbankkonferenz in Jackson Hole erreichen die Anleger wenig Neuigkeiten zur Geldpolitik der amerikanischen und europäischen Zentralbank. Kein guter Start in den Herbst, in dem neue Unsicherheit aus den USA droht.
Gastbeitrag von Dr. Martin Lück, Blackrock

Martin Lück bleibt für die Aktienmärkte positiv gestimmt.
Martin Lück: „Wichtig aus Sicht der Märkte war nicht so sehr, was Yellen und Draghi sagten, sondern eher, was sie nicht sagten.“

Mit Ende des Sommers tritt an den Finanzmärkten gern mal eine Phase erhöhter Nervosität ein. Zum Teil liegt das an der Historie, denn schon oft hat es im September Ereignisse gegeben, welche die bis dato erzielte Performance radikal verschlechterten und den September zu einem Monat mit eher zweifelhaften Ruf machten– zu denken nur an 9/11 oder die Lehman-Pleite 2008.

Zum Teil mag dies auch daran liegen, dass bis zum Sommer akzeptierte Gewinnerwartungen im September, nach dem Ende der Berichtssaison für das zweite Quartal, gern in Frage gestellt werden. Zumindest an dieser Front gibt es 2017 Entwarnung, denn das synchronisierte Wachstum quasi rund um den Planeten dürfte für stabile Gewinnschätzungen für den Rest des Jahres sorgen. Ungemach droht eher von anderer Seite.

Wenig Informationen aus Jackson Hole

Da sind zunächst die Zentralbanken. Vermutlich wird die Fed sehr bald verlauten lassen, wie stark sie demnächst ihre Bilanzsumme verkürzen will und ob sie in diesem Jahr noch einmal die Zinsen erhöht. Bei der EZB ist eher die Frage, ab wann das Tempo des Anleihekaufprogrammes (QE) verlangsamt wird und gegebenenfalls um wie viel.

Zu beiden Fragen hatten sich Marktbeobachter Aufschluss erhofft, denn die beiden beteiligten Zentralbankchefs befanden sich auf der Rednerliste der Zentralbankerkonferenz in Jackson Hole Ende letzter Woche. In der Tat sprachen auch beide, vermieden aber Aussagen zur Geldpolitik.

Janet Yellen erinnerte – durchaus mit Fingerzeig gegenüber dem Weißen Haus – an die Segnungen strafferer Finanzmarktregulierung, Mario Draghi lobte vor allem den Erfolg der bisherigen EZB-Maßnahmen und stellte klar, dass Europa noch lange sehr lockere Geldpolitik brauchen wird.

US-Kongress muss Haushalt beschließen

Wichtig aus Sicht der Märkte war aber nicht so sehr, was Yellen und Draghi sagten, sondern eher, was sie nicht sagten. Allein daraufhin, dass Draghi die starke –und aus Sicht der EZB unerwünschte– Aufwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar unerwähnt ließ, stieg die europäische Währung um knapp einen Cent.

Befindet sich die Geldpolitik also auf beiden Seiten des Atlantik im Selbstfindungsmodus, rüsten sich in Washington D.C. die fiskalpolitischen Entscheider zum Kampf. Bis spätestens 1. Oktober muss nämlich der US-Kongress den Haushalt 2018 beschließen (Appropriation Bill) oder das bestehende Gesetz verlängern (Continuing Resolution).

Außerdem könnte Ende September, spätestens wohl Anfang Oktober erneut die Schuldenobergrenze erreicht werden. Auch hier müsste der Kongress eine Erhöhung beschließen. Normalerweise würden Anleger wohl davon ausgehen, dass eine Regierung mit Mehrheiten in beiden Kammern des Kongresses diese Situation sicher umschifft.

Seite zwei: Bundestagswahl + durchwachsene Inflationszahlen

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