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27. Juli 2017, 08:22
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Chinesische Unternehmensanleihen in Lokalwährung nicht attraktiv genug

China initiiert das Bond-Connect-Programm und will damit chinesische Anleihen ausländischen Investoren zugänglich machen. Diliana Deltcheva und Julien Fabre, beide Candriam, mit einer Einschätzung, inwieweit dieser Schritt für Auslands-Anleger Vorteile bringt.

China in Chinesische Unternehmensanleihen in Lokalwährung nicht attraktiv genug

Liberalisierung des chinesischen Anleihemarktes ist ein weiter Weg.

Die Einführung der sogenannten Handelsbrücke “Stock Connect” im Jahr 2014, welche die Festlandbörse in Shanghai ausländischen Investoren erstmals zugänglich machte, war der bislang wichtigste Schritt zur Öffnung der chinesischen Inlands-Kapitalmärkte. Gemessen daran ist die jetzt gestartete Öffnung des chinesischen Anleihenmarktes mit “Bond Connect Northbound” nur ein kleiner Schritt auf dem langen Weg der Liberalisierung. China möchte ausländischen Investoren den Marktzugang erleichtern, um den Renminbi als internationale Währung zu stärken, die Kapitalbilanz zu entlasten und Druck von der chinesischen Währung zu nehmen.

Währung und Aktien haben sich stabilisiert

Der Schuldenabbau in der chinesischen Wirtschaft sorgt mittelfristig für große Risiken, die in den Wertpapierkursen zurzeit noch nicht vollständig berücksichtigt sind. Vor dem Parteikongress in diesem Jahr hat die Regierung die lang erwartete Modernisierung der Wirtschaft und die Restrukturierung der schwerindustrielastigen Staatsunternehmen verschoben. Mit dieser künstlichen Stabilisierung sollten auch Kapitalabflüsse verhindert werden. 2014 und 2015 waren ausländische Investoren nicht nur mit Fehlentscheidungen und Kommunikationspannen der chinesischen Regierung konfrontiert, sondern auch mit der undurchsichtigen Corporate Governance bei Staatsunternehmen, Banken und anderen Unternehmen. Seit 2016 haben sich Währung und Aktien aber stabilisiert, und heute sind sich die meisten Analysten einig, dass allenfalls mittelfristig mit einem Schuldenabbau oder einer harten Landung Chinas zu rechnen ist. Wir glauben deshalb, dass die Investoren im Renminbi überwiegend neutral positioniert sind. Die Kombination aus hohen politischen Risiken und einer gewissen Sorglosigkeit der Investoren könnte sich aber als gefährlich erweisen.

Short in Renminbi

Wir bleiben vorsichtig und behalten unsere Short-Position im Renminbi bei, um uns gegen Chinarisiken in unserem Lokalwährungsanleihefonds abzusichern. Mit Käufen von chinesischen Staatsanleihen (CGBs) und Lokalwährungs-Unternehmensanleihen haben wir es nicht eilig, da wir sie gemessen an den Fundamentaldaten nicht für attraktiv genug halten: Der GBI EM GD Index bietet eine Rendite von 6,3 Prozent, während man sich bei chinesischen Staatsanleihen mit drei bis vier Prozent und bei höherwertigen Unternehmensanleihen mit fünf Prozent begnügen muss. Mit vielen unserer Positionen setzen wir auf Disinflation, und wir sind von dieser Positionierung stark überzeugt. Dies gilt etwa für unsere Anlagen in Russland, Brasilien, der Türkei und Südafrika, die zwischen acht und zwölf Prozent Rendite bieten. Die 17 Emerging-Market-Länder des GBI-EM GD haben hinreichend offene Kapitalmärkte. Auch herrscht hier mehr Klarheit über Fundamentalfaktoren, Bewertungen und Markttechnik, die Grundlagen unserer Anlageempfehlungen. Eine Ausweitung unserer Analysen auf den Renminbi und chinesische Lokalwährungsanleihen ist nicht einfach, da es noch immer an genauen und verlässlichen Daten mangelt.

Abbau der Risiken bei Schattenbanken

Die mittelfristigen Risiken durch den Schuldenabbau sind das eine. Hinzu kommt, dass sich die chinesische Konjunktur noch nicht an einem Punkt befindet, an dem eine höhere Duration interessant wäre. Die Straffung der Geld- und Fiskalpolitik ist noch nicht abgeschlossen; die chinesische Notenbank bemüht sich um einen geordneten Abbau der Risiken bei den Schattenbanken. Dies dürfte so lange andauern, wie die volkswirtschaftlichen Nebenwirkungen tragbar sind. Die Auswirkungen strafferer Finanz- und Liquiditätsbedingungen auf Staatsanleihen sind bestenfalls unklar, die Auswirkungen auf Unternehmensanleihen eindeutig negativ. Wir rechnen daher eher mit mehr Abflüssen und einer Währungsabwertung als mit Neuanlagen in chinesische Lokalwährungsanleihen und Aktien.

Diliana Deltcheva ist Leiterin Emerging-Market-Anleihen beim europäischen Multi-Asset-Spezialisten Candriam. Julien Fabre ist Fondsmanager für Emerging-Market-Anleihen bei Candriam.

Foto: Shutterstock

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