Jens Ehrhardt: „Blase besteht bei Renten, aber nicht bei Aktien“

In den USA dürften Technologieaktien und Finanzdienstleister im Hinblick auf gutes Gewinnwachstum aussichtsreich bleiben. Stimulierend in den USA wirken schon heute steigende Staatsdefizite (zuletzt 4,5 Prozent vom Bruttosozialprodukt) und wahrscheinlich mittelfristig Steuersenkungen und Infrastrukturprogramme. Der US-Aktienmarkt wird künstlich stimuliert durch die sehr hohen Aktienrückkäufe. Diese könnten noch einmal steigen, wenn die US-Unternehmen ihre in den Steueroasen geparkten Gelder steuerbegünstigt zurückholen können. Laut Trump handelt es sich hier um bis zu vier Billionen US-Dollar.

Ohne Steuersenkung dürften die Aussichten in Wall Street allerdings schlechter sein als an den anderen Weltmärkten, da die in Aussicht stehenden Zinserhöhungen und Liquiditätseinschränkungen (Anleiheverkäufe) die Börse sonst drücken würden.

Weiterer Kursanstieg in Japan und Hongkong

In Asien sollte sich der Kursaufschwung in Japan und Hongkong fortsetzen können. Beide Märkte zeigen ein sehr gutes Gewinnwachstum. In China geht die konjunkturelle Beschleunigung zwar zurück, besonders am Immobilienmarkt, dafür wachsen aber Konsum und Dienstleistungen. Die erhöhte Verschuldungsbereitschaft der Konsumenten treibt diesen Sektor. Die traditionellen Industriebereiche (Export) dürften dagegen wegen schwächerer Verschuldung genauso wie der Immobilienmarkt schwächer tendieren.

Faktoren für kurzfristige Bremsspuren an den Aktienmärkten

In Europa könnten Aktien mit hohen Dividendenrenditen, die aus Angst vor steigenden Zinsen lange Zeit unterdurchschnittlich abschnitten, wieder aufholen. Dazu gehören die großen Öltitel mit Renditen von fünf bis sechs Prozent. Auch die großen Versicherungen glänzen mit Renditen, die bei einem Vielfachen von Unternehmensanleihen oder gar Staatsanleihen liegen.

Kurzfristig könnten die Aktienmärkte gebremst werden im Hinblick auf markttechnisch zu großen Optimismus und geopolitische Risiken. Schwache Kurse an den Aktienmärkten erscheinen aber weiterhin als Kaufkurse.

Dr. Jens Ehrhardt ist Vorstandsvorsitzender der DJE Kapital AG aus Pullach bei München.

Foto: Alexander von Spreti

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