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12. Juli 2018, 13:33
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Argentinien: Probleme trotz IWF-Kredit

Der IWF-Kredit hat die argentinischen Märkte stabilisiert, aber die Probleme des Landes bleiben bestehen. Welche Herausforderungen die Wirtschaft in den nächsten Monaten überwinden muss und was das für Anleger bedeutet: Gastbeitrag von Rob Drijkoningen, Neuberger Berman

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Rob Drijkoningen: “Da argentinische Staatsanleihen oft übergewichtet werden, gerät Argentinien immer noch überdurchschnittlich stark unter Druck, wenn Anleger ihre Schwellenländeranleihenfonds verkaufen.”

Der Kursrutsch in den Schwellenländern hat sich zu einer breit basierten Verkaufswelle ausgeweitet. Der Druck, der von der globalen Liquiditätsstraffung ausgeht, wird jetzt durch die Furcht vor einem von den USA angezettelten Handelskrieg verstärkt.

Argentinien ist angreifbar

In diesem Umfeld begannen die Anleger Ende April, die zunehmende Angreifbarkeit Argentiniens im Hinblick auf seine Zahlungsbilanz kritischer zu betrachten. Mit einem Leistungsbilanzdefizit von derzeit über fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) entwickelte sich der argentinische Markt seit Jahresbeginn deutlich schwächer als die Märkte anderer Schwellenländer. Der Wert der Auslandsanleihen (in US-Dollar) fiel um über 15 Prozent und die lokalen Märkte rutschten in US-Dollar um 35 Prozent ab.

Nach Bekanntgabe des 50 Milliarden US-Dollar schweren Programms des Internationalen Währungsfonds (IWF) konnte Argentinien rund vier Milliarden US-Dollar an den Märkten aufnehmen. Dies verdeutlicht, dass die Regierung trotz der anhaltenden Turbulenzen immer noch Zugang zu den Märkten hat.

Weitere Probleme Argentiniens

Aber Argentinien ist noch nicht aus dem Schneider. Da argentinische Staatsanleihen oft übergewichtet werden, gerät Argentinien immer noch überdurchschnittlich stark unter Druck, wenn Anleger ihre Schwellenländeranleihenfonds verkaufen. Und es wird eine ganze Weile dauern, bis das Anlegervertrauen zurückkehrt.

Vor dem IWF-Programm versuchte Argentinien vergeblich, seine Währung zu verteidigen. Im Rahmen des klassischen IWF-Rezepts war die Zentralbank gezwungen, die Verteidigung des Wechselkursniveaus von 25 Argentinischen Pesos zum US-Dollar zu beenden.

Wir sind nach wie vor der Ansicht, dass die Stabilität zurückkehren könnte, sobald sich die Leistungsbilanz allmählich anpasst und die Korrektur der Schwellenländerwerte die Talsohle überwunden hat.

IWF-Programm

Der IWF und Argentinien vereinbarten die Bereitstellung einer Kreditlinie von 50 Milliarden Dollar für drei Jahre. Das Programm stützt sich auf eine drastische Haushaltssanierung, Schritte zur Verbesserung der Glaubwürdigkeit der Zentralbank und Maßnahmen zur Verbesserung der Devisenreserven des Landes. Ziel des Programms ist ein ausgewogener Primärhaushalt bis 2020, gegenüber dem aktuellen Niveau von rund -2,7 Prozent des BIP.

Außerdem legt es quantitative Ziele für den Aufbau von Devisenreserven fest, schränkt die Zentralbankfinanzierung der Regierung drastisch ein und gibt für seine Laufzeit Inflationsziele vor.

Im Wesentlichen ist das Programm darauf ausgelegt, die Liquidität im Inland zu straffen. Unserer Meinung nach ist dies eine wichtige Maßnahme, um die Zinssätze hoch zu halten und den Anreiz zum Kauf von US-Dollar zu reduzieren. Dies sollte die Währung stabilisieren und die Inflation im Laufe der Zeit senken.

Reformen gegen Haushaltsdefizit

Außerdem gab es einen Führungswechsel bei der Zentralbank. Wegen des Vertrauensverlusts in die Zentralbank legten Federico Sturzenegger und sein Team ihre Ämter im Zentralbankrat nieder, und Luis Caputo übernahm das Ruder. Bisher leitete Caputo die Staatsfinanzen im Finanzministerium. Wir gehen davon aus, dass er im Hinblick auf die Geld- und Währungspolitik einen pragmatischeren Ansatz einschlagen wird, ohne die Unabhängigkeit der Zentralbank aufs Spiel zu setzen.

Seite zwei: Überraschend positive Entwicklung

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