„Keine Angst vor der Regulierung“

Rund 130 Besucher konnte Veranstalter Jürgen Braatz (Ratingwissen) auf dem diesjährigen 11. Deutschen Fondsrating-Tag im Empire Riverside Hotel Hamburg begrüßen. Der Fachkongress stand ganz im Zeichen der Regulierung von Fondsanbietern und freien Vermittlern.

In der Abschlussrunde diskutierten (v. l.) Manfred Koch (id), Helmut Schulz-Jodexnis (Jung, DMS & Cie.), Gerald Feig (Flex Fonds), Marcus Kraft (ZBI), Norman Wirth (AfW) und Marc Schumann (Solvium) mit Moderator Stefan Löwer (G.U.B. Analyse).

So zeigte Rechtsanwalt Klaus-Lorenz Gebhardt (Kanzlei RBS Roever Broenner Susat) in seinem Vortrag auf, wie sich das Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) auf den Vertrieb auswirkt.

Er wies unter anderem darauf hin, dass Fonds, die von einer lediglich registrierten Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) verwaltet werden, nicht nach § 34f Gewerbeordnung (GewO) vertrieben werden dürfen. Votum-Geschäftsführer Martin Klein wartete mit aktuellen Fällen aus den Gerichten auf.

AfW-Vorstand Norman Wirth gab einen Überblick über Regulierungsvorhaben auf europäischer Ebene, die in den nächsten Jahren auf deutsche Vermittler zukommen, unter anderem die Wohnimmobilienkreditrichtlinie und die Versicherungsvermittlungsrichtlinie IMD II.

Die in den Koalitionsverhandlungen zunächst angedachten Pläne, Vermittler künftig von der Finanzaufsicht Bafin kontrollieren zu lassen, statt wie bisher von den Gewerbeämtern, sei zunächst vom Tisch. In zwei bis drei Jahren wolle die Große Koalition überprüfen, ob sich die Aufsicht durch die Gewerbeämter in der Praxis bewährt habe, so Wirth.

Böcher spricht über Wölbern

Ein Höhepunkt des Kongresses: Paribus-Geschäftsführer Thomas Böcher erklärte im Gespräch mit Jürgen Braatz, welche Folgen die Übernahme der Verwaltung der Immobilienfonds von Wölbern Invest in der Praxis hat, zum Beispiel die Notwendigkeit der Anmietung neuer Büroräume für die verbliebenen Wölbern-Mitarbeiter.

Böcher berichtete von regelmäßig langen Arbeitszeiten bis tief in die Nacht, um das Bedürfnis von 40.000 Wölbern-Anlegern nach Erstinformation aufzufangen und zu befriedigen. Wichtig sei in erster Linie, die Handlungsfähigkeit der Fonds wiederherzustellen. Zunächst habe man alle Fonds stabilisieren können.

Gastgeber Jürgen Braatz bot den Teilnehmern des Kongresses spannende Diskussionen zu aktuellen Themen.

Auch einzelne Assetklassen waren Thema auf dem Podium: So diskutierte der Wirtschaftsjournalist Alexander Heinze mit Marc Schumann (Solvium) und Helmut Schulz-Jodexnis (Jung, DMS & Cie.) über Perspektiven von Containern als Direktinvestment.

G.U.B.-Chefanalyst Stefan Löwer moderierte die Diskussionsrunde zum Thema „Trendprodukt Deutsche Immobilien“ mit Gerald Feig (Flex Fonds), Manfred Koch (id Immobilien in Deutschland), Marcus Kraft (ZBI) und Jochen Weder (afm).

Laut Kraft profitieren Wohnimmobilien zwar vom kriselnden Gesamtumfeld und werden derzeit stark nachgefragt. Die Nachfrage im Fondsbereich sei aber geringer als im Bereich Direktinvestments. Als Grund führte er die Gemengelage aus KAGB-Einführung, Neuausrichtung der Vertriebe und Branchenskandalen der letzten Zeit an.

Initiatoren setzen weiter auf freien Vertrieb

Die ebenfalls von Stefan Löwer moderierte Abschlussrunde mit Feig, Koch, Kraft, Schumann, Schulz-Jodexnis und Wirth befasste sich primär mit der Frage, ob der freie Vertrieb vor dem Hintergrund der Regulierung noch eine Zukunft hat.

Die Initiatoren erklärten übereinstimmend, dass der freie Vertrieb weiterhin eine große Bedeutung für ihre Häuser habe. Zwar stünden freie Vermittler derzeit vor großen Herausforderungen. Doch für diejenigen, die diese meistern, würden sich große Chancen bieten.

„Haben Sie keine Angst vor der Regulierung“, sprach Feig die anwesenden Vermittler direkt an. „Aber achten Sie darauf, dass die Emissionshäuser Sie auf Ihrem schwierigen Weg unterstützen“. Unterstützung will auch Jürgen Braatz mit seinem jährlichen Kongress weiter bieten. Er kündigte bereits den 12. Fondsrating-Tag im März 2015 an. (kb)

Fotos: Ratingwissen

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