Interview: „Vertrauen muss man sich erarbeiten“

Der Kieler Assekuradeur Domcura AG feiert im September 2010 sein dreißigjähriges Jubiläum. Cash. sprach mit dem Firmengründer und Vorstandsvorsitzenden Gerhard Schwarzer über Historie und Herausforderungen.

Domcura_Schwarzer

Cash.: Herzlichen Glückwunsch zum Unternehmensjubiläum. Mit welchem Ziel haben Sie Domcura vor 30 Jahren gegründet?

Schwarzer: Dazu muss ich etwas ausholen. Ich selbst komme aus der Ausschließlichkeit beziehungsweise war für ein Versicherungsunternehmen als Führungskraft im Krankenbereich tätig. Dort habe ich festgestellt, dass der Ausschließlichkeitsvermittler einfach nicht so frei agieren kann wie er gern möchte, denn er kann ja grundsätzlich nur die Produkte seines Hauses anbieten. Das lässt eine freie Beratung im eigentlichen Sinne nicht zu. Das zweite Problem, das ich festgestellt habe, ist, dass viele kleinere Makler gar nicht die Kontakte und Verbindungen hatten, auf andere Gesellschaften zuzugreifen – selbst wenn sie wollten. Der Ursprung der Domcura war, beides zu ermöglichen und für Makler wie Generalagenten eine Ventillösung zu schaffen.

Cash.: Ihr Fokus lag anfangs folglich auch im Krankenversicherungsbereich.

Schwarzer: Ja. 1984 kamen die ersten Krankenversicherungen-Vergleichsprogramme raus. Von da an bis ungefähr 1987/88 lag unser Schwerpunkt in der Vermittlung von Krankenversicherungen mittels dieser neuen Technik. Erst Ende der 80er-Jahre ebbte die Krankenversicherungswelle etwas ab.

Cash.: Wie sind Sie dann zum Sachversicherungsgeschäft gekommen?

Schwarzer: Ich habe immer gesagt, dass das wichtigste Fundament eines Unternehmens die laufenden Einnahmen sind. Diese kann ich im Grunde genommen nur durch laufende Courtagen generieren. Und die bekomme ich in erster Linie durch das Sachgeschäft. Insofern haben wir einen Schwenk gemacht und angefangen, uns schwerpunktmäßig um Sachversicherungen zu kümmern.

Cash.: Woher rührt Ihr Fokus auf Versicherungskonzepte für den Immobilienbereich?

Schwarzer: Der Ursprung dort war eine Verbindung, die wir damals zur Veba-Immobiliengesellschaft hatten, die für ihre 160.000 Wohnungen einfach handhabbare Versicherungskonzepte brauchten. Wir haben uns das genau angeguckt und mit denen ein eigenes Konzept gestrickt: das sogenannte Versichern nach Wohneinheiten, das heißt, dass ich eine Wohngebäudeversicherung in einem Mehrfamilienhaus sozusagen nach der Anzahl der Klingelknöpfe abschließen kann. Und dieses Konzept haben wir im Laufe der Jahre verfeinert. Als die Wende kam und es in den neuen Bundesländern einen gigantischen Versicherungsbedarf seitens der ostdeutschen Wohnungsgesellschaften gab, konnten wir bis 1991/92 über 250.000 Wohneinheiten nach diesem Sys­tem versichern. Daraus haben wir unser KSH-Konzept, das heißt die kombinierte Sach-, Glas- und Haftpflichtversicherung, entwickelt. Damals kam es ja auch zur Rückgabe vieler Gebäude an die Alteigentümer. Mit dem sogenannten Versicherungskonzept Kompakt konnten wir ein Mehrfamilienhaus aus dem Bestand der Wohnungsgesellschaften heraus separat über die neuen Eigentümer mit einer Art Mini-KSH-Vertrag versichern. Ende der 90er-Jahre haben wir dann das dort gesammelte Know-how gemeinsam mit der BCA in das Casa Comfort-Konzept überführt und innerhalb von zwei Jahren 45.000 Einfamilienhäuser versichert. Das ist unsere Basis. Die Konzepte ab dem Jahr 2000 rund um das Einfamilienhaus sind Hausrat, Haftpflicht und alles, was Privatversicherungen betrifft. So haben wir unsere Produktpalette erweitert.

Seite 2: Warum der Lebensversicherungsbereich ausgeklammert bleibt

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