13. November 2012, 15:00
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„Provisionsoffenlegung ist kein Weltuntergang“

Cash. hat Dr. Hans-Georg Jenssen, Vorstand des Verbands deutscher Versicherungsmakler e.V. (VDVM), zur Position des Verbands zum überarbeiteten Entwurf der gesetzlichen Vorgaben für Versicherungsvermittler (IMD II) befragt, den EU-Binnenmarkt- und Dienstleistungskommissar Michel Barnier im Juli vorgelegt hat.

Das Interview führte Julia Böhne, Cash.

Dr. Hans-Georg Jenssen, VDVM

Der von Binnenmarktkommissar Michel Barnier vorgelegte Entwurf zur Überarbeitung der EU-Versicherungsvermittler-Richtlinie, sieht eine Verpflichtung der Vermittler zur Offenlegung der Provisionen vor. Wie beurteilen Sie den Entwurf?

Jenssen: Wir beurteilen den Entwurf grundsätzlich positiv, weil er einige qualitätsverbessernde Maßnahmen enthält. Aber wo Licht ist, ist auch Schatten. So wird hier versucht, Teile aus dem Regelungswerk des Finanzbereiches auf die Versicherungswirtschaft zu übertragen. Wenn man dann auch noch sieht, dass wir drei Kategorien haben, nämlich Komposit, die normale Lebensversicherung und die fondsgebundenen Lebensversicherung, die alle unterschiedlich behandelt werden, ist das wenig sinnstiftend und einem Verbraucher auch nicht zu erklären. Wir würden daher eine einheitliche Regelung im Lebensversicherungsbereich begrüßen. Da wir in Deutschland bereits ein Produktinformationsblatt (PIB) haben, in dem die Abschlusskosten ausgewiesen werden, würde die „soft disclosure“ aus unserer Sicht genügen. Die Angaben im PIB sind unserer Meinung nach geeignet den „conflict of interest“ einer Vermittlung klar und deutlich abzubilden. Jedoch würde mit der „hard disclosure“ die Welt auch nicht untergehen.

 

Welche Nachteile könnten Ihrer Meinung nach aus der neuen Regelung entstehen?

Jenssen: Es besteht das Risiko, dass die Offenlegung der Provision beim Kunden zu einem falschen Auswahlprozess führt. Wenn dann auch noch das Provisionsabgabeverbot fällt, könnte die Versuchung beim Verbraucher groß sein, ein bestimmtes Produkt nur deswegen zu erwerben, weil er vom Vermittler beispielsweise 800 Euro der Provision erhält.

 

Welche Entwicklung erwarten Sie?

Jenssen: Ich glaube, dass der „Independent-Advice-Ansatz“ so nicht umgesetzt wird. Der Preis dafür wird die „hard disclosure“ im LV-Bereich sein, analog zum Finanzanlagenvermittlergesetz. Dass das den Markt nicht unbedingt solider macht, durch den Schacherei-Effekt und die Frage der Fehlsteuerung, die übrigens nicht thematisiert wird, steht auf einem anderen Blatt.

 

Foto: Cash.

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