IMD2-Richtlinie: „Versicherer verkennen Handlungsdruck“

Die neue EU-Vermittlerrichtlinie IMD2 fordert schnelles Handeln in Sachen Transparenz, sagt Markus Kopetzky von der Unternehmensberatung Steria Mummert Consulting. Doch nur eine Minderheit der Versicherer plane, ihre Beratungsprozesse transparenter zu gestalten.

Wenn Versicherungsvermittler voraussichtlich ab 2014 ihre Provisionen offenlegen müssen, seien Versicherer gefordert, ihr Geschäftsmodell einer kritischen Prüfung zu unterziehen, sagt Berater Kopetzky. So müssten neue Vergütungsmodelle, Beratungs- und Angebotsprozesse mit nettobasierten Tarifen erarbeitet und in ihren Prozessen und Systemen umgesetzt werden.

„Der Entwurf der IMD2 ist bisher von der Assekuranz nicht ausreichend zur Kenntnis genommen oder unterschätzt worden. Dabei hat diese Richtlinie das Potenzial, die bestehenden Geschäftsmodelle im deutschen Versicherungsvertrieb massiv zu verändern“, meint der Versicherungsexperte vom Hamburger Beratungshaus.

Das generelle Provisionsverbot für unabhängige Berater wurde zwar im EU-Parlament vorerst noch einmal abgewendet, so Kopetzky. Trotzdem bestünden weitgehende Offenlegungspflichten, deren Umsetzung für 2014 vorgesehen sei. Die zunächst für alle außer den Lebensversicherern geplante fünfjährige Übergangsfrist werde, wenn es nach den Bundesratsausschüssen geht, gestrichen. Vermittler müssten dann sofort ihren Kunden mitteilen, welche Provision sie individuell für den Vertragsabschluss erhalten. Auch die sogenannte Sachkunde eines Vermittlers müsse anhand von Fortbildungen belegt werden.

„Die Geschäftsmodelle und Wertschöpfungsketten der Versicherungsunternehmen gehören auf den Prüfstand. Denn das Vertriebsmodell basiert weitestgehend auf leistungsabhängigen monetären Anreizen. Diese Vergütungssysteme müssen angepasst werden, mit entsprechenden Auswirkungen auf Prozesse und IT der Versicherer“, fordert der Steria-Mummert-Berater.

Der deutlich gravierendere Einschnitt eines Provisionsverbotes könnte dabei nur aufgeschoben sein. In anderen Ländern wie Dänemark oder Finnland sei dies bereits umgesetzt, die Niederlande und Großbritannien werden im kommenden Jahr nachziehen. Aus Sicht von Kopetzky hätten diejenigen Versicherer einen Wettbewerbsvorteil, die sich frühzeitig von der „konservativen Haltung“ lösen und die sich abzeichnenden Veränderungen antizipieren. Sie könnten dann von einem Image als kundenorientierter Vorreiter profitieren. Ein zukunftsorientiertes Unternehmen, das auch auf kommende Regulierungen vorbereitet sei, werde leichter Vertriebsnachwuchs finden können. Gerade mit Blick auf den Demographiewandel und Nachwuchsprobleme könne dieser Wettbewerbsvorteil entscheidend sein, so Kopetzky. (lk)

Foto: Shutterstock

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