9. Oktober 2013, 08:27
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Finanzberatung: Vom Tarifheft zum Tablet

Finanzberatung hat sich seit den 1980er-Jahren stark gewandelt. Regulierung, technischer Fortschritt und Finanzkrisen haben hierzu ihren Beitrag geleistet.

Gastbeitrag von Franz-Josef Rosemeyer, A.S.I. Wirtschaftsberatung

Finanzberatung

“Wollte man den Kunden telefonisch erreichen, hatte man entweder die Genehmigung, ihn dienstlich anzurufen oder man nutzte die Abendstunden.”

1983 war die Schar unabhängiger Finanzberater noch relativ überschaubar. Die Beratungsinhalte konzentrierten sich neben den allgemeinen Risiken vor allem auf die Vorsorgeberatung und produktseitig schwerpunktmäßig auf kapitalbildende Lebensversicherungen.

Diese Lebensversicherungen wurden auf einen bestimmten Fälligkeitszeitpunkt, meistens das 65. Lebensjahr, fest abgeschlossen. Eine flexible Abrufphase war noch nicht vorgesehen. Auch waren Einschlüsse von Berufsunfähigkeits-zusatzversicherungen oder sonstige Zusätze nur in strenger Abhängigkeit von der Hauptversicherung möglich (die Summe der BUZ durfte zum Beispiel nicht mehr als 24 Prozent der Hauptversicherungssumme betragen).

Ohne Handy und Internet aber mit Tarifheft

Die Vergleichbarkeit der Produkte unterschiedlicher Anbieter war damit für die Finanzberater deutlich einfacher, die Informationsbeschaffung allerdings sehr viel umständlicher. Computer wurden zu diesem Zeitpunkt in der Regel noch nicht eingesetzt. Tarifberechnungsprogramme für die Beratung gab es noch nicht.

Der Beitrag für das entsprechende Produkt wurde mithilfe eines “Tarifheftes” ermittelt. Internet war ein Begriff, den man damals noch nicht kannte. Die Produktangebote wurden noch auf der Kugelkopfschreibmaschine erstellt und per Post versandt.

Wollte man den Kunden telefonisch erreichen, hatte man entweder die Genehmigung, ihn dienstlich anzurufen oder man nutzte die Abendstunden zum Telefonieren, denn auch Handys bereicherten unseren Alltag noch nicht. Zusammengefasst also Arbeitsbedingungen, die sich Kollegen jüngeren Alters heute schlichtweg nicht mehr vorstellen können.

Boom in den Neunzigern

Die Veränderungen in den Folgejahren waren in dieser technischen und kommunikativen, aber auch regulatorischen Umgebung (sowohl allgemeine Versicherungsbedingungen, als auch Beitrags- und Leistungskalkulationen mussten bei Lebens- und Krankenversicherungstarifen jeweils vom Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen genehmigt werden) relativ langsam und überschaubar.

Der Begriff Allfinanz fiel allerdings immer öfter und viele Finanzberater erweiterten ihre Beratungspalette auch um Bereiche wie Baufinanzierung und/oder Investmentfondsgeschäfte.

Die Allfinanz-Diskussion führte in den 80er-Jahren auch zu den ersten Zusammenschlüssen von Versicherungsgesellschaften und Banken.

Diese Zusammenschlüsse hat es in der Folgezeit mit immer differenzierteren Geschäftsmodellen häufiger gegeben. Ein Erfolgsmodell ist daraus interessanterweise nie geworden.

Seite zwei: Erste modular aufgebaute Tarifsysteme

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