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23. Oktober 2013, 07:55
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“Versicherungsberatung braucht immer eine menschliche Komponente”

Dr. Markus Rieß, Vorstandsvorsitzender der Allianz Deutschland, spricht mit Cash. über die Situation der Lebensversicherung, die Herausforderungen im Sachgeschäft und wie viel Regulierung und Digitalisierung die Branche noch verträgt.

Vermittler

“Die Niedrigzinsphase erschwert den Handlungsrahmen der Bürger
in der Altersvorsorge. Darum müssen die Produkte so attraktiv wie möglich gestaltet sein.”

Cash.: Die Reform des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG) vor sechs Jahren hat die Rechte der Versicherten gestärkt. Wie bewerten Sie die damals in der Branche nicht unumstrittene Reform in der Rückschau?

Rieß: Das neugefasste VVG hat viele positive Aspekte mit sich gebracht. Es hat nicht nur viele Verfahren vereinfacht und umstrittene Rechtsfragen geklärt, sondern auch das Kundenvertrauen gestärkt. Deshalb kann ich für unser Haus bekräftigen: Grundsätzlich sind wir froh, dass es das VVG gibt.

Gleichwohl muss ich feststellen, dass das neue Vertragsrecht dem Kunden tendenziell zu viele Informationen zumutet. Dadurch wird ihm erschwert, zwischen wichtigen und unwichtigen Informationen zu trennen. Diese “Informationsüberfrachtung” hilft nicht weiter. Man sollte sich stattdessen darauf fokussieren, die wirklich relevanten Informationen transparent zu machen.

Klärungsbedarf sieht die Assekuranz derzeit auch bei der Frage, wie Kunden an den Bewertungsreserven der Versicherer beteiligt werden sollten. Wie ist Ihre Meinung?

Was die Beteiligung der Kunden an den Bewertungsreserven betrifft, bleibe ich bei meiner Auffassung, dass es sachgerechter wäre, die Bewertungsreserven bei Rentenpapieren nicht wie bisher zu 50 Prozent weiterzugeben.

Denn anders als bei Bewertungsreserven, die bei Aktien und Immobilien anfallen, fließen sie bei Rentenpapieren in Form laufender Zinszahlungen automatisch den Reserven der Versicherungsnehmer zu.

Zudem unterliegt diese Bewertung sehr hohen Schwankungen. Das sollte die Politik bei ihrer Betrachtung berücksichtigen. Eins ist mir in der Debatte noch wichtig. Es geht dabei nicht, wie oftmals falsch kommentiert, um eine Bereicherung der Versicherungsunternehmen, sondern nur um eine gerechte Verteilung im Kollektiv der Versicherten.

Welche staatlichen Regulierungsinitiativen bereiten Ihnen darüber hinaus Sorgen?

Wenn wir über Regulierung sprechen, dann müssen wir immer stärker auch nach Brüssel schauen. Insbesondere auf europäischer Ebene gibt es eine Vielzahl von Regulierungsinitiativen, die zu einem Eingriff des Staates in Versicherungsunternehmen führen können – allen voran IMD 2 und PRIP.

Da bin ich schon in Sorge, ob es gelingt, zu vernünftigen Rahmenbedingungen zu kommen, in denen privater Versicherungsschutz im Sinne des Kunden noch so wie bisher angeboten werden kann. In PRIP sollen beispielsweise eine Vielzahl von Informationen für unterschiedlichste Finanzprodukte zusammengestellt werden.

Da besteht durchaus die Gefahr, dass mit noch mehr Informationen, die für den Kunden wenig hilfreich sind, die Kaufentscheidung eher erschwert als verbessert wird. Hier sollte man sich schon von dem Gedanken trennen, dass mehr immer besser sei.

Sie sagten kürzlich, dass Lebensversicherungen günstiger werden müssten, sollte sich die Niedrigzinsphase verstetigen. Wie wollen Sie sicherstellen, dass die sozialpolitische Funktion der Versicherungsberater auch im Falle einer gesetzlichen Provisionsbegrenzung, wie sie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) fordert, sichergestellt ist – das heißt die Beratungsleistung auskömmlich bleibt?

Grundsätzlich begrüße ich die Initiative des GDV, sich aktiv in die öffentliche Diskussion mit Politik und Verbraucherschutz zu Vergütungsfragen einzubringen. Gleichzeitig rate ich allerdings dazu, ganz genau hinzuschauen.

Es wäre zum Beispiel falsch, wenn sich die Debatte nur auf das Thema Provisionen beziehen würde – man muss sich schon die gesamte Kostenstruktur anschauen. Es ist doch nicht von der Hand zu weisen, dass die Niedrigzinsphase den Handlungsrahmen der Bürger in der Altersvorsorge erschwert.

Seite zwei: Produkte trotz schwieriger Rahmenbedingungen attraktiv gestalten

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