Anzeige
Anzeige
27. Mai 2014, 18:20
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Pläne zur Lebensversicherung: Unzufriedenheit allenthalben

Das Bundesfinanzministerium (BMF) zieht die Zügel an: Im Eiltempo will es den Gesetzentwurf zur Reform der Lebensversicherung auf den Weg bringen. Dies sorgt für Unmut bei Verbraucherschützern – und auch die Versicherungswirtschaft, die sich für eine Reform lautstark eingesetzt hat, sieht noch viel Klärungsbedarf.

Lebensversicherung: Reformvorhaben stoesst auf Kritik

Sitz des Bundesfinanzministeriums in der Wilhelmstraße 97, Berlin.

Zuckerbrot und Peitsche für die Lebensversicherer – nach dieser Devise ließe sich der Inhalt des Referentenentwurfs grob umreißen, den Michael Meister, CDU-Abgeordneter und parlamentarischer Staatssekretär im Finanzministerium, heute in Berlin vorlegte.

Garantiezins sinkt, mehr Risikogewinne an Kunden, Kompetenzzuwachs für Bafin

Einerseits geht das BMF auf den Wunsch der Branche ein, die Versicherer bei der Ausschüttung der Bewertungsreserven zu entlasten. Andererseits birgt das Reformpaket die ein oder andere bittere Pille für die Assekuranz. So soll der Garantiezins für Neuverträge in der Lebensversicherung bereits zum 1. Januar 2015 von derzeit 1,75 auf dann 1,25 Prozent gesenkt werden. Die Branche hatte sich einen späteren Termin erbeten, denn eine geringere Garantieverzinsung erhöht den Druck auf die Unternehmen, ihre Vertriebs- und Verwaltungskosten weiter zu reduzieren.

Darüber hinaus plant das BMF weitere umfassende Veränderungen: Die Gesellschaften sollen ihre Kunden künftig stärker an den Risikogewinnen beteiligen und Aktionäre müssen sich auf eine Ausschüttungssperre einstellen, sollte eine Garantieleistung gefährdet sein. Zudem erhält die Finanzaufsichtsbehörde Bafin mehr Kompetenzen.

Provisionen: Offenlegung statt Deckelung

Zwar droht der Branche nach den aktuellen Plänen offenbar kein Provisionsdeckel mehr. Allerdings sollen die Abschlusskosten nur noch verringert bilanziell anzurechnen sein. Die Obergrenze soll demnach von 40 Promille der Vertragshöhe auf 25 Promille sinken. Den Versicherern werde erlaubt, höhere Provisionen zu bezahlen, heißt es. Dieser Mehraufwand würde dann zu Lasten der Erträge gehen. Last not least strebt das Ministerium die Offenlegung der Provisionen an.

Kritik aus der Versicherungswirtschaft

Beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) stoßen die Inhalte des Pakets auf deutliche Kritik. Unter anderem hält der Verband eine Absenkung des Garantiezinses zum 1. Januar 2015 für überstürzt: “Es ist für die Versicherungswirtschaft unmöglich, alle im Entwurf vorgesehenen Folgeänderungen bis zum 1. Januar 2015 umzusetzen”, heißt es in einer ersten Stellungnahme.

Großes Missfallen äußert der GDV zudem über die generelle Ausschüttungssperre für Aktionäre: Diese schieße “völlig über das Ziel hinaus”. Die Sperre schneide die Versicherungsunternehmen von den Kapitalmärkten ab, wodurch die Umsetzung von Solvency II “erheblich erschwert” werde, so der Verband.

GDV lehnt Offenlegung der Provisionen ab

Weiter heißt es, dass Eingriffe in die Bilanzierung der Vertriebs- und Abschlusskosten (Höchstzillmersatz) eine einseitige Wettbewerbsverzerrung zu Lasten der Versicherungswirtschaft bedeuten würde. Auch eine höhere Mindestbeteiligung an den Risikogewinnen lehnt der GDV ab: Diese schränke den Spielraum der Unternehmen ein, Reserven zu bilden und Ertragsschwankungen – etwa durch anhaltende Niedrigzinsen – für ihre Kunden auszugleichen.

Den Ausweis der konkreten Provision lehnt der GDV ebenfalls ab. Um Versicherungsprodukte miteinander vergleichen zu können, müssten Kunden die gesamten Abschlusskosten kennen. Lebens- und Krankenversicherer in Deutschland würden diese bereits seit 2008 in Euro und Cent ausweisen, heißt es weiter. Die Forderung an die Schaden- und Unfallversicherer, ihre Provisionen offenzulegen, sei nicht nachvollziehbar.

Verbraucherschützer beklagen kurze Anhörungsfrist

Der Bund der Versicherten (BdV) kommentierte den Referentenentwurf in einer ersten Stellungnahme mit den Worten: “Bittere Pillen für Verbraucher, aber auch kein Zuckerschlecken für Versicherer”. So müssten Versicherungskunden in bestimmten Fällen auf erhebliche Teile der Überschussbeteiligung verzichten, heißt es. “Versicherungsunternehmen sollen dagegen bei klassischen Angeboten die Abschlusskosten knapper kalkulieren”, resümmiert BdV-Vorstandssprecher Axel Kleinlein.

Eine erste Einschätzung der Pläne wollen die Verbraucherschützer am Mittwoch vornehmen. Eine offizielle Stellungnahme kündigte der BdV für den 30. Mai an. Dann endet die Anhörungsfrist für das Reformgesetz. Der BdV übte scharfe Kritik an der vom Ministerium gesetzten Frist: “Ein derart kurzfristiges Vorgehen des Ministeriums widerspricht üblichen demokratischen Gepflogenheiten”, erklärte Kleinlein. Auch habe der BdV bislang nur über Umwege von dem Gesetzesvorhaben erfahren und sei bislang “nicht direkt eingebunden” gewesen. Nichtsdestotrotz werde man die verbleibende Zeit nutzen, so der BdV, um eine Position zu diesem Entwurf zu erarbeiten und etwaige Verbesserungsvorschläge anzubringen. (lk)

Foto: Ilja C. Hendel

 

Anzeige

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 6/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Berufsunfähigkeitsversicherung –Investitionen am Zweitmarkt –Personalplanung – Zweitmarkt

+ Heft im Heft: Cash.Special Investmentfonds

Ab dem 26. Mai im Handel erhältlich.

Cash.Special 1/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Best Ager – Rentenversicherungen – Riester-Rente – betriebliche Krankenversicherung


Ab dem 18. Mai im Handel erhältlich.

Versicherungen

Verdi will Warnstreiks

Vor der dritten Tarifrunde für die private Versicherungsbranche hat die Gewerkschaft Verdi die Beschäftigten auch in Niedersachsen und Bremen zu Warnstreiks aufgerufen. Damit will die Gewerkschaft am Dienstag den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen.

mehr ...

Immobilien

Risikomanagement bei Immobilienprojekten: Verband fordert einheitliche Standards

Der Bau-Monitoring-Verband (BMeV) fordert einheitliche nationale Standards beim Risikomanagement in der Projektfinanzierung. Dies könne einem deutlichen Anstieg der Kosten für Immobilienprojekte entgegen wirken.

mehr ...

Investmentfonds

Weitere Kürzung der Ölfördermengen spielt Putin in die Karten

Die Opec hat entschieden, ihre Kürzungen bei den Ölförderungen auszuweiten. David Donora, Leiter des Rohstoffbereiches bei Columbia Threadneedle Investments, sieht darin unter anderem einen Vorteil für das Nicht-Mitglied Russland.

mehr ...

Berater

Mehr Durchblick bei vermögensverwaltenden Fonds

Die MMD Multi Manager GmbH hat sich seit Jahren den Themen Transparenz und Vergleichbarkeit für Vermögensverwaltende (VV) Produkte verschrieben. Die MMD-Indexfamilie wird mit Hilfe des IT-Dienstleisters Cleversoft erweitert und vertieft.

mehr ...

Sachwertanlagen

Qatar und Saudi Arabien gehen bei Hapag-Lloyd an Bord

Die Reederei Hapag-Lloyd meldet den Vollzug der im Juli 2016 vereinbarten Fusion mit der arabischen Reederei UASC. Damit ändert sich auch die Aktionärsstruktur des Hamburger Traditionsunternehmens signifikant.

mehr ...

Recht

Kfz-Schadenregulierung: Vorsicht bei Verjährung

Wer Leistungen gegen einen Kfz-Haftpflichtversicherer geltend macht, sollte berücksichtigen, dass eine Verjährungsfrist von drei Jahren gilt. In einem aktuellen Urteil verlor ein Kläger vor dem Bundesgerichtshof, der sich mit der Verjährung verkalkuliert hatte.

mehr ...