Wiederanlage: Lebensversicherer tun sich schwer

Hier handelt es sich oft um Summen, die aus Erbschaften oder abgelaufenen Lebensversicherungen stammen. Im Jahr 2013 erreichten diese mit 25,2 Milliarden Euro erneut einen hohen Wert und machen fast 28 Prozent der gesamten Beitragseinnahmen der deutschen Lebensversicherer aus. Wie es um die Wiederanlage bestellt ist, weiß Detlef Schmidt, Inhaber der SMC Schmidt Management Consulting AG in Zürich.

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Seiner Meinung haben viele Unternehmen ein Wiederanlageproblem. „Im Durchschnitt über alle Versicherer werden nur rund zehn Prozent des Kapitals tatsächlich wieder bei dem Versicherer angelegt, der die Lebensversicherung ausgezahlt hat“, sagt Schmidt. Allerdings gebe es für die Wiederanlage keine einheitliche Definition. „In jedem Fall übersteigen die Auszahlungen für Ablauf und Erleben die Einnahmen aus dem Neugeschäft bei Weitem – ein enormer Kapitalabfluss“, sagt Schmidt.

Aktiveres Bestandsmanagements

Laut Schmidt werden über 40 Prozent der Auszahlungen aus Lebensversicherungen in irgendeiner Form wieder angelegt, aber zu großen Teilen nicht bei den auszahlenden Versicherern, sondern bei Banken und anderen Finanzdienstleistern. Die meisten Versicherer bieten für die Wiederanlage Parkkonten an. Die Rendite ist für einen bestimmten Zeitraum garantiert, bei der Allianz derzeit 0,7 Prozent für drei Monate, bei der Gothaer 1,25 Prozent für das dritte Quartal 2014.

Trotz dieser Lockrufe wenden sich gerade einmal 17 Prozent der Kunden an ihre Versicherungsgesellschaft, um sich wegen der Wiederanlage ihrer Auszahlung beraten zu lassen. Die Nicht-Wiederanlage führt zur Erosion der Lebensversicherung. Das Verhältnis zwischen Einnahmen und Leistungen verschlechtert sich zunehmend. Was tun? „Bei schrumpfendem LV-Neugeschäft in dem typischen Zielgruppensegment der 20- bis 49-Jährigen erzwingt der Markt faktisch eine Verschiebung des Geschäftsfokus in Richtung eines aktiveren Bestandsmanagements“, meint Unternehmensberater Schmidt.

Wiederanlage als Aufhänger

Speziell die Wiederanlage sei ein geradezu idealer Aufhänger, um die Wertigkeit und Notwendigkeit einer aktiven Bestandsarbeit speziell auch im Vertrieb zu fördern und damit Gewinn für alle Beteiligten zu erzielen. Es ist fünf vor zwölf, meint Schmidt, denn der Bestand ist bereits seit 2005 rückläufi g. Der Großteil der Vorsorgemilliarden der Versicherer landet also anderswo. Es fehlt an attraktiven Vorsorgeprodukten für die Einmalanlage.

Quelle: Cash.Special Versicherungen

Vor allem mangelt es an Angeboten, die die Renditekraft der Investmentanlage mit der Sicherheit einer lebenslangen Versicherung verbinden. Denn die mageren Renditen der konventionellen Rentenversicherung in Verbindung mit den Risikoaufschlägen bei der Kalkulation der Lebenserwartung führen zu unattraktiven Leistungen bei Sofortrenten. Ohne „Investmentmotor“ ist dieses Problem nicht lösbar.

Autor Detlef Pohl ist freier Journalist und Versicherungsexperte in Berlin.

Foto: Shutterstock

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