„Bürgerversicherung spätestens im Wahlkampf 2017 Thema“

Rund neun Millionen Menschen in Deutschland sind vollständig privat krankenversichert, rund 23 Millionen haben eine private Zusatzversicherung abgeschlossen. Wie sich die PKV im Systemwettstreit mit der GKV positioniert und welche Rolle der privaten Krankenzusatzversicherung zukommt diskutierte Cash. mit fünf Branchenexperten.

Oben links: Wiltrud Pekarek, Hallesche Krankenversicherung; rechts Jan Roß, Inter Versicherungsgruppe. Unten links: Marcel Boßhammer, Gothaer Krankenversicherung; rechts Thomas Thomsen, Barmenia Krankenversicherung.

Cash.: Gesetzlich Krankenversicherte sind laut einer aktuellen Umfrage mit Preis und Leistung des Gesundheitswesens so zufrieden wie nie zuvor. Deutet dies auf ein Erstarken der GKV im Systemwettstreit mit der PKV hin?

Marcel Boßhammer, Leiter Verkaufsförderung Kranken, Gothaer Krankenversicherung AG: Was die Menschen bei dieser Betrachtung vergessen beziehungsweise vermutlich zum Großteil gar nicht wissen, ist, dass dieses Preis-Leistungs-Verhältnis nur durch erhebliche Bundeszuschüsse realisiert werden kann. Die Höhe der Zuschüsse lag im Jahr 2015 bei 11,5 Milliarden Euro und wird gemäß Haushaltsbegleitgesetz 2014 ab dem Jahr 2017 festgeschrieben bei 14,5 Milliarden Euro liegen. Ohne diese Zuschüsse läge der Beitragssatz um einige Prozentpunkte weiter oben. In meinen Augen besticht die PKV im direkten Vergleich immer noch durch eine solide Finanzierung, den Zugang zu modernsten medizinischen Behandlungs- und Versorgungsmöglichkeiten bei gleichzeitigem Leistungsversprechen ohne mögliche Kürzungen – und das ein Leben lang. Ich möchte aber auch erwähnen, dass gerade im internationalen Vergleich unser gesetzliches Gesundheitssystem immer noch sehr gut platziert ist. Dieses ist aber maßgeblich Verdienst des dualen Systems, welches wir zwingend benötigen!

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Christian Barton, Vorstandsmitglied der Nürnberger Krankenversicherung AG: Wir brauchen zur Erhaltung des dualen Systems in Deutschland eine starke GKV, das ist meine feste Überzeugung – und die GKV ist aktuell stark. Ob sie das aber auch noch in fünf oder zehn Jahren sein wird, vermag ich nicht zu beurteilen. Unabhängig davon sind wir darauf angewiesen, dass beide Partner funktionieren und ihre Stärken ausspielen. Deswegen können wir nicht hergehen und auf die GKV schimpfen und deren Leistungen in ein schlechtes Licht rücken.

Thomas Thomsen, Hauptabteilungsleiter/Prokurist, Barmenia Krankenversicherung a. G.: Hier spielt die gute finanzielle Ausstattung der Kassen, die nicht zuletzt aufgrund der robusten wirtschaftlichen Entwicklung und der damit verbundenen positiven Arbeitsmarktsituation zu Stande gekommen ist, eine Rolle. Nicht zuletzt deshalb hat es in den letzten Jahren keine weiteren Einschnitte in den GKV-Leistungskatalog gegeben; viele Kassen konnten neben den üblichen Leistungen auch Satzungsleistungen erbringen, die die GKV für Versicherte attraktiver machten. Keine Kasse musste Zusatzbeiträge erheben. Dieses Bild könnte sich kurz- bis mittelfristig ändern, die meisten Kassen sehen mittlerweile wieder Zusatzbeiträge vor, denn die Finanzpolster sind abgeschmolzen.

Seite zwei: „PKV-Versicherten sind sehr zufrieden“

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