„Die Lösung muss vom Versicherer selbst kommen“

Im zweiten Teil des Cash.-Interviews mit Lutz Morjan, Head of Insurance Solutions bei NN Investment Partners, erläutert der Kapitalmarktexperte warum die Bafin keine „aufsichtliche Manndeckung“ betreiben sollte und über welche Anlagealternativen Versicherer verfügen.

„Wir sind überzeugt, dass die Ideen und Lösungen vom Versicherer selbst kommen müssen. Die Aufsicht kann und soll nicht die Agilität und Innovation des Unternehmers ersetzen.“

Cash.: BaFin-Präsident Felix Hufeld erklärte im Mai, dass sein Haus mehr Gesellschaften in die „aufsichtliche Manndeckung“ nehmen müsse, sofern die Zinsen weiter so niedrig bleiben. Ist zu erwarten, dass manche Gesellschaften ihre Zinsversprechen werden brechen müssen?

Morjan: Im Fußball kann „Manndeckung“ eine ganz unangenehme Taktik sein, die der Gegner wählt, um den eigenen Spielaufbau zu schwächen. Ich glaube nicht, dass sich die Aufsicht wirklich in dieser Rolle sieht. Es wird eher auf eine enge Zusammenarbeit hinauslaufen. Dennoch muss wie bei der Manndeckung davon ausgegangen werden, dass die eigenen Handlungs- und Entscheidungsfreiheiten des Versicherers eingeschränkt werden. Das wird in der Kapitalanlage insbesondere die Risikobudgetierung und –allokation betreffen. In der Konsequenz hat das Einfluss auf die Ertragslage des Versicherers. Ob sich das als Fluch oder Segen für den Erhalt der Zinsversprechen erweist wird die Zeit zeigen. Wir sind überzeugt, dass die Ideen und Lösungen vom Versicherer selbst kommen müssen. Die Aufsicht kann und soll nicht die Agilität und Innovation des Unternehmers ersetzen. Deshalb ist es wichtig, die Optimierung der Kapitalanlage- und Risikomanagementprozesse selbst in die Hand zu nehmen.

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Die Versicherer setzen verstärkt auf Anlageprodukte, die weniger kapitalintensiv sind als die klassische Lebensversicherung, zum Beispiel Fonds- und Indexpolicen. Wie fällt Ihr Fazit zur Produktstrategie der Branche aus?

Diese Entwicklung ist notwendig und zu begrüßen. Sie schafft einen solideren Interessensausgleich zwischen allen Stakeholdern des Unternehmens. So überraschend es klingt – die vollständige Übernahme von Kapitalanlagerisiken durch den Versicherer kann nicht im Interesse des Versicherungsnehmers liegen. Allerdings ist der aktuelle Fokus auf Neuprodukte und Digitalisierung kein Allheilmittel. Denn der aktuelle Bestand, der ja die aktuellen finanziellen Schwierigkeiten auslöst, bleibt durch solche Initiativen in aller Regel unberührt. Verbesserungen für das Unternehmen zeigen nur langfristig Wirkung. Zur soliden Aufstellung einer Versicherungsbilanz sehen wir kurz- bis mittelfristig nur die Anpassung der Kapitalanlage als zielführende Maßnahme.

Seite zwei: „Fokus auf die Neuausrichtung der Kapitalanlage“

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