24. Mai 2016, 10:54
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

“Riester-Renditen können sich sehen lassen”

Frank Nobis, Geschäftsführer des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP), sagt im zweiten Teil des Cash.-Interviews, warum er den “Drei-Säulen-Mix” in der Altersvorsorge für “absolut zukunftsfähig” hält und erläutert, warum man den Staat nicht zum Portfoliomanager machen sollte.

Riester-Rente: Renditen können sich sehen lassen

“Die hessische Deutschland-Rente ist ganz sicher nicht die Zukunft. Den Staat zum Portfolio-Manager unserer Altersrücklagen zu machen, halte ich für sehr gefährlich.”

Die Riester-Rente gerät zunehmend unter Druck. Manche Politiker erklären sie für “gescheitert” und wollen der betrieblichen Altersversorgung (bAV) ein größeres Gewicht geben. Wieder andere befürworten eine “Deutschland-Rente” auf Basis eines Staatsfonds. Welcher System-Mix ist der “richtige”?

Nobis: Die Riester-Rente wurde in den letzten Jahren systematisch kaputtgeredet. Wenn dann natürlich auch noch ranghohe Politiker die populistischen Aussagen einiger Verbraucherschützer ohne Verstand aufgreifen, hat ein im Grunde sinnvolles Instrument zum Aufbau der Altersvorsorge keine Chance. Eine aktuelle Studie unseres Instituts mit 1.275 untersuchten Riester-Verträgen, die sich bereits in der Rentenphase befinden, weist eine durchschnittliche Rendite der eingezahlten Beiträge nach Kosten und Steuern in Höhe von 3,64 Prozent p.a. aus. Das ist umso bemerkenswerter, weil es sich bei diesen Verträgen um die Kurzläufer, das heißt zwischen zwölf und 15 Jahre Laufzeit handelt. Das kann sich wahrlich sehen lassen.

Die hessische Deutschland-Rente ist ganz sicher nicht die Zukunft. Den Staat zum Portfolio-Manager unserer Altersrücklagen zu machen, halte ich für sehr gefährlich. Im Übrigen wird auch der als großes Vorbild dienende Staatsfonds in Norwegen die angeblich tollen Renditen von fünf Prozent p.a. in Zukunft nicht halten können. Sinnvoll ist sicherlich der Gedanke, die bAV mit einem Opt-out zu versehen. Nur dadurch kann eine höhere Durchdringung insbesondere in den derzeit noch unterversorgten kleinen und mittleren Unternehmen erreicht werden. Aber das können wir auch in unseren bestehenden Versorgungssystemen umsetzen. Unser Mix in den drei Säulen ist absolut zukunftsfähig. Wir haben aber Reformbedarf in den Details.

Welche Erfahrungen und Lehren aus anderen Ländern sollten berücksichtigt werden, wenn es darum geht, die deutsche Vorsorgelandschaft der Zukunft zu planen?

Nobis: Die allermeisten anderen Länder blicken mit einer gehörigen Portion Neid auf unsere Alterssicherungssysteme. Dennoch können wir von Erfahrungen im Ausland profitieren. Das von mir schon erwähnte Opt-out im Bereich der bAV ist sicherlich sinnvoll. Zudem legen insbesondere die angelsächsischen Länder weniger Wert auf Garantien und haben mehr Vertrauen in die Kapitalmärkte. Dieses Vertrauen müssen wir in der Bevölkerung aufbauen. Und weniger Bürokratie täte uns auch gut.

Seite zwei: “Wir brauchen eine Stärkung der drei Säulen der Alterssicherung”

Weiter lesen: 1 2

1 Kommentar

  1. Die Argumentation der Politiker erinnert an “Haltet den Dieb”: Würde die Steuer nicht jährlich zugreifen (mit Ausnahme bei Kapitallebensversicherungsverträgen), hätten die Alterssparer bei den beiden anderen Säulen eine andere Rendite. Warum macht man es nicht so wie in andren Ländern, wo es bis zu einem bestimmten Höchstbetrag ein Altersvorsorgesparkonto gibt, auf dem die Steuer eben nicht zuschlägt. Dies garniert mit staatlicher Förderung für Geringverdiener bei der bAV, ein Stop für die unerträgliche, nachträgliche Belastung der bAV mit KV-Beiträgen, und schon wäre das Rentenkonzept nachhaltiger!

    Kommentar von Dr. Ursula Renner — 25. Mai 2016 @ 10:19

Ihre Meinung



 

Versicherungen

BRSG: Wie der Vertrieb seine Rolle stärker nutzen kann

Seit über einem Jahr setzt das Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG) Anreize für den Vertrieb, das Thema betriebliche Altersvorsorge (bAV) zu forcieren. Doch wie ist es um die Ausrichtung des Vertriebs bestellt? Ein Kommentar von Dr. Matthias Wald, Leiter Vertrieb bei Swiss Life Deutschland.

mehr ...

Immobilien

Neue Strategien fürs Energiesparen

32 Prozent der Heizungen in deutschen Kellern sind 20 Jahre oder älter. Sie verursachen höhere Heizkosten und stoßen mehr CO2 aus als moderne Geräte. Steigende Energiepreise sorgen seit Jahren für Frust bei Immobilienbesitzern. Doch der Staat unterstützt energetische Sanierungen mit Fördermitteln. Höchste Zeit, veraltete Anlagen zu ersetzen oder zu modernisieren.

mehr ...

Investmentfonds

NordLB: Finanzspritze verzögert sich – Umsetzung erst im 4. Quartal

Die Rettung der angeschlagenen Norddeutschen Landesbank (NordLB) mit einer vereinbarten Milliarden-Finanzspritze verzögert sich. Wie das Institut am Donnerstagabend in Hannover mitteilte, kann die bisher für das 3. Quartal geplante Umsetzung der Kapitalmaßnahmen erst im 4. Quartal dieses Jahres erfolgen.

mehr ...

Berater

Neuer Trend mit Potenzial: Design Thinking hilft Unternehmen, effizienter zu arbeiten

Die Entwicklung von neuen Ideen, Konzepten und Produkten gehört zu einem der schwersten Arbeitsprozesse. Auf Knopfdruck kreativ und innovativ zu sein, gelingt den wenigsten Menschen. Die Agile Coaches und Unternehmensberater des Darmstädter Unternehmens 4craft packen das Problem an der Wurzel: Für alle, egal ob Angestellten, Produktentwickler oder Führungskräfte, die in der Entwicklung neuer Produkte auf Granit beißen, bieten sie Workshops in Design Thinking an.

mehr ...

Sachwertanlagen

Speziell für Stiftungen und institutionelle Anleger: Vollregulierter Zweitmarktfonds mit günstigem Risikoprofil

Die Bremer Kapitalverwaltungsgesellschaft HTB Fondshaus bringt nach einer Reihe von Publikums-AIF erstmals einen Spezial-AIF für Stiftungen und institutionelle Anleger heraus. Neben sogenannten semiprofessionellen Anlegern können sich auch institutionelle Investoren ab einer Summe von 200.000 Euro am Spezial-AIF beteiligen.

mehr ...

Recht

Gesetzlicher Unfallschutz greift auch bei Probearbeit

Der Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung gilt auch an Probearbeitstagen. Das geht aus einem Urteil des Bundessozialgerichts (BSG) in Kassel von Dienstag hervor.

mehr ...