26. April 2017, 10:17
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BGH-Urteil: Anlagevermittlung versus Anlageberatung

Anlagevermittlung oder Anlageberatung? Eine Unterscheidung ist bei einer Klage wegen Verletzung vorvertraglicher Aufklärungspflichten wichtig, da sie darüber entscheidet, ob sich der Produktgeber oder der Vermittler die Falschberatung zurechnen lassen muss.

Anlagevermittlung Anlageberatung

Der Unterschied zwischen Anlagevermittlung und Anlageberatung ist laut BGH, dass bei der Vermittlung die Zielanlage vorgestellt wird, während bei der Anlageberatung eine Bewertung verschiedener Anlageoptionen stattfindet.

Ein Versicherter verklagte in dem Streitfall einen Anbieter von fondsgebundenen Lebensversicherungen auf Schadensersatz wegen Verletzung vorvertraglicher Aufklärungspflichten.

Im Rahmen des Vertragsabschlusses war er von einem unabhängigen Vermittler beraten worden. Nachdem der Fonds nicht wie erwartet performte und der Anleger Geld verlor, verklagte er den Fondspolicenanbieter.

Nachdem der Anbieter in den Vorinstanzen gescheitert war, musste sich nun der Bundesgerichtshof (BGH) mit dem Fall befassen. In seinem Urteil vom 5. April 2017 (Az.: IV ZR 437/15) rügt er die Vorinstanz, das Oberlandesgericht (OLG) Oldenburg. Dies habe fälschlicherweise eine der Beklagten zuzurechnende Aufklärungspflichtverletzung bejaht.

Maklerverhalten kann Versicherer zugerechnet werden

Zwar könne das Verhalten eines Versicherungsmaklers in bestimmten Fällen dem Versicherer zugerechnet werden. Allerdings setze dies voraus, dass der Makler Aufgaben übernehme, die normalerweise vom Versicherer erledigt würden. Er wird also mit Wissen des Versicherers in “dessen Pflichtenkreis” tätig.

Eine Pflichtverletzung des Vermittlers durch eine fehlerhafte Produktempfehlung wäre nur dann im Pflichtenkreis des Versicherers erfolgt, wenn dieser nicht nur die Aufklärung über das angebotene Produkt, sondern zudem auch eine anlage- und anlegergerechte Beratung, etwa aufgrund eines zwischen den Parteien geschlossenen Anlageberatungsvertrages, geschuldet hätte, so der BGH. Dies sei hier allerdings nicht der Fall gewesen.

Seite zwei: Anlagevermittlung versus Anlageberatung

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2 Kommentare

  1. Aus meiner Sicht wird bei dieser Angelegenheit vollkommen falsch gedacht, denn bei der Sache handelt es sich um eine Fondsgebundene Lebensversicherung und nicht um eine Finanzanlage. Dies wird durch die unterschiedlichen Gewerbezulassungen schon mal deutlich und rechtlich sicher auch klar von einander zu trennen sein.
    Als Makler hat man sowohl die Interessen des Mandanten wahrzunehmen wie auch eine vernünftige Auswahl an Anbietern vorzulegen oder zumindest zu begründen warum man diesen Anbietern vorschlägt. In Sachen Versicherungsvermittlung gibt es eigentlich kein reines Vermittlungsgeschäft sondern eigentlich immer eine Beratung, ansonsten füllt man sein Maklermandat nicht korrekt aus, und hat mit der Schlechterfüllung des Mandates zu kämpfen.

    Kommentar von Uwe Hummel — 27. April 2017 @ 09:37

  2. Ab 2018 entfällt ein „Vermittlerrückzug“. Da bei der Geldanlageberatung vor der Vermittlung die Geeignetheit der zu empfehlenden „Finanzprodukt-ART“ als bester Rat eruiert werden muss, wird es automatisch immer zur Anlageberatung. Möglichst mit einer Honorar-Option abgesichert, wie in eBooks bei mwsbraun beschrieben.

    Kommentar von Frank L. Braun — 27. April 2017 @ 09:01

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