Arbeitskraftabsicherung: Neue Denk- und Beratungsmuster gefragt

Rund zwei Drittel der Arbeitnehmer in Deutschland verfügen über keinerlei Absicherung ihrer Arbeitskraft. Das ist ein ernstzunehmendes Problem, da es viele Menschen aus gesundheitlichen Gründen nicht schaffen, bis zum offiziellen Rentenalter ihren Job durchgängig auszuüben. Die Wald-Kolumne

Matthias-Wald-Swiss-Life
„Das Ziel der Beratung ist nicht, ein bestimmtes Produkt zu vermitteln, sondern die Versorgungslücke des Kunden zu schließen.“

Etwa jeder Vierte muss vorzeitig aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Das geschieht entweder dauerhaft oder wie in den meisten Fällen für einen begrenzten Zeitraum zum Beispiel auf Grund einer Krebserkrankung und den damit verbundenen Therapiemaßnahmen. Leider haben etwa zwei Drittel der deutschen Arbeitnehmer ihr Einkommen nicht abgesichert.

Nicht nur fehlt eine BU-Versicherung, die klaffende Versorgungslücke wird leider auch mit alternativen Produkten nicht geschlossen. Die Folge: Vermittler werden ihrem gesellschaftlichen Auftrag nicht gerecht, etwa 26 Millionen unversicherten Menschen dabei zu helfen, gut für ihre Zukunft vorzusorgen.

Dabei geht es vor allem darum, auch im Falle eines wegbrechenden Einkommens aus gesundheitlichen Gründen weiterhin selbstbestimmt und flexibel finanziell agieren zu können. Die Gründe für diese Entwicklungen sind vielfältig, aber eines ist sicher: Die Finanz- und Versicherungsbranche ist nicht ganz unschuldig daran.

Alternative Produkte schließen Versorgungslücke

Über lange Jahre hat die Branche den Bedarf nach Arbeitskraftabsicherung fast ausschließlich über die private Berufsunfähigkeitsversicherung gedeckt, statt auch alternative Produkte im Markt zu positionieren und so alle Bevölkerungsgruppen adäquat abzusichern. Die Beratung folgte dem Verständnis, dass die BU-Versicherung alleiniger Maßstab ist, während alle anderen Produkte den Charakter zweiter, dritter oder vierter Wahl haben.

Die Folge: enttäuschte Erwartungen bei Menschen, die eine private BU-Versicherung aufgrund eines niedrigen Einkommens oder wegen Vorerkrankungen nicht abschließen konnten und daraus resultierende Versorgungslücken.

Eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung oder eine Grundfähigkeitsversicherung mit einer höheren versicherten Rente und einer Laufzeit bis zum Renteneintrittsalter kann beispielsweise für die Vorsorge eines Kunden oftmals sinnvoller sein als eine private Berufsunfähigkeitsversicherung mit einer zu niedrigen BU-Rente und einer kürzeren Laufzeit. Auch die Absicherung des privaten Krankentagegeldes sollte bei alledem nicht vernachlässigt werden.

Der Begriff „alternative Produkte“ wird oft verwendet und ist letztlich falsch gewählt. Alternative Produkte sollten in der Kundenberatung nicht nur als Alternativen zur privaten Berufsunfähigkeitsversicherung dargestellt werden, sondern auch als mögliche komplementäre Produkte. Je nach Kundensituation und -bedarf schließen alternative Produkte eine Versorgungslücke, die sogar trotz einer bestehenden privaten Berufsunfähigkeitsversicherung besteht.

 

Seite zwei: Die richtigen Fragen stellen

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