Geringe BU-Marktdurchdringung: Was sind die Gründe?

Angesichts der hohen hiesigen Beschäftigungszahlen überrascht es, dass nur etwa ein Fünftel der Deutschen über eine Erwerbs- oder Berufsunfähigkeitsversicherung verfügt. Besonders die jüngeren Zielgruppen sind nur unzureichend versichert – eine Spurensuche.

Kristina Salzwedel, Volkswohl Bund: "Alle Marktteilnehmer und -beobachter müssen dieses existenzbedrohende Risiko in die Köpfe der Menschen bringen."
Kristina Salzwedel, Volkswohl Bund: „Alle Marktteilnehmer und -beobachter müssen dieses existenzbedrohende Risiko in die Köpfe der Menschen bringen.“

In den letzten Jahren haben sich die Anbieter von Berufsunfähigkeitsversicherungen (BU) viele Gedanken über die Ursachen für die geringe Marktdurchdringung gemacht.

Drei wesentliche Gründe

Zu ihnen gehört Michael Stille, Vorstandschef der Dialog Lebensversicherung. Für ihn sind im Wesentlichen drei Gründe maßgeblich: „Der erste Grund ist ein psychologischer: Das unangenehme Thema wird gern verdrängt, sodass es zu keiner vertraglich geregelten Absicherung kommt.“

Der zweite Grund ist laut Stille fehlende Information: „Versicherungswirtschaft, Verbraucherschützer und staatliche Institutionen müssen erheblich mehr tun, um das Bewusstsein für die Notwendigkeit der Absicherung in der Bevölkerung zu schärfen.“

Der dritte Grund sei ein finanzieller: „Die Liquidität vieler Erwerbstätiger reicht nicht aus, um die relativ teure BU bezahlen zu können. Dies gilt vor allem für junge Leute, die diesen Schutz mangels größerer finanzieller Reserven besonders benötigen.“

Falsche Gewichtung von Risiken

Einen weiteren Grund hat Bernhard Rapp ausgemacht, Direktor Marketing und Produktmanagement und stellvertretender Niederlassungsleiter Canada Life Deutschland: die falsche Gewichtung von Risiken. „Die Menschen halten spektakuläre Ereignisse wie Terroranschläge, Gewaltverbrechen oder Flugzeugabstürze für wahrscheinlicher als etwa schwere Erkrankungen wie Schlaganfall oder Herzinfarkt.“

Den Menschen fehle die konkrete Vorstellung, wie ihr eigenes Leben dann weitergehen würde. „Viele hoffen auch, dass der Staat hier ausreichend weiterhelfen würde. Doch damit kann man nur noch in Fällen schwerster Beeinträchtigungen rechnen“, warnt er.

Einig sind sich Versicherer und Verbraucherschützer darin, dass die Bevölkerung noch stärker als bisher über das Risiko Berufsunfähigkeit aufgeklärt werden muss.

„Alle Marktteilnehmer und -beobachter müssen dieses existenzbedrohende Risiko in die Köpfe der Menschen bringen“, fordert Kristina Salzwedel, Produktmanagerin Biometrie der Volkswohl Bund Lebensversicherung.

Seite zwei: Irrtümer und Vorurteile entkräften

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