„Das ist schlichtweg Unsinn“

Die SPD will im Falle eines Wahlsieges eine gesetzliche Krankenversicherung für alle einführen. Cash. sprach mit Dr. Karl-Josef Bierth, für Krankenversicherungen verantwortlicher Vorstand der Signal Iduna Gruppe, über die Pläne für eine Bürgerversicherung und mögliche Folgen.

Karl-Josef Bierth:
Karl-Josef Bierth: „In Großbritannien kann man sehen, wie ein Einheitssystem zu Leistungsrestriktionen führt und am Ende de facto zu einem Zwei-Klassen-System im Gesundheitswesen.“

Cash.: Herr Dr. Bierth, was halten Sie von der Forderung von SPD, Grünen und Linken nach einem Systemwechsel in der Krankenversicherung, also die Einführung einer sogenannten Bürgerversicherung?

Bierth: Wir haben in Deutschland eines der besten Gesundheitssysteme der Welt. Dieses System soll mutwillig zerstört werden – aus rein ideologischen Gründen. Sachliche Argumente gibt es keine.

Dabei gäbe es ausreichend Spielraum für sinnvolle politische Projekte, die den Menschen wirklich helfen, beispielsweise eine generationengerechte Rentenpolitik. Die Einführung der Bürgerversicherung ist die Einführung einer echten Zwei-Klassen-Medizin. Das duale Gesundheitssystem hat sich bewährt und sollte weiterentwickelt werden.

Kaum irgendwo sonst lasse sich das Gefühl von Ungerechtigkeit so hautnah erleben wie bei der Besserbehandlung der Besserverdienenden in den Arztpraxen, argumentieren Befürworter der Bürgerversicherung. Ein nachvollziehbares Argument?

Bierth: Das ist schlichtweg Unsinn. Der Wettbewerb zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung in Deutschland bewirkt, dass gerade auch den gesetzlich Versicherten ein umfangreicher Leistungskatalog zur Verfügung steht, ihnen medizinische Innovationen nicht vorenthalten bleiben, der Zugang zu Vertragsärzten frei ist, Wartezeiten und Zuzahlungen sich im Rahmen halten.

In Großbritannien kann man sehen, wie ein Einheitssystem zu Leistungsrestriktionen führt und am Ende de facto zu einem Zwei-Klassen-System im Gesundheitswesen. Es gibt dort ein staatliches Gesundheitswesen, doch wer es sich leisten kann, entzieht sich komplett und zahlt alles privat.

Stellen Sie sich auf die mögliche Einführung einer Bürgerversicherung ein?

Bierth: Die rechtlichen Hürden dafür sind sehr hoch – wirtschaftlich ist die Einführung zudem völlig unsinnig. Praxen müssten schließen, Arbeitsplätze gingen verloren, die Versorgung für alle würde deutlich schlechter. Das werden die Menschen nicht akzeptieren. Warum also sollten wir uns mit einem Szenario intensiv auseinandersetzen, das außer ein paar Ideologen niemand möchte?

Interview: Kim Brodtmann

Foto: Signal Iduna

 

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