Google: “Nicht der Kern unserer DNA“

Eine Studie der Unternehmensberatung Simon-Kucher & Partners hat im letzten Jahr ergeben, dass rund 80 Prozent der Versicherer mit ihren Digitalisierungsmaßnahmen keinen messbaren Einfluss auf ihren Umsatz verbuchen können. Die aktuellen Initiativen seien schlecht durchdacht und oft nicht gut umgesetzt. Können Sie das bestätigen?

Meessen: Wir sehen ein sehr großes Potenzial für Versicherungsunternehmen bezüglich der Digitalisierung. Im letzten Jahr haben wir gemeinsam mit der Unternehmensberatung Bain eine Studie veröffentlicht, für die wir untersucht haben, inwieweit die Top-Technologien zur Optimierung von Kostenstruktur und Umsatz bei den Versicherungen beitragen können und viele relevante Anwendungsfälle identifiziert.

Die Digitalisierung wurde auch bereits von den Versicherern als bedeutendes Thema erkannt und in ihre Strategien integriert. Es gibt schon einige greifbare Erfolgsgeschichten, zum Beispiel hat eine Versicherung Machine Learning genutzt, um die digitale Neukundenakquise zu optimieren.

Die Kosten pro Neuabschluss konnten so um 25 Prozent reduziert werden. Andere Beispiele zeigen, dass auch Prozess- und Claimsmanagement durch Machine Learning optimiert werden können.

Aufgaben, für die manuell eine Stunde aufgewendet werden muss, können so in fünf Sekunden umgesetzt werden. Man darf aber nicht vergessen, dass die Umsetzung der Digitalisierung nicht trivial ist, schließlich ist sie mit großen IT-Projekten verbunden und ein großer kultureller Wandel geht damit einher.

Das lässt sich nicht innerhalb von drei Monaten machen, sondern erfordert eine mittel- bis langfristige Strategie.

In einem Vortrag in der Hamburger Handelskammer haben Sie im vergangenen Jahr gefordert, Versicherer sollten ihre Websites omnikanalfähig machen und besonders den zunehmenden Trend zur Internetnutzung auf mobilen Geräten beachten. Das gehöre zu ihrer Basisarbeit. Wie gut sind die Versicherer darin bereits?

Meessen: Alle Versicherer haben dieses Thema auf der Agenda. Der nächste Schritt muss jetzt die Optimierung der mobilen Assets hinsichtlich Nutzerfreundlichkeit und Geschwindigkeit sein.

In Zeiten der Digitalisierung werden die User immer ungeduldiger und erwarten, dass mobile Webseiten innerhalb von drei Sekunden geladen sind – sonst springt über die Hälfte der User wieder ab.

Hier kann die Versicherungsbranche noch viel vom Retailbereich lernen – dort ist man bereits schneller, mobiler und nutzerfreundlicher.

Ist es aus Ihrer Sicht ein Trugschluss, dass viele Versicherer die Insurtechs mittlerweile eher als willkommene Partner denn als Gegner ansehen? Immerhin treten immer mehr Start-ups auch als digitale Versicherer auf.

Meessen: Anders als im Retailbereich sind die Markteintrittsbarrieren in der Versicherungsbranche sehr hoch. Aufgrund von regulatorischen Anforderungen und Eigenkapitalquoten gibt es weniger Start-ups als in anderen Branchen.

Deshalb brauchen die Insurtechs oft die klassischen Versicherungsunternehmen, um überhaupt an den Markt kommen zu können. Die traditionellen Player wiederum arbeiten gern mit Insurtechs zusammen, um neue Trends und Technologien nutzen zu können, ohne sich gleich transformieren zu müssen. Aktuell ist es also eine „win-win“-Situation.

Seite drei: Beratung für „Digital Natives“

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