6. Februar 2018, 09:15
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Klassische Lebensversicherung auf dem Weg zum Nischenprodukt?

Die Ratingagentur Assekurata sieht klassische Lebens- und Rentenversicherungen mit Garantiezins auf dem Weg in die Bedeutungslosigkeit. Von 55 Lebensversicherern, die an ihrer jüngsten Studie teilnahmen, bieten nur noch 30 klassische Policen an.

Klassische Lebensversicherung auf dem Weg zum Nischenprodukt?

Die Branche der Lebensversicherer steht derzeit wegen der allgemeinen Niedrigzinsen unter Druck.

Vor einem Jahr hatten sich noch 34 Lebensversicherer mit solchen Produkten an der Erhebung beteiligt. “Im nächsten Jahr sind es vielleicht noch 25 oder 20, und irgendwann ist es ein Nischenprodukt”, sagte der Chefanalyst der auf Versicherer spezialisierten Ratingagentur Assekurata, Lars Heermann, bei der Vorstellung der Überschussstudie am Montag in Köln.

Die Branche steht seit Jahren wegen der allgemeinen Niedrigzinsen unter Druck. Die sinkenden Kapitalerträge am Finanzmarkt machen es den Versicherern immer schwerer, die hohen Garantieverpflichtungen für alte Lebens- und Rentenversicherungsverträge zu erwirtschaften.

Ein Großteil der Unternehmen baut im Neugeschäft auf neuartige Vertragsmodelle ohne Garantiezins und auf Indexpolicen, deren Rendite an die Entwicklung verschiedener Marktindizes gebunden ist. Gleichzeitig halten die hohen Garantien für alte Verträge die Branche im Niedrigzinsumfeld unter Druck.

Überschüsse steigen nicht

Eben diese Garantien bremsen 2018 der Assekurata zufolge für die Kunden den allgemeinen Abwärtstrend bei der Rendite klassischer Lebens- und Rentenversicherungsverträge.

“Über alle analysierten Produktarten und Tarifgenerationen sinkt die laufende Verzinsung 2018 im Marktdurchschnitt nur um 0,05 Prozentpunkte auf 2,83 Prozent”, sagte Assekurata-Chef Reiner Will. “Dies liegt daran, dass der Garantiezins eine zwangsläufige Untergrenze bei der Absenkung der laufenden Verzinsung darstellt.”

Dem Experten zufolge sind steigende Überschüsse zwar auch in den nächsten Jahren nicht zu erwarten. Allerdings werde der Rückgang langsamer erfolgen. 2017 war die Verzinsung über alle Tarifgenerationen hinweg noch um 0,23 Prozentpunkte gesunken.

Kaum Garantiezins für Neukunden

Noch in den 1990er-Jahren hatte die Branche ihren Kunden Verträge mit Zinsgarantien von bis zu vier Prozent verkauft, die die Branche auch in Zeiten allgemeiner Niedrigzinsen erfüllen muss.

Seither wurden die Garantien für neue Verträge auf Geheiß der Bundesregierung zwar nach und nach zurückgeschraubt. Der Assekurata zufolge müssen die Lebensversicherer aber noch fast die Hälfte aller angesparten Kundengelder weiterhin mit 3 Prozent und mehr verzinsen.

Wer seit Anfang 2017 eine klassische Lebens- oder Rentenversicherung abgeschlossen hat, kann nur noch auf einen Garantiezins von 0,9 Prozent bauen.

Seite zwei: Höchst unterschiedliche Verzinsungen

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