14. Mai 2018, 09:19
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Lebensversicherung: Anbieter mit stark unterschiedlichen Solvenzquoten

Schon zum zweiten Mal mussten die Versicherer in dieser Woche der Öffentlichkeit offenbaren, wie es um ihre Eigenmittelausstattung und Risikosituation unter Solvency II steht. Bei den Lebensversicherern überzeugten hier viele, aber nicht alle.

Lebensversicherung: Anbieter mit stark unterschiedlichen Solvenzquoten

Im Vorjahresvergleich stieg die Solvenzquote der deutschen Lebensversicherer um 63 Prozentpunkte.

Die Solvenzquote (SCR-Quote) gibt in einem modellhaften Extremszenario das Verhältnis der Eigenmittel eines Versicherers zu seinen Verpflichtungen gegenüber Versicherten und anderen Leistungsempfängern wieder.

Nach aufsichtsrechtlichen Vorgaben sollte die Quote bei mindestens 100 Prozent liegen. Eine Versicherungsgesellschaft hat dann ausreichend Eigenmittel, um alle Verpflichtungen in dem unter Solvency II definierten Schock-Szenario zu erfüllen.

Zum Jahresende 2017 erfüllten die deutschen Lebensversicherer die aufsichtliche Solvenzquote im arithmetischen Durchschnitt zu rund 451 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr (388 Prozent) ist sie damit um 63 Prozentpunkte angestiegen.

Branche erfüllt Anforderungen stark

Dieses Wachstum wurde begünstigt durch das höhere Zinsniveau am Kapitalmarkt. “Dies ist ein Beleg für den großen Einfluss der Marktzinsen auf die Solvenzberechnungen von Lebensversicherern unter Solvency II”, sagt Lars Heermann, Bereichsleiter Analyse und Bewertung der Assekurata Assekuranz Rating-Agentur GmbH.

“Die Branche übererfüllt die regulatorischen Anforderungen damit noch deutlicher als zuvor.” In den genannten Quoten seien angewendete LTG-Maßnahmen (Long-Term-Guarantee-Maßnahmen), also Übergangsmaßnahmen (ÜM) und Volatilitätsanpassungen (VA), eingerechnet.

Hierdurch fallen die Zahlen grundsätzlich höher aus. Ohne LTG-Maßnahmen liege die Solvenzquote (Basis-Solvenzquote) bei durchschnittlich 268 Prozent (Vorjahr: 199 Prozent).

Große Spannweite zwischen Anbietern

Die Übergangsmaßnahmen zielen darauf ab, in einem sechzehnjährigen Überleitungszeitraum die Versicherungsbestände erst allmählich in die vollständigen Solvency-II-Anforderungen einzubringen, beziehungsweise einen sukzessiven Übergang auf die Zinsstrukturkurve von Solvency II einzuleiten.

Sie gelten aber nur für Verträge, die bereits zum 31.12.2015 im Bestand waren, danach abgeschlossene Versicherungen werden ohne Übergangsmaßnahmen bewertet. Im Gegensatz hierzu ist die Volatilitätsanpassung eine auf Dauer angelegte Modellanpassung im Regelwerk von Solvency II.

Die Spannweite zwischen den einzelnen Anbietern ist noch immer beachtlich. So verteilen sich die SCR-Quoten im regulatorischen Nachweis von etwas über 100 Prozent bis knapp unter 1.000 Prozent. Trotz der branchenweiten Zunahme weisen 20 Gesellschaften eine niedrigere Quote auf als im Vorjahr.

Europa führt Rangliste an

Dabei verzeichnet die Sparkassenversicherung Sachsen den höchsten Rückgang in Prozentpunkten, liegt aber mit 990 Prozent (Vorjahr: 1.391 Prozent) noch immer signifikant über dem Branchenschnitt.

Ihre Quote wird nur noch von der Europa (996 Prozent) übertroffen. Demgegenüber kann die Ergo Direkt den branchenweit höchsten Anstieg von 221 Prozent auf 738 Prozent verzeichnen.

Hinsichtlich der angewendeten LTG-Maßnahmen zeigt sich gegenüber dem Vorjahr lediglich bei der Mecklenburgischen eine Abweichung. Hatte der Versicherer im vergangenen Jahr sowohl von der Möglichkeit der Volatilitätsanpassung als auch einer Übergangsmaßnahme Gebrauch gemacht, greift er Ende 2017 nur auf letztere zurück.

Seite zwei: LTG-Maßnahmen heben Solvenzquoten deutlich

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