30. September 2019, 10:15
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Mehrheit für Fahreignungstests ab 75 Jahren

Mehr als die Hälfte (54 Prozent) der deutschen Bevölkerung spricht sich für verpflichtende Fahreignungstests für Autofahrerinnen und Autofahrer ab 75 Jahren aus. Das ergab eine repräsentative Befragung von 2.000 Personen im Auftrag des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR), durchgeführt vom Marktforschungsinstitut Ipsos.

 in Mehrheit für Fahreignungstests ab 75 Jahren

Repräsentative Umfragen des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) zur Fahrtauglichkeit älterer Menschen

39 Prozent lehnen solche Pflichttests ab. In der Altersgruppe 18 bis 64 Jahre sprechen sich 60 Prozent dafür aus, bei den Befragten ab 65 Jahren sind nur 37 Prozent dafür, 56 Prozent dagegen. Verpflichtende regelmäßige Fahreignungstests unabhängig vom Lebensalter werden mehrheitlich (49 Prozent) abgelehnt, nur 43 Prozent halten das für eine geeignete Maßnahme.

Verpflichtende Gesundheitschecks

Ähnlich sieht es bei verpflichten Gesundheitschecks ab 75 Jahren aus. Hier befürworten 59 Prozent der Befragten solche Untersuchungen, 35 Prozent lehnen sie ab. Auch hier fallen die Unterschiede in den Altersgruppen auf:

Bei den 18- bis 64-Jährigen sind zwei Drittel (66 Prozent) dafür, 30 Prozent lehnen sie ab; ab 65 Jahren sinkt die Zustimmung auf 44 Prozent, die Ablehnung steigt auf 51 Prozent. 82 Prozent der befragten älteren Autofahrer haben ihre Fahrtauglichkeit nicht bei einem Arzt untersuchen lassen.

Rückmeldefahrten

Kaum ein älterer Autofahrer (3 Prozent) hat seine Leistungsfähigkeit im Straßenverkehr mithilfe einer Rückmeldefahrt überprüfen lassen. So lautet ein Ergebnis einer weiteren vom DVR beauftragten repräsentativen Forsa-Umfrage unter 2.000 Personen ab 65 Jahren, die einen Führerschein besitzen und regelmäßig Auto fahren.

Bei sogenannten Rückmeldefahrten handelt es sich um eine Fahrprobe mit dem eigenen Auto, begleitet von einer speziell ausgebildeten Person, zum Beispiel einem Fahrlehrer.

Allerdings wären 83 Prozent der Befragten bereit, eine Rückmeldefahrt durchzuführen, wenn die Beurteilung keinen Einfluss auf die Gültigkeit der Fahrerlaubnis hätte. Bei den über 75-Jährigen steigt die Zustimmung sogar auf 88 Prozent.

Verzicht aus gesundheitlichen Gründen

Die große Mehrheit der Autofahrer ab 65 Jahren würde auf Fahrten mit dem eigenen Auto verzichten, sofern gesundheitliche Gründe dies erfordern: 32 Prozent gaben an, dies auf jeden Fall zu tun, 54 Prozent halten das für wahrscheinlich.

Ebenfalls eine große Mehrheit (88 Prozent) der befragten älteren Autofahrer fühlt sich einer praktischen Führerscheinprüfung gewachsen.

Aktuelle Unfallzahlen

In der Unfallstatistik fällt auf, dass drei Viertel der Unfälle in dieser Altersgruppe von den Fahrerinnen und Fahrern ab 75 Jahren verursacht werden. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes verunglückten im Jahr 2018 insgesamt 53.268 ältere Menschen im Alter von 65 oder mehr Jahren im Straßenverkehr, das waren 7,4 Prozent mehr als im Vorjahr.

Um 5,1 Prozent gestiegen ist auch die Zahl der getöteten Älteren auf 1.045. Insgesamt betrug ihr Anteil an allen Verunglückten 13,4 Prozent, bei den Todesopfern war dieser mit 32 Prozent wesentlich höher. 38,9 Prozent kamen als Pkw-Insassen ums Leben.

“Autos müssen regelmäßig auf den Prüfstand, Fahrer nicht”

Angesichts dieser Zahlen appelliert der DVR an die Selbstverantwortung der älteren Verkehrsteilnehmer:

“Autos müssen regelmäßig auf den Prüfstand, wir Autofahrer aber nicht. Doch bei uns ist es wie bei Fahrzeugen: Viele Beeinträchtigungen stellen sich mit zunehmendem Alter schleichend ein. Typisch sind ein Nachlassen der Seh- und Hörkraft sowie eine verminderte Reaktionsfähigkeit. Wir empfehlen daher, die Fahrfitness regelmäßig checken zu lassen”, erläutert DVR-Hauptgeschäftsführer Christian Kellner.

Auch Rückmeldefahrten mit einem Profi an der Seite seien ein geeignetes Mittel, die Fahrtauglichkeit zu überprüfen.

 

Foto: “obs/Deutscher Verkehrssicherheitsrat e.V./DVR/Martin Lukas Kim”

2 Kommentare

  1. fahrtest ab 75 ja – aber zu welchen kosten ? gelegenheit für fahrschulen ein “soll” zu berechnen oder beim adac für kleines geld ?

    Kommentar von holger hochstein — 5. Oktober 2019 @ 18:04

  2. Die Fahrweise mancher Autofahrer lässt den Schluss zu, dass es mit dem Sehvermögen oft nicht weit her ist. Warum nicht ab 50 alle 5 Jahre
    zum Sehtest (bin selbst 67)?

    Kommentar von Ulrich Krückmann — 30. September 2019 @ 15:54

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Zukunft der Versicherungswirtschaft liegt in der Automatisierung

Die Versicherungswelt ist im Umbruch. Seien es verändertes Kundenverhalten, regulatorische Anforderungen oder gesellschaftliche Megatrends wie die Digitalisierung: Große Dynamik trifft auf eine teils noch verkrustete Branche mit in die Jahre gekommenen IT-Systemen und uneinheitlichen Prozessen. Ausweg aus dem Dilemma verschafft eine durchgängige Prozessautomatisierung, die mehr als eine Insellösung ist. Ein Beitrag von Marcus Rex, Vorstand der Smart InsurTech AG.

mehr ...

Immobilien

Nachhaltige Finanzen: EU-Taxonomie schießt über das Ziel hinaus

Medienberichten zufolge haben sich Vertreter des Europäischen Parlaments und des unter der finnischen Ratspräsidentschaft stehenden Rates der Europäischen Union auf eine Taxonomie-Verordnung geeinigt, wonach allgemein verbindlich festgelegt wird, welche Investments in der EU als nachhaltig gelten. Der Kompromiss umfasst einige bisher äußerst kontrovers diskutierte Punkte.

mehr ...

Investmentfonds

Anteil fauler Kredite steigt in Deutschland

Als notleidende beziehungsweise faule Kredite werden Darlehen bezeichnet, deren Rückzahlung mehr als 90 Tage in Verzug sind. In Europa summieren sich entsprechende Kredite aktuell auf ein Volumen von 562 Milliarden Euro. In Deutschland ist der Anteil zuletzt gestiegen.

mehr ...

Berater

Security Token: Für wen das neue regulierte Wertpapierformat attraktiv ist

Schon bald könnten Security Token traditionelle Wertpapiere weitestgehend ersetzen. Die Vorteile der digitalen Lösung sind zahlreich. Sie ermöglichen, Unternehmen, sich günstig zu finanzieren, während Anleger eine preiswerte Investmentchance nutzen können.

mehr ...

Sachwertanlagen

Primus Valor schließt Fonds 9 mit 100 Millionen Euro Anlegergeld

Der Asset Manager Primus Valor hat den Publikums-AIF ImmoChance Deutschland 9 Renovation (ICD 9 R+) nach mehreren Erhöhungen des Zielvolumens mit dem maximal möglichen Eigenkapital geschlossen. Der Schluss-Spurt verlief rasant.

mehr ...

Recht

Gesetz gegen grenzüberschreitende Steuertricks

Durch eine verschärfte Meldepflicht sollen grenzüberschreitende Steuerschlupflöcher schneller erkannt und gestopft werden. Dieses Ziel verfolgt ein Gesetz, das der Bundestag am Donnerstagabend verabschiedet hat.

mehr ...