28. Mai 2019, 13:46
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Vorsicht bei Finanztipps – warum Sie immer unbedingt nachrechnen sollten

Finanztest empfiehlt den Abschluss eines KfW-Darlehens über 100.000 Euro zu 1,15 Prozent pro Jahr ohne Tilgung und mit einer Vertragslaufzeit von zehn Jahren, womit der Darlehensnehmer Zinsen in Höhe von 91 Euro pro Monat zahlt. Dazu bekommt der Bauherr eine Förderung von 5.000 Euro, so dass dieser nur 95.000 Euro zurückzahlen muss. Der Rest soll über ein Bankdarlehen finanziert werden.

Was Finanztest rät

Um kein Zinsrisiko mit der Anschlussfinanzierung der KfW-Schulden in Höhe von 95.000 Euro am Ende der Laufzeit eingehen zu müssen, empfiehlt Finanztest, einen Bausparvertrag abzuschließen, wo der Kreditnehmer über zehn Jahre 361 Euro pro Monat einzahlt. Nach zehn Jahren kämen so 42.576 Euro zusammen. Im Finanztest-Beispiel bekommt der Kreditnehmer ein Bauspardarlehen in Höhe von 52.424 Euro zugeteilt, welches heute schon einen Darlehenszins in Höhe von 2,35 Prozent pro Jahr garantiert und mit 320 Euro pro Monat zurückgeführt wird.

„Der Bauherr bekommt also eine KfW-Förderung in Höhe von 5.000 Euro, einen KfW-Darlehenszinssatz in Höhe von nur 1,15 Prozent pro Jahr und einen heute schon garantierten Darlehenszinssatz in zehn Jahren“, resümiert CFP®-Professional Gabriel Hopmeier aus Freiburg, der sich diesen Fall näher angesehen hat. „Das sieht zunächst alles sehr gut aus.“

Nachrechnen kann sich auszahlen

Am konkreten Beispiel aus der Finanzierungspraxis eines Immobilienkaufpreises von 800.000 Euro bei 200.000 Euro Eigenkapital nachgerechnet kommen dem Finanzexperten Zweifel, ob dies wirklich der beste Weg ist. „Der empfohlene Bausparvertrag zum Beispiel bringt Provisionen von mindestens 950 Euro mit sich, die in dem Beitrag nicht erwähnt werden“, kritisiert Hopmeier.

„Dazu kommen laufende Kontoführungskosten und ein Guthabenzinssatz von 0,1 Prozent pro Jahr. Das heißt, der Kreditnehmer zahlt die Provision dafür, dass dem Guthabenzins von 0,1 Prozent pro Jahr ein Darlehnszins von 1,15 Prozent pro Jahr gegenübersteht und er keine Garantie erhält, dass er den Bausparvertrag in zehn Jahren wirklich zugeteilt bekommt.“ Gegen diese Lösung spricht ebenfalls das inzwischen schlechte Image der Bausparkassen, die ihre Kunden zuletzt aus alten, aber gut verzinsten Bausparverträgen mehr oder weniger herausgedrängt haben.

Alternativen prüfen

„Auch entstehen dabei Darlehenskosten in Höhe von 107.638 Euro“, so Hopmeier weiter. „Ich würde eher dazu raten, auf das KfW-Darlehen und den Bausparvertrag zu verzichten und die 600.000 Euro über ein Bankdarlehen mit 20 Jahren Laufzeit zu finanzieren. Dieses Darlehen ist etwas teurer, aber nach 20 Jahren sind Sie schuldenfrei.“

Zudem kostet diese Art der Finanzierung insgesamt nur 104.843 Euro und ist damit um 2.795 Euro günstiger als die Finanztest-Variante. Dazu kommt noch etwas: Beim KfW-Darlehen ist in den ersten zehn Jahren keine Sondertilgung vorgesehen.

„In dem alternativen Finanzierungsvorschlag stecken aber jederzeit fünf Prozent Sondertilgungsrecht. Wer in der Lage ist, das zu nutzen, für den fallen die Kosten aufgrund des Zinseszinseffektes nochmals günstiger aus“, fasst der Experte zusammen.

 

 

Foto: Shutterstock

Weiter lesen: 1 2

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Heß, WWK: „Verzahnung von Vertrieb und Marketing ist essentiell“

Die WWK hat Thomas Heß zum Bereichsleiter des Marketings der WWK und zum Organisationsdirektor für die neu geschaffene Sonderdirektion des WWK Partnervertriebs ernannt. Cash. sprach mit dem ausgewiesenen Marketing- und Vertriebsexperten über das enorme Aufgabenspektrum, den Erfolg bei Riester und die Herausforderungen im Markt.

mehr ...

Immobilien

Squeeze-out bei der Isaria Wohnbau AG

Die Hauptaktionärin der Isaria Wohnbau AG, ein mit dem US-amerikanischen Lone Star Funds verbundenes Unternehmen, will die Isaria komplett übernehmen und initiiert ein “Squeeze-out”, also das Herausdrängen der Minderheitsaktionäre.

mehr ...

Investmentfonds

Die größten Unternehmen zahlen am wenigsten Steuern

Das globale Steuersystem belohnt die Unternehmen beim Erreichen einer Größe, was sich eigentlich negativ auf die Gesellschaft selbst auswirkt, weil dadurch die Ungleichheit gefördert wird, ein wichtiger Vektor für die Verbreitung des Coronavirus. Ein Beitrag von Dr. Sandy Brian Hager und Joseph Baines.

mehr ...

Berater

Versicherung gegen Betriebsschließung: “Keine unbedachten Entscheidungen treffen”

Im Rahmen des jüngsten Streits um das Thema Betriebsschließungsversicherungen zwischen Versicherern und Versicherten, ausgelöst durch die Corona-Pandemie, nehmen Stephan Michaelis und Boris-Jonas Glameyer von der Kanzlei Michaelis aus Hamburg Stellung.

mehr ...

Sachwertanlagen

Deutsches Solar-Unternehmen Hep kauft US-Projektentwickler

Der Entwickler von Solarparks und Fondsanbieter Hep aus Güglingen kauft den US-amerikanischen Projektentwickler Peak Clean Ernergie mit einer Projektpipeline von mehr als 4.000 Megawatt – inklusive 400 Megawatt Projekte nahe Baureife. Zugriff darauf hat zunächst ein aktueller Hep-Spezialfonds.

mehr ...

Recht

Zahlungsnot durch Corona: So sparen Versicherte jetzt Kosten

Die Corona-Krise versetzt viele Menschen in Zahlungsprobleme. Einige Versicherer reagieren mit Kulanzregeln und Sonderlösungen. Die besten Tipps: So sparen Versicherte jetzt Kosten.

mehr ...