Anzeige
19. Januar 2006, 00:00
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Cash.-Exklusiv: Marktbilanz 2005

Der Markt für geschlossene Deutschland-Immobilienfonds ist im vergangenen Jahr massiv eingebrochen. Das platzierte Investitionsvolumen in dieser Branche ging um etwa 35,7 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro zurück. Das ist ein Ergebnis der alljährlichen Initiatorenbefragung des Hamburger Kapitalanlage-Magazins Cash. Hintergrund sind vor allem die nach wie vor am Boden liegenden deutschen Immobilienmärkte. Bemerkenswert: Die Branche, die im Beteiligungsmarkt einstmals die Marktführerschaft innehatte, kommt inzwischen nicht einmal mehr auf die Hälfte des Volumens ausländischer Immobilienfonds. US-Immobilienfonds (platziertes Investitionsvolumen: 1,95 Milliarden Euro) verzeichneten ebenfalls Einbußen*, sonstige Auslandsfonds (3,7 Milliarden Euro) konnten ihr Vorjahresniveau nahezu halten.

Auch für die Zukunft ist bei den geschlossenen Deutschland-Immobilienfonds ein weiterer Marktrückgang zu erwarten. Denn die anstehende Einführung der Besteuerung von Veräußerungsgewinnen wird sich zusätzlich negativ auf das Geschäft dieser Branche auswirken. Bestätigt wird diese Einschätzung von den Initiatoren selbst: Etwa 78 Prozent aller von Cash. befragten Fonds-Emittenten, die sich zu dem Thema geäußert haben, erwarten eine negative Auswirkungen durch die Besteuerung von Veräußerungsgewinnen.

Insgesamt ist der Markt für geschlossene Fonds 2005 leicht geschrumpft. Die Initiatoren haben ein platziertes Gesamt-Investitionsvolumen (inklusive Agio) von rund 23,7 Milliarden Euro erzielt. Gegenüber 2004 (24,5 Milliarden Euro) bedeutet das einen Rückgang um rund 3,3 Prozent. Das platzierte Eigenkapital lag mit 11,8 Milliarden Euro etwa 5,1 Prozent unter dem Vorjahreswert (12,4 Milliarden Euro). Die Abweichungen von bereits von der Berliner Scope Group veröffentlichten Zahlen beruhen vor allem darauf, dass Cash. keine Schätzungen vorgenommen hat. Zudem wurde mit 155 berücksichtigten Initiatoren-Antworten eine wesentlich breitere Datenbasis ausgewertet.

Ebenfalls zu den Verlierern 2005 zählen erwartungsgemäß die Medienfonds, die mit 1,1 Milliarden Euro 36,7 Prozent weniger Investitionsvolumen platzierten als 2004. Diese Branche wurde im vergangenen Jahr besonders durch Attacken seitens der Finanzverwaltung, vor allem durch das Hin und Her um den staatlich verordneten Wegfall der Steuervorteile per Paragraf 15b Einkommensteuergesetz, getroffen. Zudem fiel mit dem einstigen Marktführer VIP, München, ein wichtiger Player komplett aus. Das Unternehmen hatte Mitte des Jahres seine beiden laufenden Platzierungen aufgrund von Problemen mit der Staatsanwaltschaft gestoppt und somit 2005 kein Geschäft gemacht.

Abermals im Plus landete dagegen wie von zahlreichen Experten prognostiziert die Branche der Schiffsfinanzierer, die unterm Strich auf ein platziertes Investitionsvolumen von rund 7,8 Milliarden Euro kam (Vorjahr: 7,1 Milliarden Euro). Angesichts zumindest bis Sommer haussierender Charterraten zeichneten Anleger 2005 Eigenkapital an Schiffsfonds in Höhe von etwa 2,9 Milliarden Euro. Ebenfalls zu den deutlichen Gewinnern zählen die Energiefonds mit einem platzierten Investitionsvolumen von 979 Millionen Euro (plus 40,8 Prozent). Im Gegensatz zu den Medienfonds profitierte die Branche offenbar von der seitens der Politik in 2005 mehrfach angeheizten Schlussverkaufsstimmung bei so genannten Steuersparmodellen. Auch Private-Equity-Fonds legten erneut deutlich zu, diesmal um beinahe 50 Prozent auf ein platziertes Investitionsvolumen von 983,7 Millionen Euro.

Steil aufwärts ging es auch bei LV-Policenfonds. Dort machte sich der Einstieg der Deutschen Bank AG, die 2005 innerhalb kurzer Zeit zwei Fonds mit einem Gesamtvolumen von 535 Millionen Euro platzierte, bemerkbar. Viel Geld floss zudem in Fonds, die auf dem britischen Versicherungszweitmarkt investieren. Die Branche kam unterm Strich auf ein platziertes Investitionsvolumen von rund 1,96 Milliarden Euro (plus 45,6 Prozent).

“Angesichts der politischen Turbulenzen, der steuerlichen Unsicherheiten sowie der gesetzlichen Prospektpflicht ab Mitte 2005 hat die Branche sich außerordentlich gut gehalten, zumal 2004 ein Rekordjahr gewesen war”, kommentiert Stefan Löwer, Experte für geschlossene Fonds bei der Hamburger Cash.medien AG, die Zahlen. “Ein Alarmsignal für die deutsche Politik ist allerdings der enorme Rückgang der Investitionen im Inland. Inklusive Schiffsfonds wurden rund 75 Prozent des Gesamtvolumens im Ausland investiert.”

Weitere von Cash. befragte Experten zählen vor allem die Vertriebspause im Sommer, die durch den Beginn der Prospektprüfung seitens der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) herbeigeführt worden war, zu den Gründen für den Rückgang im Gesamtmarkt. Zudem habe der Vertriebssektor Mühe gehabt, die endgültige Umstellung der Produkte von Steuerspar- zu Renditemodellen zu vermitteln.

Investitionsvolumina / Gesamt-EK
2005 2004 Veränd.
Schiffsfonds 7.838,4 7.053,7 11,1%
Sonst. Ausl. 3.692,4 3.714,6 -0,6%
Immobilien D. 2.658,2 4.133,0 -35,7%
US-Fonds* 1.948,9 2.419,5 -19,5%
LV-Fonds 1.959,9 1.345,7 45,6%
Medienfonds 1.105,2 1.744,6 -36,7%
Private Equity 983,7 658,9 49,3%
Energiefonds 979,0 695,2 40,8%
Sonst. Anl.-Formen 2.142,8 2.796,0 -23,4%
Gesamt IV* 23.250,5 24.502,8 -5,1%
Gesamt EK* 11.604,8 12.422,4 -6,6%
in Mio. Euro / Quelle: Cash.-Research

Die vollständige Marktübersicht mit den Ergebnissen sämtlicher Emissionshäuser, allen Gewinnern und Verlierern sowie Stimmen der Initiatoren erscheint in Cash. 3/2006 (ab 16. Februar im Handel).

*Da das Emissionshaus KanAm, München, seine am 23. Dezember 2005 schriftlich gegenüber Cash. gemachten Platzierungsangaben erst am 1. Februar 2006 um etwa 400 Millionen Euro Investitionsvolumen nach unten korrigierte, mussten die Zahlen für US-Fonds nachträglich geändert werden.

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 4/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Tech-Aktien – Fondspolicen – Baufinanzierung – Frauen in der Finanzberatung

Ab dem 16. März im Handel.

Cash. 3/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Pflegevorsorge - Small Caps - Zinshäuser - Digitalisierung - Honorarberatung - Leadsgewinnung - Nachfolge-Planung

Versicherungen

Generali: Alternativen zur Klassik legen zu

Die Generali in Deutschland konnte ihr operatives Ergebnis im Geschäftsjahr 2016 auf 847 Millionen Euro erhöhen, ein Plus von sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Gesamtkosten sanken um 117 Millionen Euro auf 1,3 Milliarden Euro.

mehr ...

Immobilien

WIKR: Präzisierungen bei Immobilienkrediten

Die umstrittenen strengen Vorgaben für die Vergabe von Immobilienkrediten werden nachgebessert. Der Bundestag beschloss am Donnerstag Präzisierungen zu der seit einem Jahr geltenden “Wohnimmobilienkreditrichtlinie”.

mehr ...

Investmentfonds

Brexit: Luxemburg beansprucht Sitz der Europäischen Bankenaufsicht

Luxemburg will nach dem Brexit Sitz der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) werden. Nach Ansicht von Premierminister Xavier Bettel hat das Großherzogtum ein Anrecht auf den Umzug der EBA nach Luxemburg.

mehr ...

Berater

“Als ich anfing, war es geradezu exotisch, sich mit Frauen zu beschäftigen”

Heide Härtel-Herrmann ist seit über 30 Jahren als Beraterin tätig. Mit Cash. hat sie über ihren Werdegang, Frauen in der Finanz- und Versicherungsbranche und die Bedürfnisse weiblicher und männlicher Kunden gesprochen.

mehr ...

Sachwertanlagen

S&K-Gründer mit Strafen am unteren Rand auf freiem Fuß

Der Betrugsprozess um das Immobilienunternehmen S&K hat sich in Teilen als undurchführbar erwiesen. Nach einem Deal mit der Justiz kommen die Gründer mit Strafen am unteren Rand davon.

mehr ...

Recht

BGH stärkt prozessualen Rechtsschutz von Versicherungsnehmern

Klagt ein Versicherungsnehmer gegen einen Versicherer mit Sitz im Ausland, gilt die für den Versicherungsnehmer vorteilhafte Regelung des Gerichtsstandes in dessen Bezirk – auch wenn es sich um Ansprüche aus “Altverträgen” handelt, die vor Inkrafttreten des reformierten VVG geschlossen wurden.

mehr ...