Anzeige
Anzeige
31. August 2010, 09:48
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Discounter: Gewinne erzielen, wo andere nur sparen

Gastkommentar:  Olaf Fortmann, Behringer Harvard Europe

Discounter sind eines der Wachstumssegmente im deutschen Einzelhandel – und das schon seit über 40 Jahren. Das gilt vor allem für den Lebensmittelbereich. 1970 gab es in Deutschland gerade einmal 2.000 Discountmärkte. Inzwischen sind es rund 16.400 Filialen und jedes Jahr kommen rund 330 neue Märkte hinzu.

Fortmann Online-127x150 in Discounter: Gewinne erzielen, wo andere nur sparen Für die in diesem Segment tätigen Projektentwickler und Investoren bedeutet die stetige Expansion ein konstantes Auftragsvolumen und vergleichsweise sichere Mieteinnahmen. Denn mehrheitlich erwerben die Ketten die für sie errichteten Märkte nicht selbst, sondern zahlen Miete. Üblich sind Verträge mit einer Laufzeit von zehn bis 15 Jahren plus Option auf Verlängerung. Das scheint vergleichsweise lang und komfortabel, zumal das Mietausfallsrisiko bei den überaus bonitätsstarken Ketten äußerst gering ist. Hinzu kommt, dass die Einkaufspreise derzeit vergleichsweise niedrig sind. Gute Objekte werden aktuell zum Elf- bis Zwölf-Fachen der Jahresnettomiete angeboten, sodass Investoren mit Renditen von bis zu neun Prozent rechnen können.

Allerdings sollten auch Investitionen in Discountmärkte nicht ohne genauere Prüfung erfolgen. Denn bei den von den Discountern bevorzugten Gebäuden handelt es sich im Grunde um Spezialimmobilien mit Ladenflächen, die an die Betriebsabläufe angepasst sind: Egal in welche Filiale der Aldi-, Lidl-, Netto- oder Penny-Kunde geht, er soll seine Produkte stets am gleichen Platz finden. Für Projektentwickler bedeutet dies, dass sie oftmals die gleichen und vergleichsweise einfachen Gebäude mit minimalen Variationen bauen. Das senkt die Herstellungskosten erheblich. Investoren stehen allerdings vor dem Problem, dass nur ein oder zwei Mieter für das jeweilige Objekt in Frage kommen, sodass sich eine Nachvermietung unter Umständen als schwierig erweisen kann. Investiert werden sollte daher nur an Standorten mit vergleichsweise geringer Versorgungsdichte – und keinesfalls in Städten, wo sich bereits an jeder Straßenecke ein Discounter befindet.

Potenziale gibt es vor allem in den ländlichen Gebieten Hessens, in Teilen Nordrhein-Westfalens, in Baden-Württemberg sowie in einigen Regionen Niedersachsens. Nach Angaben der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) gibt es in diesen Gebieten pro Einwohner nur zwischen 0,1 bis 0,16 Quadratmeter Discounterfläche. Zum Vergleich: In weiten Teilen Ostdeutschlands stehen pro Einwohner rund 0,2 Quadratmeter zur Verfügung. Hinzu kommt, dass der Lebensmitteleinzelhandel in ländlichen Gebieten generell weniger präsent ist als beispielsweise in Mittelstädten: Auf dem Land kommen nach GfK-Angaben auf Einwohner nur 0,2 bis 0,3 Quadratmeter Verkaufsfläche. In Mittelstädten mit mehr als 50.000 Einwohnern werden hingegen bis zu 0,5 Quadtratmeter pro Einwohner erreicht.

Das heißt jedoch nicht, dass von Discounter-Investitionen in Mittelstädten generell abgesehen werden sollte. Denn Mittelstädte haben überdurchschnittlich hohe Umsatzpotenziale: Die GfK hat ermittelt, dass in Städten zwischen 100.000 und 300.000 Einwohnern etwa 27 Prozent höhere Umsätze erzielt werden als im Bundesdurchschnitt. Außerdem profitieren bereits genehmigte und in Betrieb befindliche Märkte von der restriktiven Genehmigungspraxis der Kommunen: Die Mehrzahl der deutschen Städte will den Handel in den Innenstädten unterstützen und weist daher außerhalb der Stadtzentren kaum noch neue Gebiete für den großflächigen Einzelhandel aus. Davon sind alle Einzelhandelsflächen über 800 Quadratmetern und somit auch die Discounter betroffen. Vor diesem Hintergrund werden bereits vorhandene Flächen zu einer wichtigen Ressource.

Die Mehrzahl der Investoren muss somit nicht befürchten, dass ihr Mieter einfach auszieht und in einen neuen Markt in der Nachbarschaft wechselt. Im Gegenteil: Discounter sind vergleichsweise treue Mieter. Es gibt eine ganze Reihe von Filialen, die schon seit mehr als dreißig Jahren von der gleichen Kette genutzt werden. Und selbst wenn einmal der Fall eintreten sollte, dass ein Discounter eine bestehende Filiale aufgibt, sind kaum größere Mietausfälle zu befürchten. Denn im Kampf um Marktanteile wollen fast alle Ketten in der Fläche wachsen.

Der Autor ist Geschäftsführer von Behringer Harvard Europe

Foto: Behringer Harvard Europe

1 Kommentar

  1. […] Cash.online macht gerade auf eine wachstumsstarke Variante aufmerksam, die ich auch immer wieder gerne in ein gut sortiertes Portfolio einbaue: Gewinne erzielen, wo andere nur sparen. […]

    Pingback von Die Immobilie als Renditeobjekt – darf´s etwas mehr sein? « Der Sparschweintankwart… — 31. August 2010 @ 18:57

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 4/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Tech-Aktien – Fondspolicen – Baufinanzierung – Frauen in der Finanzberatung

Ab dem 16. März im Handel.

Cash. 3/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Pflegevorsorge - Small Caps - Zinshäuser - Digitalisierung - Honorarberatung - Leadsgewinnung - Nachfolge-Planung

Versicherungen

Viele Bundesbürger befürchten Geldprobleme im Alter

Mehr als ein Drittel der Bundesbürger zwischen 40 und 55 Jahren geht von einer schlechten eigenen Finanzlage im Alter von 75 Jahren aus, wie aus einer Studie des Sinus-Institutes im Auftrag des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hervorgeht.

mehr ...

Immobilien

Wohnungsbau in Berlin zieht deutlich an

Der Wohnungsbau in Berlin kommt weiter in Schwung. Im vergangenen Jahr genehmigten die Behörden 25.063 neue Wohnungen, wie das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg am Montag mitteilte. Das ist die höchste Zahl seit 1997.

mehr ...

Investmentfonds

Brasilien bietet ausgezeichnete Reformdynamik

In den vergangenen Jahren war das Image von Brasilien bei Anlegern deutlich angekratzt. Allerdings hat sich in dem bevölkerungsreichsten Land viel bewegt, so dass die Situation neu bewertet werden muss. Gastkommentar von Maarten-Jan Bakkum, NN Investment Partners

mehr ...

Berater

Indexpolicen: Einstieg in die “Kapitalmarkt-Denke”?

Seit geraumer Zeit wird in der Assekuranz die Frage diskutiert, ob Kunden über den Zwischenschritt Indexpolicen eher bereit sind, den Schritt in die Welt der rein fondsgebundenen Lösungen zu wagen. Doch viele Versicherer sind skeptisch, ob dies der richtige Weg ist.

mehr ...

Sachwertanlagen

Die Sachwertbranche lebt noch

Zwei Veranstaltungen in der vergangenen Woche belegen eine Belebung der Sachwertbranche, ließen aber auch Fragen offen. Antworten gibt es vielleicht auf einem weiteren Event an diesem Mittwoch. Der Löwer-Kommentar

mehr ...
24.03.2017

Lacuna goes Canada

Recht

Elternunterhalt: Betreuungsleistung nicht einkommensmindernd

Im Rahmen einer Überprüfung der Leistungsfähigkeit für den Elternunterhalt ist die vom Unterhaltsschuldner an sein minderjähriges Kind geleistete Betreuung nicht zu monetarisieren und kann somit nicht einkommensmindernd geltend gemacht werden, so der BGH.

mehr ...