Anzeige
28. Oktober 2014, 08:13
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

“Rechnungszinssenkung bedeutet Schlussverkauf”

Wolfgang Reichel ist Finanzvorstand und Vorstandssprecher der Lebensversicherung von 1871. Mit ihm sprach Cash. über die gegenwärtige Situation der Lebensversicherung, seine Erwartungen an das Jahresendgeschäft 2014 und die Konsequenzen einer Rechnungszinssenkung.

Rechnungszinssenkung

“Eine Rechnungszinssenkung ist im Grunde immer gleichbedeutend mit einem Schlussverkauf.”

Cash.: Den deutschen Lebensversicherern gehe es besser als sie vorgeben, schrieb kürzlich die Zeitung “Die Welt”. “Trotz eines katastrophal niedrigen Zinsniveaus und strenger Regeln zur Ausschüttung verfügen sie noch immer über hohe Reserven”. Jammern die Versicherer auf hohem Niveau?

Reichel: Nein, das tun sie nicht. Die Kapitalanlage ist in Zeiten wie diesen einfach eine große Herausforderung für uns. Der weitaus größte Teil der aktuell hohen Bewertungsreserven der deutschen Lebensversicherer kommt aus dem Bestand an festverzinslichen Wertpapieren. Diese Anleihereserven konnten aber nur deshalb so stark anwachsen, weil die Zinsen auf ein extrem niedriges Niveau gefallen sind. Die Kurse der in der Vergangenheit mit teilweise deutlich höherem Zinscoupons gekauften Rentenpapiere sind aufgrund der stark gefallenen Zinsen ganz erheblich gestiegen.

Hier ist auch die Kehrseite der Medaille zu sehen: Würde der Versicherer diese höher rentierlichen Papiere verkaufen, um die aktuell hohen Reserven zu realisieren, könnte er die Erlöse nur zu den momentan extrem niedrigen Renditen wieder anlegen. Die hohen Zinsen aus den verkauften Papieren fehlen dem Versicherungsunternehmen allerdings, um die laufenden Versprechen gegenüber den Kunden einhalten zu können.

Ziel des Versicherers ist es aber, die höher verzinslichen Papiere bis zur Endfälligkeit zu halten, damit die Versicherungskunden möglichst lange von den hohen Zinscoupons profitieren können. Die Reserven bauen sich in diesem Fall bis zum Fälligkeitstermin der Anleihen ab, da die die Papiere dann zum Kurs von 100 zurückgezahlt werden.

Ab 1. Januar 2015 dürfen die Lebensversicherer nur noch 2,5 Prozent statt 4,0 Prozent der Beitragssumme als Vertriebs- und Abschlusskosten bilanziell geltend machen. Wie werden Sie vor diesem Hintergrund Ihr künftiges Provisionsmodell ausrichten?

Derzeit prüfen wir, welche Auswirkungen sich durch die Absenkung des Höchstzillmersatzes ergeben und wie wir diese im kommenden Jahr realisieren. Sicher ist für uns: Auch in Zukunft wollen wir ein verlässlicher und fairer Partner für unsere Kunden und Geschäftspartner sein. Unsere Geschäftspartner werden wir mit hinreichend Vorlauf über Änderungen informieren.

Qualität und Nachhaltigkeit sind die Eckpfeiler, anhand derer wir die zukünftigen Regelungen ausrichten wollen. Wir setzen auf Qualität in unserem Bestand. Wir wollen Geschäftspartner dabei unterstützen, dass sie ihre Kunden langfristig und nachhaltig bis zum Vertragsende betreuen können. Und: Wir werden rechtzeitig das Gespräch direkt mit unseren Geschäftspartnern suchen, um Änderungen zu besprechen.

2015 stehen weitere Veränderungen an: Neben der Absenkung des Garantiezinses im LV-Neugeschäft von 1,75 auf 1,25 Prozent, werden sich infolge des LVRG auch die Prämien im Neugeschäft mit Berufsunfähigkeitsversicherungen verteuern. Wie stark werden sich diese Effekte auf das Jahresendgeschäft in den beiden Sparten auswirken?

Eine Rechnungszinssenkung ist im Grunde immer gleichbedeutend mit einem Schlussverkauf. Auch wenn wir einen ausgeglichen Jahresverlauf bevorzugen, freuen wir uns über steigende Vertriebszahlen. Wir werden beim Neugeschäft wie auch in der Vergangenheit auf hohe Qualität im Sinne des Versicherungskollektivs achten.

Gerade im BU-Geschäft setzen wird weiterhin auf eine zielgruppengerechte und nachhaltige Annahmepolitik. Das geht nur im stetigen Austausch: Risiko- und Leistungsprüfung und Vertrieb arbeiten bei uns eng zusammen, um qualitative Risikoeinschätzung vornehmen zu können.

Welche Schwerpunkte werden Sie im nächsten Jahr in den Bereichen Produkte und Beratung setzen?

Unser Ziel ist es, unsere erarbeitete Finanzstärke zu sichern und weiterhin attraktive und leistungsstarke Lösungen anzubieten – zum Vorteil für Kunden und Geschäftspartner. Auch im kommenden Jahr werden wir unsere Geschäftspartner bei der ganzheitlichen und bedarfsgerechten Beratung unterstützen.

Der Schwerpunkt liegt sicherlich auf der Absicherung der Arbeitskraft und auf fondsgebundenen Lösungen. Hier bieten wir mit der Onlineinvestmentplattform meinepolice.com und der Expertenpolice zahlreiche Lösungen an, die Maßstäbe setzen. Auch unsere Rente Index Plus beispielsweise, die eine klassische Rente mit Indexpartizipation kombiniert, bleibt 2015 für Kunden attraktiv.

Denn: Ein garantierter Rechnungszins von 1,25 Prozent plus Indexpartizipation über die gesamte Vertragslaufzeit ist für viele Menschen in der heutigen Zeit viel Wert – auch im Vergleich mit anderen Vorsorgeangeboten.

Hinzu kommt: Nur die Lebensversicherung kann eine lebenslange Rente garantieren.

Interview: Lorenz Klein

Foto: Gerhard Blank

Anzeige

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 4/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Tech-Aktien – Fondspolicen – Baufinanzierung – Frauen in der Finanzberatung

Ab dem 16. März im Handel.

Cash. 3/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Pflegevorsorge - Small Caps - Zinshäuser - Digitalisierung - Honorarberatung - Leadsgewinnung - Nachfolge-Planung

Versicherungen

VZBV: “Restschuldversicherungen sind maßlos überteuert”

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) fordert, dass Restschuldversicherungen künftig nur noch separat und nicht gekoppelt an Kreditverträge vermittelt werden dürfen. Das sollte nach dem Willen der Verbraucherschützer im Umsetzungsgesetz der EU-Richtlinie Insurance Distribution Directive (IDD) verankert werden.

mehr ...

Immobilien

Bauhauptgewerbe verzeichnet besten Jahresstart seit 1996

Das Bauhauptgewerbe startet erfolgreich in 2017, es verzeichnete zuletzt vor über 20 Jahren mehr Auftragseingänge zu Beginn eines Jahres. Im Vergleich zum Vormonat Dezember sind die Aufträge jedoch leicht gesunken.

mehr ...

Investmentfonds

Deutsche Börse tritt auf Kostenbremse

Die Deutsche Börse plant kurzfristig Einsparungen in mindestens zweistelliger Millionenhöhe. Zudem gilt zunächst ein Einstellungsstopp für fast alle Bereiche. Der Konzern reagiert damit auf sinkende Umsätze und das erwartete Scheitern der Fusion mit der London Stock Exchange (LSE).

mehr ...

Berater

Patientenverfügung: BGH präzisiert Anforderungen

Im Einzelfall kann sich die erforderliche Konkretisierung in einer Patientenverfügung auch durch Bezugnahme auf ausreichend spezifizierte Krankheiten oder Behandlungssituationen ergeben – ohne detaillierte Benennung bestimmter ärztlicher Maßnahmen. Das geht aus einem aktuellen Beschluss des Bundesgerichtshofs (BGH) hervor.

mehr ...

Sachwertanlagen

Weitere Ausschüttung für Anleger der Deutschen Finance

Die Geschäftsführung des PPP Privilege Private Partners Fund des Asset Managers Deutsche Finance aus München wird den Anlegern nach einer erfolgreichen Zielfonds-Transaktion für das Geschäftsjahr 2017 eine Vorabausschüttung in Höhe von 15 Prozent vorschlagen.

mehr ...
24.03.2017

Lacuna goes Canada

Recht

LV-Vertrag: Bei Änderung Steuerlast wie bei Neuabschluss

Wird ein Lebensversicherungsvertrag (LV-Vertrag) vor Ablauf der Vertragslaufzeit geändert, ohne dass die Modifikation von vornherein vertraglich vereinbart worden ist, liegt hinsichtlich der Änderungen aus ertragsteuerlicher Perspektive ein neuer Vertrag vor. Dies entschied der Bundesfinanzhof.

mehr ...