EXKLUSIV

Altersvorsorgedepot vs. Fondspolice: Wo Versicherer künftig punkten können

Die Branche stellt sich der Herausforderung: „Für Anbieter von Fondspolicen ergibt sich (…) eine klare strategische Ausrichtung: Sie sollten nicht versuchen, mit reinen Online-Depotlösungen zu konkurrieren, sondern ihre Stärke gezielt im beratungsintensiven Segment ausspielen. Gerade bei Vorsorgeentscheidungen mit langfristiger finanzieller Tragweite steigt der Bedarf an individueller Begleitung. Entsprechend empfiehlt es sich, den Fokus bewusst auf die spezifischen USPs einer Versicherungslösung zu legen (…)“, sagt Jens Göhner, Leiter Produktmanagement bei der Stuttgarter Lebensversicherung. Sowohl die Stuttgarter als auch HDI Deutschland begrüßen die Altersvorsorgereform grundsätzlich.

Laut Göhner ist entscheidend, dass nach derzeitigem Konzept lediglich das geplante Standardprodukt vollständig digital und ohne Beratung online abschließbar sein solle. Komplexere Vorsorgelösungen – insbesondere ein aufbauendes Altersvorsorgedepot mit null Prozent Beitragsgarantie sowie Produkte mit Garantien oder zusätzlichen Absicherungskomponenten – blieben hingegen erklärungsbedürftig und würden typischerweise über qualifizierte Vermittler vertrieben. Um sich vom Altersvorsorgedepot abzuheben, sollten Fondspolicen im Marktauftritt gezielt die Leistungen in den Vordergrund stellen, die ein Depot strukturell nicht bieten könne.

Zentrales Differenzierungsmerkmal sei die lebenslange Rentenoption, die auch bei einem langen Leben eine verlässliche Einkommensperspektive im Alter schaffe. Hinzu kämen planbare Strukturen wie Ablaufmanagement, automatisierte Umschichtungen und optionale Sicherungsmechanismen, die Stabilität gewährleisteten. „Ein weiterer wesentlicher Vorteil ist die Möglichkeit, biometrische Risiken – etwa Berufsunfähigkeit oder Todesfall – in einem Vertrag zu integrieren und damit Kapitalanlage und Absicherung sinnvoll zu verbinden“, so Göhner.

Ergänzend könnten steuerliche Vorteile in der Anspar- und Auszahlungsphase hinzukommen. Insgesamt sei die Fondspolice dadurch eine ganzheitliche Vorsorgelösung, nicht nur ein reines Anlageprodukt.
Auch laut HDI bieten Fondspolicen gegenüber dem Altersvorsorgedepot wesentliche Vorteile, darunter flexible Gestaltungsmöglichkeiten, kostenfreie Fondswechsel, den Entfall von Ausgabeaufschlägen sowie eine lebenslange Rentenzahlung. In welchem Umfang zusätzliche Absicherungen biometrischer Risiken künftig relevant sein würden, hänge vom finalen gesetzlichen Rahmen ab.

Sollten ETFs in Fondspolicen künftig eine größere Rolle spielen? Laut Göhner erfüllen ETFs die Erwartungen vieler Kunden an Kosteneffizienz, Transparenz und Marktnähe und sollten zentrale Bausteine in modernen Fondspolicen sein. Aktiv gemanagte Fonds brauche man jedoch für spezielle Anlagestrategien, in Nischenmärkten oder bei anspruchsvollen Risikomanagement-Konzepten. Anbieter sollten sich also nicht eingleisig entscheiden, sondern eine ausgewogene und breite Fondsauswahl bieten mit ausreichend Spielraum für individuelle Anlagestrategien sowie unterschiedliche Anlegerpräferenzen. Bei der HDI erfreuten sich ETFs seit Jahren großer Nachfrage und man gehe davon aus, dass sie auch künftig eine bedeutende Rolle innerhalb fondsgebundener Lösungen spielen werden.

Cash. Autorin Silvia Fischer ist Dipl.-Betriebswirtin und Journalistin (FJS)

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