Taiwan gilt derzeit als einer der größten Profiteure des weltweiten KI-Booms. Als Heimat von Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC) und hunderten weiteren Technologieunternehmen steht die Insel im Zentrum der globalen KI-Wertschöpfungskette. Michael Bourke, Head of Emerging Market Equities bei M&G Investments, hat das Land kürzlich besucht und zieht ein differenziertes Fazit.
„Taiwan ist sprichwörtlich der Verkäufer von Schaufeln und Spitzhacken im Technologie-Goldrausch“, sagt Bourke. Als Hersteller der fortschrittlichsten Chips für KI-Anwendungen und Rechenzentren profitiere das Land unmittelbar von den weltweit steigenden Investitionen in KI-Infrastruktur. Die starke Nachfrage nach Halbleitern habe zu kräftigem Gewinnwachstum in der Technologiebranche beigetragen und die wirtschaftliche Entwicklung des Landes gestützt.
Parallel dazu ist Taiwan auch an den Kapitalmärkten immer bedeutender geworden. Ende Februar 2026 machte das Land mehr als 22 Prozent des MSCI Emerging Markets Index aus. Maßgeblich dafür ist die Entwicklung von TSMC, das inzwischen die größte Einzelposition im Index darstellt. „Angesichts seiner Größe kann die Entwicklung von TSMC einen erheblichen Einfluss auf die Wertentwicklung des Index haben“, betont Bourke.
Konzentrisiko: Was TSMCs Dominanz für aktive Investoren bedeutet
Diese Entwicklung stellt Anleger vor Herausforderungen. Die hohe Gewichtung von TSMC im Index verdeutlicht, welchen Einfluss einzelne Unternehmen auf die Entwicklung des Gesamtmarktes haben können. Für aktive Investoren sei daher eine sorgfältige Titelauswahl und Diversifikation entscheidend.
Bourke verweist zudem auf die hohe Dynamik innerhalb der KI-Wertschöpfungskette. Derzeit treffe eine starke Nachfrage nach KI-Hardware auf Angebotsengpässe entlang verschiedener Teile der Lieferkette. Umso wichtiger sei es, genau zu analysieren, welche Unternehmen langfristig von den strukturellen Wachstumstreibern profitieren und welche Endmärkte sie bedienen.
Neben den Chancen rücken jedoch auch die strukturellen Schwachstellen des Standorts stärker in den Fokus. „Mangels eigener natürlicher Ressourcen ist Taiwan nahezu vollständig auf importierte Energie angewiesen“, sagt Bourke. Nach der Abschaltung der letzten Kernkraftkapazitäten ist das Land heute in hohem Maße auf importiertes Öl, Erdgas und Kohle angewiesen.
Energieabhängigkeit als geopolitisches Risiko
Die jüngsten Spannungen im Nahen Osten haben diese Abhängigkeit erneut sichtbar gemacht. Der Konflikt mit Iran und die Beeinträchtigungen der Energieversorgung infolge der faktischen Schließung der Straße von Hormus haben die Verwundbarkeit des taiwanischen Energiesystems offengelegt. Die aktuelle Situation verdeutlicht die Herausforderungen, denen Taiwan im Falle einer Blockade der Taiwanstraße gegenüberstehen könnte.
Vor diesem Hintergrund könnte die aktuelle Krise nach Einschätzung Bourkes die Bemühungen beschleunigen, die Abhängigkeit von importierten fossilen Energieträgern zu verringern und den Ausbau heimischer erneuerbarer Energiequellen voranzutreiben.














