Die Verkaufswelle bei Chip- und Technologieaktien hält an. Am Donnerstag brach die SK Hynix Aktie in Asien erneut zweistellig ein. Binnen einer Woche schmolz bei US-Chipkonzernen laut Bloomberg-Daten zudem ein Börsenwert von über einer Billion US-Dollar ab. Und das, obwohl der Auftragsfertiger TSMC am selben Tag einen Rekordgewinn für das dritte Quartal 2026 meldete.
An der Wall Street fiel die Bilanz zum Handelsschluss freundlicher aus als im Tagesverlauf. Der Dow Jones legte um 1,1 Prozent auf 52.177 Punkte zu, der S&P 500 stieg um 0,3 Prozent auf 7.744 Punkte. Der technologieschwere Nasdaq Composite schloss mit 26.713 Punkten nahezu unverändert. Der Nasdaq 100 schloss den Tag dagegen leicht negativ bei 29.935 Punkten - zwischenzeitlich waren die Verluste deutlich höher ausgefallen.
Besonders hart traf es die Speicherchip-Hersteller in Asien. Die SK Hynix Aktie verlor am Donnerstag rund elf Prozent, Samsung Electronics rund 9,5 Prozent. Der südkoreanische Leitindex Kospi fiel um 7,57 Prozent auf 5.554 Punkte. Im Handelsverlauf lag das Minus zeitweise bei rund neun Prozent.
SK Hynix Aktie, Samsung, Nvidia: die Wochenverluste im Überblick
Auf Sicht von fünf Handelstagen bis zum 15. Oktober 2026 fällt das Ausmaß der Korrektur noch deutlicher aus. Die 20 wertvollsten KI- und Halbleiterwerte verloren in diesem Zeitraum zusammen einen Marktwert von über einer Billion US-Dollar. Neben den Speicherchip-Herstellern verloren außerdem CoreWeave, AMD und Nvidia, allerdings in geringerem Umfang.
| Unternehmen | Kursverlust (5 Handelstage bis 15.10.2026) |
|---|---|
| SK Hynix | −23,1 Prozent |
| Samsung Electronics | −17,3 Prozent |
| CoreWeave | −17,1 Prozent |
| AMD | −3,8 Prozent |
| Nvidia | −2,9 Prozent |
Was den Ausverkauf bei Chip- und KI-Aktien antreibt
Druck kam zunächst aus China. Der Speicherchip-Hersteller CXMT (ChangXin Memory Technologies) erzielte am 13. Oktober nach eigenen Angaben „wichtige Fortschritte“ bei einer neuen Zellarchitektur für Speicherchips. Bereits an diesem Tag sackte die SK Hynix Aktie um rund zehn Prozent ab, die Samsung-Aktie gab 7,4 Prozent nach.
Wie weit ist der chinesische Speicherchip-Vorstoß wirklich?
CXMT arbeitet nach eigenen Angaben an einem 4F²-Design mit einem Vertical-Surrounding-Gate-Transistor, das die Speicherdichte steigern soll. Ein erstes darauf basierendes Server-Speicherprodukt soll das Unternehmen noch bis Ende 2026 präsentieren. Bei Samsung startet die Serienfertigung von DRAM-Speicher mit 4F²-Struktur unterhalb von zehn Nanometern hingegen erst ab 2028. CXMT hätte damit rund zwei Jahre Vorsprung. Angaben zu Geschwindigkeit, Kapazität, Ausbeute oder Stückzahlen hat das Unternehmen bislang allerdings nicht veröffentlicht.
Höhere US-Inflation schürt Zinssorgen
Zusätzlich drücken makroökonomische Daten auf die Stimmung: Die Inflationsrate in den USA zog im September 2026 auf 3,7 Prozent an. Damit erhöhte sich die vom Markt eingepreiste Wahrscheinlichkeit, dass die US-Notenbank Fed bei ihrer Sitzung Ende Oktober 2026 die Zinsen erneut anhebt, von rund 22 auf nahezu 32 Prozent.
Barclays-Aktienstratege Emmanuel Makonga spricht von „a de-rating of the entire AI trade“, also einer Neubewertung des gesamten KI-Handels. Broadcom-Chef Hock Tan nennt das Vorgehen bestimmter KI-Investoren „practically gambling“.
TSMC meldet Rekordgewinn - die Aktie fällt trotzdem
Selbst starke Geschäftszahlen drehen den Trend derzeit nicht. Für das dritte Quartal 2026 wies TSMC nun einen Nettogewinn von 763,1 Milliarden Neue Taiwan-Dollar aus, umgerechnet rund 23,6 Milliarden Euro. Das entspricht einem Plus von 68,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal - bereits das sechste Rekordquartal in Folge.
Beim Umsatz legte der Konzern um 50,9 Prozent auf 1,5 Billionen Neue Taiwan-Dollar zu, umgerechnet knapp 46,4 Milliarden Euro. Im Durchschnitt hatten Analysten lediglich einen Nettogewinn von 739,5 Milliarden Neue Taiwan-Dollar prognostiziert. Auf den Bereich High Performance Computing entfielen im dritten Quartal 68 Prozent des Konzernumsatzes - zwölf Monate zuvor hatte dieser Anteil bei 57 Prozent gelegen. Trotz dieser Zahlen hatte die TSMC-Aktie bereits vor Veröffentlichung der Bilanz rund 2,2 Prozent eingebüßt und setzte ihre Abwärtsbewegung im Anschluss fort.
IWF stuft KI-Korrektur als Risiko für die Finanzstabilität ein
Im Rahmen der Jahrestagung mit der Weltbank in Bangkok legte der Internationale Währungsfonds (IWF) seinen „Global Financial Stability Report“ für Oktober 2026 vor. Eine mögliche, durch KI ausgelöste Korrektur an den Finanzmärkten führt der IWF darin als einen der wichtigsten Risiken für die weltweite Finanzstabilität an. Daneben verweist er auf steigende Renditen von Staatsanleihen und auf Cyberrisiken.
Nicht nur die SK Hynix Aktie: CoreWeave-Anleihen unter Druck
Aufschlussreich ist schließlich die Entwicklung bei CoreWeave. Die Aktie des KI-Cloud-Anbieters gab innerhalb einer Woche um rund 17,1 Prozent nach. Die Ausfallversicherungen (Credit Default Swaps) des Unternehmens kletterten auf über elf Prozentpunkte. Die 2032 fälligen Anleihen lagen zuletzt bei weniger als 78 Cent pro Dollar Nennwert - vier Monate zuvor hatte CoreWeave sie noch zum Nennwert ausgegeben.















