Bausparen zwischen Zinsrisiko, Förderung und Finanzierungsbaustein

Baufinanzierung
Foto: Adobe Stock/ zephyr_p
Ein Bausparvertrag ist nicht nur für Neubau oder Immobilienkauf gedacht.

Bausparen gilt vielen als überholt. Doch Zinsunsicherheit, hohe Mieten und Fördermöglichkeiten rücken das Modell wieder stärker in den Fokus. Entscheidend ist, wofür Kunden den Vertrag nutzen.

In Deutschland bestehen derzeit zwischen 22 und 27 Millionen Bausparverträge. Rechnerisch hat damit etwa jeder zweite Haushalt einen Vertrag. Lange galt Bausparen als klassischer Weg ins Eigenheim. Heute wird das Modell häufiger kritisch gesehen: zu starr, zu alt, zu wenig rentabel.

Tatsächlich hat sich der Blick auf Bausparen mit dem Zinsumfeld verändert. Steigende Mieten, hohe Eigenkapitalanforderungen und schwankende Bauzinsen erhöhen den Bedarf an planbarer Finanzierung. Bausparen ist dabei kein Renditeprodukt, sondern ein Instrument für spätere wohnwirtschaftliche Vorhaben.

„Gerade in der heutigen Zeit stehen Sicherheit und Planbarkeit wieder im Mittelpunkt jeder Finanzentscheidung. Bausparen hat sich dabei über viele Jahre hinweg bewährt. Trotz aller Krisen und Turbulenzen konnten Sparer ihren Traum vom eigenen Zuhause verwirklichen – Bausparen ist alles andere als altmodisch“, sagt Matthias Zott, Bausparexperte bei Schwäbisch Hall.


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Bausparen bietet mehr Spielraum als oft angenommen

Ein Bausparvertrag ist nicht nur für Neubau oder Immobilienkauf gedacht. Er kann auch für Modernisierung, Sanierung, Grundstückskauf, altersgerechte Umbauten, Anschlussfinanzierungen, die Ablösung bestehender Kredite oder den Erwerb eines dauerhaften Wohnrechts eingesetzt werden.

Auch während der Sparphase bestehen Gestaltungsmöglichkeiten. Bausparer können ihre Raten anpassen und Sonderzahlungen leisten. In der Darlehensphase sind Sondertilgungen jederzeit kostenfrei möglich. Wer das Darlehen nicht nutzt, kann sich das Guthaben auszahlen lassen; staatliche Förderungen können dann jedoch entfallen.

Für junge Menschen kann Bausparen ein Einstieg in den Eigenkapitalaufbau sein. Wer früh beginnt, hat mehr Zeit bis zu einem späteren Wohnvorhaben. Hinzu kommen mögliche Förderungen wie Wohnungsbauprämie, Arbeitnehmersparzulage, Wohn-Riester oder künftig die neue Eigenheimrenten-Förderung.

Förderungen und feste Darlehenszinsen im Blick behalten

Wer einen Bausparvertrag vor dem 25. Lebensjahr abschließt, kann das angesparte Guthaben einschließlich Wohnungsbauprämie später auch ohne wohnwirtschaftliche Bindung verwenden. Nach Angaben von Zott profitieren inzwischen nicht nur junge Menschen: Durch angehobene Einkommensgrenzen könnten heute rund 70 Prozent der Bevölkerung die Wohnungsbauprämie erhalten.

Bei der Bewertung von Bausparen greift ein alleiniger Blick auf die Guthabenzinsen zu kurz. Der zentrale Nutzen liegt im späteren Darlehen mit festem Zinssatz. Je nach Bausparkasse und Tarif liegen die Darlehenszinsen aktuell etwa zwischen 1,4 und 3,5 Prozent.

Ein Bausparvertrag ersetzt in der Regel keine vollständige Immobilienfinanzierung. Er kann aber Eigenkapital aufbauen, Finanzierungslücken schließen oder einzelne Bestandteile planbarer machen, etwa bei Modernisierung oder Anschlussfinanzierung. Zott betont zudem, dass nicht benötigte Verträge auch auf Angehörige, etwa eigene Kinder, übertragen werden können.

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