Steigende Energiepreise: EZB und Fed im Zielkonflikt

EZB und Fed im geopolitischen Sturm
Foto: ChatGPT
Iran-Konflikt belastet Konjunktur und erhöht Inflationsdruck. Fed und EZB stehen vor schwierigen geldpolitischen Entscheidungen.

Der Konflikt im Iran treibt die Energiepreise und belastet die Weltwirtschaft. Während kurzfristige Daten stabil wirken, wachsen die Risiken für das zweite Quartal. Für Fed und EZB wird der geldpolitische Kurs zur Gratwanderung.

Der Irankrieg treibt die Energiepreise in die Höhe und trübt die globalen Aussichten – keine einfache Situation für die Zentralbanken. Sie navigieren zwischen Inflationssorgen und dem Ausblick auf ein schwächeres Wachstum, analysiert David Kohl, Chief Economist bei Julius Bär:

Der Krieg im Iran und der damit verbundene Anstieg der Energiepreise belasten die globalen Konjunkturaussichten und stellen die Zentralbanken vor Herausforderungen. Die Zahlen zum Wirtschaftswachstum in den USA und der Eurozone für Q1 2026, die diese Woche veröffentlicht werden sollen, dürften von diesen Belastungen weitgehend unberührt bleiben. 


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Gleichzeitig steigt das Risiko einer deutlicheren Wachstumsverlangsamung im zweiten Quartal, insbesondere in Europa. Unternehmensumfragen deuten auf einen Rückgang der Auftragseingänge hin, insbesondere im Dienstleistungssektor, der bis vor kurzem noch eine tragende Säule des Wachstums war. Die USA scheinen als bedeutender Energieexporteur weniger stark betroffen zu sein. 

Vor dem Hintergrund steigender Wachstumsrisiken stehen die Sitzungen sowohl der Fed als auch der EZB vor erheblichen Herausforderungen. Der durch höhere Energiepreise ausgelöste Inflationsanstieg erfordert eine straffere Geldpolitik, während die absehbaren Wachstumsrisiken einen vorsichtigeren Ansatz oder eine geldpolitische Lockerung nahelegen. 

Zudem steht im Mai ein Führungswechsel bei der Fed an, wobei der Bestätigung von Kevin Warsh als neuem Fed-Vorsitzenden kaum etwas im Wege stehen sollte. Die Fed dürfte daher an ihrer abwartenden Haltung festhalten und die Geldpolitik unverändert lassen. 

Bei der EZB besteht eine größere Bereitschaft, auf die erhöhten Inflationsrisiken mit Zinserhöhungen zu reagieren, obwohl eine abwartende Haltung im Vorfeld der Sitzung diese Woche zunehmend Unterstützung findet. Eine schwache Binnennachfrage und ein Arbeitsmarkt, auf dem Lohnsteigerungen alles andere als selbstverständlich sind, begrenzen das Risiko, dass höhere Energiepreise weitergegeben werden. Die EZB wird daher diese Woche wahrscheinlich von einer Zinserhöhung absehen und betonen, dass sie alle Inflationsrisiken genau beobachtet.

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