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Bitcoin-Erfolg schafft neue Risiken für Anleger

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Große Bitcoin-Bestände erfordern klare Regeln für Verwahrung, Dokumentation, Kontrolle, Steuern und Nachfolge.

Bitcoin ist für viele Anleger von einer kleinen Beimischung zu einer zentralen Vermögensposition geworden. Doch Verwahrung, Dokumentation und Nachfolge sind oft nicht mitgewachsen. Welche Strukturen jetzt entscheidend werden.

Jahrelang drehte sich bei Bitcoin fast alles um den Kurs. Wie hoch kann er steigen? Wann kommt der nächste Rücksetzer? Ist jetzt der richtige Einstiegszeitpunkt oder erst später? Diese Fragen stehen heute längst nicht mehr allein im Mittelpunkt. Denn mit der zunehmenden Reife des Marktes hat sich auch das Risiko verändert.

Institutionelle Investoren sind angekommen. Bitcoin-ETFs haben den Zugang erheblich vereinfacht. Europa verfügt mit MiCAR erstmals über einen einheitlichen regulatorischen Rahmen für Krypto-Dienstleistungen. Die Marktinfrastruktur ist professioneller geworden, und digitale Vermögenswerte sind heute für viele Anleger ein fester Bestandteil ihrer Vermögensallokation.

Natürlich bleibt Bitcoin eine volatile Anlageklasse. Doch in Gesprächen mit Unternehmern, Family Offices, Vermögensverwaltern und Steuerberatern zeigt sich heute eine andere Realität. Die größte Herausforderung ist häufig nicht mehr der Markt selbst. Sie beginnt dort, wo Erfolg neue Anforderungen schafft.


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Wenn aus der Beimischung eine Hauptposition wird

Viele Anleger haben vor Jahren mit einer überschaubaren Bitcoin-Position begonnen. Was damals als Experiment oder Beimischung gedacht war, ist durch die Wertentwicklung heute nicht selten zu einer der größten Vermögenspositionen geworden. Die Investmententscheidung war erfolgreich. Die Organisation dahinter ist häufig nicht im gleichen Tempo mitgewachsen. Genau an diesem Punkt beginnt die eigentliche Herausforderung.

Im Jahresgespräch sagt ein Unternehmer beispielsweise zu seinem Vermögensverwalter: „Bitcoin ist inzwischen eine meiner größten Vermögenspositionen. Können wir sie künftig professionell in meine Vermögensstrategie integrieren?“

Was zunächst nach einer einfachen Portfolioanpassung klingt, entwickelt sich oft zu einer aufwendigen Bestandsaufnahme. Ein Teil der Bestände liegt auf einer Handelsplattform, ein weiterer auf einer Hardware-Wallet und ein dritter bei einem spezialisierten Verwahrer. Kaufdaten stammen aus unterschiedlichen Jahren und Plattformen, Wallet-Adressen wurden mehrfach gewechselt, und nicht jede Transaktion ist vollständig dokumentiert. Teilweise ist unklar, wer technischen Zugriff hat, wer Transaktionen freigeben darf oder welche Vollmachten überhaupt bestehen.

Solange alles seinen gewohnten Gang geht, ist das vor allem eine Frage der Ordnung. Zum Risiko wird es aber dann, wenn ein Zugang verloren geht, wenn die Steuerbehörde die Herkunft einzelner Bestände dokumentiert sehen will oder wenn im Erbfall Angehörige vor einer Vermögensposition stehen, deren Verwahrung außer dem Erblasser niemand kannte. Bei einer kleinen Beimischung war das verschmerzbar. Bei einer der größten Vermögenspositionen ist es das nicht mehr.

Nicht Bitcoin ist in diesem Moment das Problem, sondern die Vermögensstruktur: Sie bleibt häufig auf dem Stand von damals, als Bitcoin noch ein Hobby-Investment war. Mit wachsendem Vermögen verändern sich deshalb auch die Fragen. Es geht nicht mehr in erster Linie darum, was man kauft. Es geht darum, wie Vermögen langfristig geschützt, dokumentiert und professionell organisiert wird.

Erst Transparenz, dann das Verwahrungsmodell

Der erste Schritt besteht deshalb nicht darin, einen Verwahrer auszuwählen. Der erste Schritt besteht darin, Transparenz zu schaffen. Welche digitalen Vermögenswerte sind überhaupt vorhanden? Wo werden sie verwahrt? Wer hat technischen Zugriff? Wer darf rechtlich darüber verfügen? Sind diese Rollen sauber dokumentiert?

Technischer Zugriff, Eigentum und rechtliche Verfügungsbefugnis sind unterschiedliche Dinge. Wer professionelle Strukturen schaffen will, muss sie klar voneinander trennen.

Erst dann stellt sich die Frage nach dem passenden Verwahrungsmodell. Eine allgemeingültige Antwort gibt es nicht. Selbstverwahrung bietet maximale Unabhängigkeit, verlangt aber auch maximale Eigenverantwortung. Banken integrieren digitale Vermögenswerte zunehmend in bestehende Kundenbeziehungen. Spezialisierte Krypto-Verwahrer konzentrieren sich auf sichere Verwahrung und operative Prozesse. Welche Lösung sinnvoll ist, hängt von der Größe des Vermögens, dem Anlagehorizont und den individuellen Anforderungen des Kunden ab.

Vertrauen ergänzen, nicht ersetzen

Entscheidend ist aus meiner Sicht jedoch eine andere Entwicklung: Jahrzehntelang beruhte Vermögensverwaltung fast ausschließlich auf Vertrauen. Die Blockchain ermöglicht erstmals, Vertrauen um einen weiteren Baustein zu ergänzen: Verifizierbarkeit.

Werden digitale Vermögenswerte auf einer kundenspezifischen Blockchain-Adresse verwahrt, kann der dort sichtbare Bestand jederzeit unabhängig überprüft werden. Unterstützt das jeweilige Netzwerk kryptografische Signaturen, kann der Verwahrer zusätzlich nachweisen, dass er die zugehörigen privaten Schlüssel kontrolliert, ohne sie offenzulegen. Bei Bitcoin Suisse nennen wir dieses Prinzip Proof Wallet.

Wichtig ist dabei die richtige Einordnung. Ein solcher Nachweis ersetzt weder Verträge noch regulatorische Anforderungen noch interne Kontrollen. Er bestätigt weder das rechtliche Eigentum noch die Solvenz eines Verwahrers. Er schafft jedoch etwas, das in der professionellen Vermögensverwaltung zunehmend an Bedeutung gewinnt: die Möglichkeit, Verwahrung unabhängig zu überprüfen, anstatt sich ausschließlich auf Aussagen oder Kontoauszüge verlassen zu müssen.

MiCAR setzt den Rahmen

Mit MiCAR gelten erstmals europaweit einheitliche Mindeststandards für Krypto-Verwahrdienstleister. Das erhöht Transparenz und Vergleichbarkeit. Dennoch ersetzt Regulierung nicht die Prüfung des konkreten Betriebsmodells. Unterschiede bestehen weiterhin bei Governance, Verwahrungsstrukturen, Reporting und operativen Prozessen.

Die eigentliche Frage lautet deshalb heute nicht mehr, ob digitale Vermögenswerte ihren Platz in einer professionellen Vermögensverwaltung haben. Diese Frage beantwortet der Markt längst. Die entscheidende Frage lautet vielmehr, wie diese Vermögenswerte langfristig organisiert, geschützt und kontrolliert werden.

Ich bin überzeugt, dass wir damit am Beginn der nächsten Entwicklungsstufe digitaler Vermögenswerte stehen. Die erste Generation der Bitcoin-Investoren fragte vor allem: Wie hoch steigt der Kurs? Die nächste Generation stellt eine andere Frage: Wie schütze ich mein Vermögen über Jahrzehnte?

Denn Performance schafft Vermögen. Professionelle Strukturen schützen es langfristig.

Autor Roman Przibylla ist CEO der Bitcoin Suisse (Europe) AG.

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