Die jüngste Bitcoin-Rally wird weniger von krypto-spezifischen Faktoren als von der veränderten makroökonomischen Lage getrieben. Schwächere US-Daten, sinkende Zinserwartungen und wachsende Zweifel an der fiskalischen Tragfähigkeit der USA schaffen ein Umfeld, in dem Bitcoin von Liquiditätshoffnungen und einem schwächeren Dollar profitieren kann. Der nächste wichtige Impuls dürfte von Jackson Hole kommen, wo neue geldpolitische Signale einen Ausbruch über die Marke von 80.000 US-Dollar begünstigen könnten.
Die jüngste Bitcoin-Rally ist in erster Linie eine makroökonomische Geschichte, keine reine Krypto-Story. Zwar zeigten die FOMC-Protokolle eine restriktivere interne Debatte, als es die finale geldpolitische Entscheidung vermuten ließ. Doch die seither veröffentlichten Daten haben das Argument für weitere Straffungen zunehmend geschwächt. Eine niedriger als erwartete Inflationszahl und schwächere Arbeitsmarktdaten haben die Erwartung erneuert, dass die US-Geldpolitik in Richtung eines weniger restriktiven Kurses steuert. Bitcoin, der weiterhin sehr sensibel auf Veränderungen bei Liquiditätserwartungen und Realrenditen reagiert, hat entsprechend darauf reagiert.
US-Staatsanleihen und Dollar setzen den Rahmen
Der Treasury-Markt erzählt dieselbe Geschichte, allerdings mit einer wichtigen Besonderheit. Die Renditen am kurzen Ende sind gefallen, ein klares Signal dafür, dass Anleiheinvestoren keine weiteren Zinserhöhungen der US-Notenbank mehr erwarten. Am langen Ende sind die Renditen dagegen gestiegen, wobei insbesondere die 30-jährigen US-Staatsanleihen die wachsenden Sorgen über die fiskalische Lage der USA widerspiegeln. Diese Kombination aus nachlassenden geldpolitischen Straffungserwartungen und zunehmenden Zweifeln an der Tragfähigkeit der Staatsverschuldung war historisch betrachtet ein konstruktives Umfeld für Bitcoin. Jede Intervention des US-Finanzministeriums am langen Ende dürfte von den Märkten daher als dovishes Signal gelesen werden und entsprechend unterstützend wirken. Die Bitcoin-Preisentwicklung der vergangenen 24 Stunden spiegelt genau das wider.
Darüber hinaus halten wir Bessents ausgeweitete Rückkäufe eher für problematisch als für unterstützend. Sie können den Druck am langen Ende vorübergehend mildern, lösen aber das zugrunde liegende fiskalische Problem nicht. Die Käufe müssen weiterhin über neue Emissionen finanziert werden, höchstwahrscheinlich weiter vorne auf der Zinskurve. Das beschleunigt die Verlagerung hin zu kürzer laufender Verschuldung, senkt die durchschnittliche Laufzeit der Staatsschulden und macht die fiskalische Lage deutlich empfindlicher gegenüber der Geldpolitik der Fed, da höhere kurzfristige Zinsen viel schneller auf die Zinskosten durchschlagen. Hinzu kommt ein politischer Widerspruch: Höhere langfristige Renditen haben einen Teil der Straffungsarbeit der Fed übernommen. Wenn das Finanzministerium diese Renditen aktiv drückt, lockern sich die Finanzierungsbedingungen, und die Fed könnte gezwungen sein, die Zinsen länger hoch zu halten oder sogar erneut anzuheben. Angesichts des kürzeren Laufzeitenprofils würde das wiederum die Refinanzierungskosten des Finanzministeriums schneller erhöhen.
Der Dollar verstärkt diese Rückkopplung zusätzlich. Die Märkte haben die Intervention bereits als Renditedeckelung interpretiert, was den Dollar schwächt, da die relative Attraktivität von US-Anleihen sinkt. Das verteuert Importe, erhöht den Inflationsdruck und erschwert der Fed eine Lockerung der Geldpolitik. Aus unserer Sicht ist dies keine nachhaltige Lösung für hohe Finanzierungskosten. Vielmehr besteht das Risiko, dass Druck am langen Ende gegen eine schwächere Währung, höhere importierte Inflation und eine stärkere Abhängigkeit von kurzfristigen Zinsen eingetauscht wird, während das grundlegende Problem der fiskalischen Glaubwürdigkeit, das die Renditen überhaupt erst nach oben getrieben hat, ungelöst bleibt.
Bitcoin-Positionierung und Kapitalflüsse verbessern sich
Unter der Oberfläche hat sich zugleich die Bitcoin-Positionierung verbessert. Große Investoren haben aufgehört zu verkaufen und beginnen wieder zu akkumulieren, wenn auch noch nicht in einem Ausmaß, das einen unmittelbaren und nachhaltigen Ausbruch erwarten ließe. Ein solcher erscheint auch in den nächsten zwölf Monaten eher unwahrscheinlich. Diese Verschiebung hat die Preise gestützt und dazu beigetragen, dass Bitcoin überzeugend über seinen gleitenden 200-Tage-Durchschnitt gestiegen ist, ein Niveau, das historisch häufig mit stärkeren Rallys verbunden war, sobald es überwunden wurde. Dennoch erwarten wir vorerst einen weiterhin seitwärts gerichteten Markt, wobei der Bereich um 80.000 US-Dollar eine wichtige obere Begrenzung darstellt. Ein klarerer Ausbruch dürfte erst dann wahrscheinlich werden, wenn die Fed deutlicher signalisiert, dass sich die geldpolitischen Risiken entschieden von weiteren Straffungen wegbewegt haben.
Die Mittelzuflüsse deuten darauf hin, dass die institutionelle Nachfrage parallel zum verbesserten makroökonomischen Umfeld zurückkehrt. Digitale Anlageprodukte auf Kryptoassets, also ETPs, haben in dieser Woche bislang 1,3 Milliarden US-Dollar an Zuflüssen verzeichnet. Davon entfielen rund 715 Millionen US-Dollar auf den Mittwoch, der stärkste Tageswert seit dem 1. Mai und einer der stärksten Tage des Jahres. Auf Bitcoin fokussierte Produkte machten etwa 1 Milliarde US-Dollar der wöchentlichen Zuflüsse aus, wodurch die Zuflüsse seit Jahresbeginn nach einer längeren Schwächephase wieder in den positiven Bereich zurückgekehrt sind.
Autor James Butterfill ist Head of Research bei Coinshares.















