Deutschlands Inflation sinkt - doch die Entwarnung könnte verfrüht sein

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Sinkende Inflation
Bild: KI-generiert
Deutschlands Inflation sinkt im Oktober auf 2,8 Prozent. Tankrabatt und Kerninflation bleiben für EZB und Anleger entscheidend.

Die deutsche Inflationsrate ist im Oktober gesunken. Doch der Tankrabatt dämpft die Statistik vorübergehend. Für die weitere Zinsentwicklung kommt es deshalb auf andere Preistreiber an.

Die Inflation in Deutschland sank im Oktober auf 2,8 Prozent im Jahresvergleich. Im Monatsvergleich gingen die Preise um 0,2 Prozent zurück. 

Das erweckt den Eindruck, dass eine Rückkehr zum EZB-Zielwert von 2 Prozent schneller erfolgen könnte als bislang gedacht. Allerdings beeinflusst der Tankrabatt beziehungsweise die Senkung der Energiesteuer auf Benzin und Diesel die Daten. Dadurch werden Kraftstoffpreise und Gesamtinflation vorübergehend gedämpft. 

Von einer nachhaltigen Rückkehr zum EZB-Ziel sollte man deshalb nicht automatisch ausgehen. Entscheidend bleiben die Kerninflation und die Entwicklung der Dienstleistungspreise. 

Die EZB legte am Donnerstag eine Zinspause ein. Der Markt preist jedoch eine mögliche Zinserhöhung im Dezember ein. Sollte die Inflation wieder stärker steigen, könnten die Zinserwartungen nach oben korrigiert werden. Anleger müssten dann auch die Rezessionsrisiken stärker einpreisen. 

Für Unternehmen ist Inflation vor allem dann verkraftbar, wenn sie höhere Energie-, Rohstoff- und Lohnkosten an ihre Kunden weitergeben können. Wichtiger als die absolute Inflationsrate ist dabei ihre Stabilität. Eine konstante Inflation von 3 Prozent lässt sich leichter kalkulieren als eine Rate, die unvorhersehbar zwischen 2 und 6 Prozent schwankt. 

Für die Bürger bleibt Inflation der direkteste Wohlstandsverlust. Wie stark sie belastet, hängt entscheidend von der Lohnentwicklung ab. In einem Umfeld hoher Inflation dürften Qualitätsaktien und breit diversifizierte ETFs vergleichsweise robust bleiben. Vorsicht ist dagegen bei hochverschuldeten Unternehmen geboten. 

Der größte Gegner ist jedoch nicht die Kursschwankung an der Börse, sondern der schleichende Kaufkraftverlust des Bargelds. 

Autor Maximilian Wienke ist Marktanalyst bei eToro.

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