„Deutschlands Milliardärsklasse ist die größte in Europa“ – Vermögen wächst auf fast 760 Milliarden Euro

Foto: ChatGPT
Analyse zu 173 Milliardären in Deutschland, ihrem Vermögen, ihrer Dichte und den prägenden Branchen.

In Deutschland wächst das Vermögen der Superreichen weiter. Eine Auswertung der Forbes-Daten zeigt, wie stark sich Milliardenvermögen hierzulande bündeln, wer an der Spitze steht und welche Branchen den Reichtum prägen, schreibt Martin Cohen, Datenanalyst bei NewsworthyData

Mit dem weltweiten Wachstum der Vermögen profitieren auch deutsche Milliardäre von dieser Entwicklung: Sie werden im Zuge des globalen Booms bei Kapital und Vermögenswerten immer reicher und einflussreicher. Um die ultrareiche Bevölkerungsschicht in Deutschland genauer zu beleuchten, teile ich einen aktuellen Bericht, der die Zahl der Milliardäre sowie die Größe ihrer Vermögen in Deutschland und weltweit untersucht.

In diesem Jahr sind laut der Forbes-Liste der Milliardäre 2026 weltweit rund 400 weitere Personen zu Milliardären geworden, während ihre Gesamtvermögen auf einen Rekordwert von 20 Billionen US-Dollar (über 17 Billionen Euro) gestiegen sind. Um herauszufinden, woher diese Personen stammen, hat das Team von PlayersTime die „Real-Time Billionaires List“ der Veröffentlichung analysiert und den Geburtsort von über 3.000 Milliardären nachverfolgt. Für 1.647 Männer und Frauen konnten entsprechende Daten ermittelt werden; der vollständige Datensatz ist über Google Drive unter dem angegebenen Link verfügbar.


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Die Untersuchung zeigt, dass Deutschland im Jahr 2026 insgesamt 173 Milliardäre zählt, deren gemeinsames Vermögen sich auf 875,6 Milliarden US-Dollar bzw. rund 759,48 Milliarden Euro beläuft. Gemessen an der Bevölkerungsgröße weist Deutschland damit eine vergleichsweise hohe Konzentration extremen Reichtums auf: Im Schnitt kommen 2,1 Milliardäre auf eine Million Einwohner, während der weltweite Durchschnitt bei 0,4 liegt.

Die reichsten Personen in Deutschland (Vermögen Stand März 2026):

  • Reinhold Würth (Würth-Gruppe)
  • Dieter Schwarz (Schwarz-Gruppe)
  • Klaus-Michael Kühne (Kuehne + Nagel)
  • Andreas von Bechtolsheim (Sun Microsystems, Arista Networks)
  • Susanne Klatten (Altana, BMW)
  • Stefan Quandt (Altana, BMW)
  • Ludwig Merckle (Merckle Service GmbH)
  • Beate Heister (Aldi)
  • Karl Albrecht Jr. (Aldi)
  • Theo Albrecht Jr. (Aldi, Trader Joe’s)

Screenshot

Weitere zentrale Erkenntnisse des Berichts:

  • Im Jahr 2026 leben in Deutschland 173 Milliardäre mit einem Gesamtvermögen von 875,6 Milliarden US-Dollar (rund 759,48 Milliarden Euro). Das entspricht etwa 16,4 % der gesamten Wirtschaftsleistung des Landes, die laut IWF-Prognosen für 2026 bei 5,3 Billionen US-Dollar (über 4,6 Billionen Euro) liegt. Ähnlich wie in anderen großen Volkswirtschaften (26 % in den USA, 23 % in Russland und 22 % in Indien) ist dieser Anteil vergleichsweise hoch – ein Hinweis darauf, dass Milliardäre und ihre Unternehmensimperien erheblichen Einfluss auf die Volkswirtschaft haben.
  • Auch pro Kopf zeigt sich eine hohe Vermögenskonzentration: Mit durchschnittlich 2,1 Milliardären pro eine Million Einwohner liegt Deutschland deutlich über dem globalen Durchschnitt von 0,4. Die höchste Milliardärsdichte weltweit weisen Hongkong (9,35 pro Million), Singapur (9,14) und Zypern (7,23) auf.
  • Während Elon Musk weiterhin der reichste Mensch der Welt ist, führt in Deutschland der 90-jährige Reinhold Würth die Liste an. Er ist Eigentümer der Würth-Gruppe und begann bereits mit 14 Jahren, im Schraubengroßhandel seines Vaters in Künzelsau zu arbeiten. Mit 21 übernahm er die Geschäftsführung und baute das Unternehmen zu einem der größten in Deutschland aus. Heute ist die weltweit tätige Würth-Gruppe mit rund 400 Gesellschaften die Hauptquelle seines Vermögens, das auf etwa 45,2 Milliarden US-Dollar bzw. 39,2 Milliarden Euro geschätzt wird.
  • Auf Platz zwei folgt Dieter Schwarz (42,4 Mrd. USD / 36,8 Mrd. EUR), der sein Vermögen mit der Schwarz-Gruppe aufgebaut hat – dem Handelskonzern hinter Lidl und Kaufland, der das Discountmodell zu einem der erfolgreichsten Geschäftsmodelle Europas gemacht hat. Drittplatzierter ist Klaus-Michael Kühne (41,5 Mrd. USD / 36 Mrd. EUR), der mit dem Logistikriesen Kuehne + Nagel zu den zentralen Akteuren des globalen Handels zählt.
  • Die Geschwister Susanne Klatten (28,1 Mrd. USD / 24,4 Mrd. EUR) und Stefan Quandt (26,8 Mrd. USD / 23,3 Mrd. EUR) beziehen einen Großteil ihres Vermögens aus Beteiligungen an Altana und BMW und spielen damit eine Schlüsselrolle in der deutschen Chemie- und Automobilindustrie. Andreas von Bechtolsheim (28,8 Mrd. USD / 25 Mrd. EUR) stellt hingegen eine eher technologiegetriebene Ausnahme dar: Er ist Mitgründer von Sun Microsystems und später von Arista Networks.
  • Weltweit gibt es 3.177 Milliardäre mit einem Gesamtvermögen von 20 Billionen US-Dollar (über 17 Billionen Euro), wobei sich der Reichtum stark auf wenige große Volkswirtschaften konzentriert – allen voran die USA (934 Milliardäre mit 8,22 Billionen USD) und China (519 Milliardäre mit 2,1 Billionen USD). In Europa führt Deutschland mit 173 Milliardären, gefolgt von Russland (140), Italien (80) und dem Vereinigten Königreich (54).

„Deutschlands Milliardärsklasse ist die größte in Europa, mit 173 Personen, die rund 760 Milliarden Euro kontrollieren. Auffällig ist jedoch, wie stark ihre Vermögen weiterhin industriell geprägt sind. Anders als in den USA, wo Vermögen häufig aus dem Technologiesektor stammen, basiert ein Großteil des deutschen Milliardärskapitals auf Industrie, Handel und Ingenieurswesen – Sektoren, die das exportorientierte Wirtschaftsmodell des Landes seit Jahrzehnten tragen.

Im Gegensatz zu den USA verlief das Wachstum der Milliardärsvermögen in Deutschland moderater, was auf ein System hindeutet, das stärker auf langfristige Wertschöpfung als auf schnelle Bewertungsanstiege ausgerichtet ist. Gleichzeitig deutet die vergleichsweise geringe Zahl technologiegetriebener Großvermögen darauf hin, dass die nächste Vermögenswelle davon abhängen könnte, wie erfolgreich Deutschland seine industrielle Stärke in eine stärker digitalisierte und innovationsgetriebene globale Wirtschaft überführt“, kommentiert Aleksandra Dimitrova, Datenanalystin und Autorin bei PlayersTime.

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