Persönliche Finanzberatung verschafft Klarheit. Und sie bewegt Menschen dazu, früher und regelmäßiger für das Alter vorzusorgen. Das sind die zentralen Ergebnisse einer Sonderbefragung des Deutschen Instituts für Vermögensbildung und Alterssicherung (DIVA) unter 2.000 Bürgerinnen und Bürgern zum Thema „Value of Advice“.
Rund 61 Prozent der Befragten, die eine Beratung erhalten haben, beginnen demnach bereits vor dem 35. Lebensjahr mit ihrer privaten Altersvorsorge. Bei denjenigen ohne Beratung sind es nur rund 41 Prozent. Ähnlich deutlich fällt der Unterschied beim Sparverhalten aus: Rund 73 Prozent der Beratenen legen monatlich oder mehrmals im Jahr Geld für Altersvorsorge und Vermögensbildung zurück, bei den nicht Beratenen sind es rund 55 Prozent.

Die Befragung liefert damit einen empirischen Kontrapunkt zur aktuellen Regulierungsdebatte rund um „Value for Money“, die Beratung vorrangig durch die Brille ihrer Kosten betrachtet. Das DIVA hat mit der Umfrage, die in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut Insa-Consulere im Juni 2026 durchgeführt wurde, den Versuch unternommen, den Wert von Beratung auf der Nachfrageseite sichtbar zu machen.
Ohne Beratung bleibt vieles ungetan
Besonders aufschlussreich sind die Antworten auf die Frage, wie die Befragten ihre Situation heute einschätzen würden, hätten sie keine Beratung erhalten. 50,4 Prozent derjenigen, die beraten wurden, geben an, dass sie ihre Verträge ohne Beratung vermutlich nie abgeschlossen hätten. Als Gründe nennen 48,8 Prozent, dass ihnen die Beratung Ängste und Unsicherheit genommen habe. 47,1 Prozent sagen, sie wären ohne Beratung mit den Fragen und Formularen beim Vertragsabschluss überfordert gewesen.

„Eindeutiger kann die ökonomische Werthaltigkeit der Finanzberatung nicht zum Ausdruck kommen. Vereinfacht gesagt: Wer nicht beraten wird, handelt häufig gar nicht. Und das ist wohl das schlechteste aller Szenarien“, sagt Prof. Dr. Oliver Schellenberger, wissenschaftlicher Direktor des DIVA.
Die Ergebnisse zeigen darüber hinaus, dass Beratung auch die finanzielle Allgemeinbildung stärkt. 58 Prozent der Beratenen trauen sich zu, gute finanzielle Entscheidungen für die Zukunft zu treffen, bei den nicht Beratenen sind es nur 46,6 Prozent. Rund 63 Prozent der Beratenen wissen, welche Formen der privaten Altersvorsorge für sie relevant sind – gegenüber rund 45 Prozent bei denjenigen ohne Beratung.
Altersvorsorgereformgesetz setzt auf Eigeninitiative
Vor diesem Hintergrund äußern Vertreter der DIVA-Trägerverbände Zweifel an den Prämissen des zum 1. Januar 2027 in Kraft tretenden Altersvorsorgereformgesetzes. „Das Gesetz ist wie mit einem roten Faden mit der Value-for-Money-Ideologie durchzogen. Finanzprodukte sollen einfach und kostengünstig sein, damit die Menschen sie selbst abschließen können. Das setzt aber Eigeninitiative voraus. Und genau diese ist bei einem Großteil der Bevölkerung nicht vorhanden. Ohne den Anstoß eines Beraters geht das Gesetz so ins Leere“, sagt Dr. Helge Lach, Vorsitzender des Bundesverbands Deutscher Vermögensberater (BDV).
Norman Wirth vom Bundesverband Finanzdienstleistung AfW ergänzt: „Das Gesetz ist klar beratungsunfreundlich. Mit dem Zillmerverbot für die Lebensversicherung sind die bisherigen Vergütungen für Beratung in gleicher Höhe kaum noch darstellbar, und dies, obwohl der Beratungsaufwand wegen ganz neuer Produktkategorien wie dem Altersvorsorgedepot eher noch steigt.“
Früher Start entscheidender Vorteil
Martin Klein vom Votum Verband betont den strukturellen Wert früher Beratung: „Der entscheidende Punkt ist der frühere Start. Wer beraten wird, setzt sich früher mit der eigenen Altersvorsorge auseinander, verbessert seine Finanzbildung – und findet so leichter in eine regelmäßige Sparroutine. Genau darin liegt der praktische Wert qualifizierter Beratung: Sie erklärt Zusammenhänge, übersetzt langfristige Ziele in konkrete Spargewohnheiten und leistet damit einen wesentlichen Beitrag zu einer auskömmlichen persönlichen Altersvorsorge.“
Die DIVA-Sonderbefragung basiert auf einer repräsentativen Bürgerbefragung in Deutschland mit 2.000 Teilnehmenden, die im Auftrag der DIVA-Trägerverbände BDV, VOTUM und AfW durchgeführt wurde. Alle Ergebnisse sind auf der Website des DIVA abrufbar.




