EU-Parlament fordert Mindeststandards für Finfluencer

Frank Rottenbacher
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Frank Rottenbacher, AfW: „Es ist Zeit, dass die EU hier handeln will."

Das Europäische Parlament hat sich mit großer Mehrheit für verbindliche Mindeststandards bei Finanzinhalten in sozialen Medien ausgesprochen. Die Entschließung richtet sich direkt an Finfluencer – und könnte das regulatorische Ungleichgewicht gegenüber lizenzierten Vermittlern endlich verringern.

Das Europäische Parlament hat unlängst eine Entschließung zur Finanzkompetenz und zur Rolle von Finfluencern im Rahmen der Spar- und Investitionsunion verabschiedet. Darin spricht sich das Parlament mit deutlicher Mehrheit für konkrete Mindeststandards bei Finanzinhalten in sozialen Medien aus. Der AfW Bundesverband Finanzdienstleistung sieht darin „einen wichtigen Schritt hin zu mehr Verbraucherschutz und fairen Wettbewerbsbedingungen“.


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Im Mittelpunkt steht die wachsende Bedeutung von Plattformen wie Instagram, TikTok oder YouTube für Anlageentscheidungen – insbesondere bei jüngeren Zielgruppen. Bislang agieren Finfluencer in einem regulatorischen Graubereich: Während lizenzierte Finanzberater und -vermittler umfassenden europäischen Vorgaben unterliegen, fehlen für Influencer mit Finanzthemen vergleichbare Anforderungen. Die Entschließung will dieses Ungleichgewicht adressieren und gibt der Europäischen Kommission eine klare politische Richtung vor – auch wenn sie rechtlich nicht bindend ist.

Konkret sollen Finfluencer künftig verpflichtet werden, wirtschaftliche Interessen offenzulegen und Werbung eindeutig zu kennzeichnen. Kooperationen mit Finanzunternehmen sowie eigene Beteiligungen müssen transparent gemacht werden, damit Nutzer erkennen können, ob es sich um unabhängige Einschätzungen oder vertriebsgetriebene Inhalte handelt.

Risiken gleichwertig darstellen wie Chancen

Neben Transparenzpflichten fordert das Parlament auch höhere inhaltliche Qualitätsstandards. Risiken sollen künftig ebenso klar kommuniziert werden wie Ertragschancen. Irreführende Aussagen, überzogene Renditeversprechen und die Bewerbung ungeeigneter Produkte für breite Zielgruppen sollen unterbunden werden. Zudem sollen Anbieter über ausreichende Fachkenntnisse verfügen und ihre Inhalte sorgfältig prüfen.

Ein weiterer Kernpunkt betrifft die Abgrenzung zur regulierten Anlageberatung: Sobald konkrete Empfehlungen ausgesprochen werden, sollen bestehende europäische Vorgaben greifen. Ergänzend spricht sich das Parlament für einen europaweiten Verhaltenskodex und mögliche Gütesiegel für regelkonforme Anbieter aus.

Frank Rottenbacher, Vorstand des AfW Bundesverband Finanzdienstleistung, begrüßt die Initiative: „Es ist Zeit, dass die EU hier handeln will. Wer Finanzprodukte bewirbt oder Anlageentscheidungen beeinflusst, muss sich an klare Spielregeln halten. Anforderungen an Transparenz, Sachkunde und Verantwortung müssen für alle gelten und dürfen kein Wettbewerbsnachteil für regulierte Vermittler sein.“

Retail Investment Strategy als nächster Schritt

Teile dieser Debatte fließen bereits in die laufenden Verhandlungen zur Retail Investment Strategy ein. Dort wird unter anderem über verpflichtende schriftliche Vereinbarungen zwischen Finanzunternehmen und Finfluencern diskutiert, ebenso wie über klare Kennzeichnungspflichten für Marketinginhalte, die Offenlegung von Vergütungen sowie eine stärkere Verantwortung der Vermittler für die zielmarktkonforme Nutzung von Werbematerialien.

Der AfW kündigt an, sich weiterhin dafür einzusetzen, dass die Perspektive unabhängiger Vermittlerinnen und Vermittler in die konkrete Ausgestaltung der Regelungen einfließt.

DAS SAGT DIE REDAKTION

Stefan Löwer
Stefan Löwer Ressortleiter Sachwertanlagen & Immobilien, Ressortleiter Finanzberater

Mal sehen, ob es der EU gelingt, eine praktikable Legaldefinition von "Finfluencer" zu finden. Bisher ist diese Bezeichnung ziemlich diffus. Vorschriften für "Anlagestrategieempfehlungen" zu einzelnen Finanzinstrumenten wie "kaufen", "halten" oder "verkaufen" und deren Verfasser gibt es übrigens schon.

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