Überraschung: Deutschland führt in Europa bei Stimmung am Bau – Sprung für Wohnungen

Foto: Cash./KI-generiertes Bild
Symbolbild (mit KI generiert).

Die Stimmung im globalen Bausektor hält sich stabil – doch steigende Materialkosten, verschlechterte Kreditbedingungen und geopolitische Verwerfungen hinterlassen ihre Spuren. Deutschland schneidet überraschend gut ab und zieht vor allem im Wohnungsbau deutlich an, zeigt der neue RICS-Monitor.

Der Construction Sentiment Index (CSI) des RICS Global Construction Monitor ist im ersten Quartal 2026 leicht auf plus 8 gestiegen, nach plus 7 im Vorquartal. Die Gesamtstimmung bleibt damit knapp positiv – doch dahinter verbergen sich auch deutliche regionale Verschiebungen und wachsende Belastungen auf der Kosten- und Finanzierungsseite. Der vom internationalen Verband für Immobilienfachleute RICS ermittelte Index erfasst auf Basis einer globalen Befragung die Einschätzungen zur aktuelle Lage und den Erwartungen in der Bauwirtschaft.

Besonders auffällig ist demnach der Einbruch in der Region Naher Osten und Afrika (MEA): Der CSI fiel dort von plus 29 auf plus 8, nach mehreren Quartalen mit konstant starken Werten ein markanter Rückgang. Auch die Region Amerika schwächte sich leicht von plus 25 auf plus 21 ab, während Europa von plus 14 auf plus 7 nachgab. Als einzige Region verbesserte sich Asien-Pazifik (APAC) – von minus 14 auf 0 –, was vor allem auf weniger negative Rückmeldungen aus China zurückzuführen ist.


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Auf Länderebene bleibt Indien mit einem CSI-Wert von plus 42 der stärkste Markt, getragen von breitem Wachstum im Wohnungsbau und in der Infrastruktur. Die Niederlande (plus 31), Singapur (plus 30) und die USA (plus 25) folgen mit soliden Expansionswerten. Am anderen Ende der Skala verzeichnen Katar (minus 43), Mauritius (minus 29), Hongkong (minus 28) und Frankreich (minus 27) deutliche Verschlechterungen.

Deutschland führt Europa an – mit Abstrichen

In Europa führt Deutschland die untersuchten Märkte an, allerdings sank der CSI-Wert von plus 34 auf plus 27. Auch die Niederlande schwächten sich von plus 25 auf plus 19 ab, Irland fiel von plus 18 auf plus 9. Besonders markant war der Einbruch in Italien, wo der CSI von plus 18 auf minus 15 absackte – mit Schwäche in allen drei Sektoren. Großbritannien rutschte ebenfalls ins Negative, von plus 2 auf minus 9. Frankreich bleibt mit minus 24 der schwächste europäische Markt.

Trotz der allgemeinen Abschwächung zeigt Deutschland beim 12-Monats-Ausblick für den Wohnungsbau eine bemerkenswerte Gegenbewegung: Der Erwartungswert stieg von plus 38 auf plus 67 Prozent – der stärkste Anstieg im europäischen Vergleich. Irland und die Niederlande bleiben ebenfalls im positiven Bereich, während Frankreich und Italien in beiden privaten Sektoren mit einer Schrumpfung rechnen.

In Europa hat sich die Rangfolge der Wachstumshemmnisse verschoben. Materialkosten sind nun der am häufigsten genannte Belastungsfaktor: 63 Prozent der europäischen Befragten nannten diesen Punkt, gegenüber 50 Prozent im Vorquartal. In Deutschland lag der Anteil sogar bei 67 Prozent. Gleichzeitig ist der Arbeitskräftemangel als Problem deutlich zurückgegangen – von 49 auf 28 Prozent. Auch unzureichende Nachfrage gewann an Bedeutung und stieg europaweit von 37 auf 46 Prozent, in Deutschland sogar von 39 auf 60 Prozent.

Materialkosten auf dem höchsten Stand seit Langem

Global betrachtet haben sich die Kostenprognosen für die nächsten zwölf Monate im ersten Quartal spürbar erhöht. Die Erwartungen für Materialkosten stiegen von 4,0 auf 6,4 Prozent – der stärkste Anstieg seit mehreren Quartalen. Die Erwartungen für qualifizierte Arbeitskräfte blieben weitgehend stabil bei 4,5 Prozent, für unqualifizierte bei 3,0 Prozent. Als Ursachen nennen die Befragten steigende Kraftstoffpreise, Störungen im Schiffsverkehr sowie Lieferkettenbelastungen infolge der Spannungen im Nahen Osten.

Parallel dazu haben sich die Erwartungen an die Kreditbedingungen deutlich verschlechtert. Der Nettosaldo der Befragten, die eine aktuelle Verschlechterung meldeten, sank von minus 12 auf minus 18 Prozent. Noch gravierender ist die Verschiebung beim Zukunftsausblick: Für die nächsten drei Monate drehte der Wert von plus 4 auf minus 23 Prozent, für die nächsten zwölf Monate von plus 13 auf minus 14 Prozent. Das ist eine deutliche Umkehr gegenüber der graduellen Verbesserung zu Beginn des Jahres 2025. Die Befragten verweisen auf Zinserwartungen, Finanzmarktvolatilität und geopolitische Unsicherheit. Die aktuellen Gewinnmargen verschlechterten sich zudem auf einen Nettosaldo von minus 29 Prozent, nach minus 20 Prozent im Vorquartal.

Infrastruktur bleibt stabilisierender Faktor

Trotz der Eintrübung auf breiter Front bleibt Infrastruktur das widerstandsfähigste Segment. Global stieg der Nettosaldo für das erwartete Infrastrukturarbeitsvolumen in den nächsten zwölf Monaten von plus 35 auf plus 40 Prozent. In etwa zwei Dritteln der untersuchten Länder liegen die aktuellen Arbeitsvolumina in diesem Bereich über denen im Wohnungsbau und bei Gewerbeimmobilien. Besonders hohe Erwartungen verzeichnen die USA (plus 69 Prozent) und Indien (plus 74 Prozent). Auch in Europa verbesserte sich der Infrastrukturausblick von plus 24 auf plus 38 Prozent.

Die 12-Monats-Erwartungen für den europäischen Wohnungsbau fielen dagegen von plus 31 auf plus 14 Prozent – der stärkste Rückgang unter allen Sektoren. Die Erwartungen für Gewerbeimmobilien blieben mit plus 18 Prozent weitgehend stabil.

DAS SAGT DIE REDAKTION

Stefan Löwer
Stefan Löwer Ressortleiter Sachwertanlagen & Immobilien, Ressortleiter Finanzberater

Allen Unkenrufen zum Trotz schneidet Deutschland im europäischen Vergleich überraschend gut ab; im Wohnungsbau zeigt der "Bauturbo" offenbar erste Wirkung. Nicht nur in Bezug auf die Bauwirtschaft ist es an der Zeit, den notorischen Nörglern und Schwarzmalern weniger Raum zu geben – und vor allem jenen Kräften, die das Land systematisch schlecht reden, um es zu destabilisieren.

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