EXTRA Multi Asset: Flexibilität ist Trumpf 

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Inflation, Zinsschocks und geopolitische Krisen haben das klassische 60/40-Portfolio ins Wanken gebracht. Moderne Multi-Asset-Strategien setzen deshalb auf flexible Asset Allocation, aktives Risikomanagement und neue Ertragsquellen. Drei Branchenexperten diskutieren, warum Diversifikation heute neu gedacht werden muss – und weshalb der Mensch trotz künstlicher Intelligenz die entscheidende Instanz im Investmentprozess bleibt.

Die Zeiten einfacher Anlagekonzepte sind vorbei. Jahrzehntelang galt das klassische 60/40-Portfolio aus Aktien und Anleihen als Königsweg der Vermögensanlage. Doch Inflation, Zinsschocks, geopolitische Konflikte und eine deutlich höhere Marktvolatilität haben die Spielregeln verändert. Diversifikation allein genügt heute nicht mehr. Gefragt sind Strategien, die sich flexibel an neue Rahmenbedingungen anpassen und Risiken aktiv steuern.

Genau darin sehen viele Marktteilnehmer die Zukunft moderner Multi-Asset-Konzepte. Sie definieren Vermögensallokation längst nicht mehr ausschließlich über klassische Anlageklassen, sondern über unterschiedliche Ertragsquellen – von Aktien und Anleihen über Rohstoffe und Edelmetalle bis hin zu alternativen Investments. Ziel ist es, möglichst wenig korrelierende Renditetreiber miteinander zu kombinieren und Portfolios dadurch widerstandsfähiger zu machen.

„Pflichtbaustein“, sagt Ena Berisha, Head of Sales Germany bei ARTS Asset Management, auf die Frage, welche Rolle Multi Asset heute spielt. Aus ihrer Sicht hat die zunehmende Komplexität der Kapitalmärkte aktives Management wieder in den Mittelpunkt gerückt. Entscheidend sei dabei nicht eine starre Vermögensaufteilung, sondern die Fähigkeit, Aktien-, Anleihen- oder Liquiditätsquoten flexibel zwischen null und 100 Prozent steuern zu können. Märkte veränderten sich heute schneller denn je – entsprechend müsse auch das Risikomanagement reagieren.

Auch Andreas Langer, Geschäftsführer und Portfoliomanager bei Rosenberger, Langer & Cie., sieht starre Quotenmodelle als Auslaufmodell. „Entscheidend bleibt aktives Risikomanagement.“ Die vergangenen Jahre hätten eindrucksvoll gezeigt, dass Pandemie, Krieg, Inflation und Zinswende traditionelle Portfolios an ihre Grenzen gebracht haben. Moderne Multi-Asset-Strategien müssten deshalb Risiken laufend überwachen und Portfolios konsequent an veränderte Marktbedingungen anpassen. Asset Allocation werde damit wichtiger als die Auswahl einzelner Titel.

Für Tim Bröning, Geschäftsführer von Bröning Investment & Consulting, liegt die eigentliche Stärke professioneller Multi-Asset-Fonds vor allem in ihrer Fähigkeit, unterschiedliche Ertragsquellen intelligent miteinander zu verbinden. „Die Kapitalmärkte werden zunehmend komplexer. Unterschiedliche Ertragsquellen sinnvoll miteinander zu kombinieren, wird für Privatanleger und viele Berater immer anspruchsvoller.“ Gerade Spezialthemen wie Cat Bonds oder alternative Risikoprämien könnten einen wertvollen Diversifikationsbeitrag leisten, seien für viele Anleger jedoch kaum eigenständig umzusetzen.

Bemerkenswert ist dabei, dass sich die Diskussion längst von der Frage „ETF oder aktiver Fonds?“ gelöst hat. Im Mittelpunkt steht vielmehr, welche Lösung die Anlageziele eines Investors unter unterschiedlichen Marktbedingungen am zuverlässigsten erfüllt. Kosten bleiben wichtig, doch ausschlaggebend ist die Rendite nach Kosten – und die Fähigkeit, größere Rückschläge zu vermeiden.

Auch neue Technologien verändern den Investmentprozess. Künstliche Intelligenz wird zunehmend für Datenanalyse und Research genutzt. Die Verantwortung für Anlageentscheidungen sehen die Diskutanten jedoch weiterhin eindeutig beim Menschen. KI könne Informationen strukturieren und Muster erkennen, ersetze aber weder Erfahrung noch Urteilsvermögen.

Der Roundtable macht deutlich: Multi Asset erlebt kein Comeback – vielmehr wird der Ansatz neu definiert. Weg von starren Quoten, hin zu dynamischer Steuerung, breiter Diversifikation und professionellem Risikomanagement. In einer Welt permanenter Unsicherheit ist Flexibilität selbst zur wichtigsten Anlageklasse geworden.

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