EXTRA Multi Asset: Das Ende der bequemen Gewissheit

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Foto: Florian Sonntag
Frank O. Milewski, Chefredakteur Cash.

Es gab eine Zeit, da ließ sich Geldanlage in eine einfache Formel pressen: 60 Prozent Aktien, 40 Prozent Anleihen – fertig war das vermeintlich wetterfeste Portfolio. Diese Gewissheit ist passé.

Als Aktien und Anleihen gleichzeitig unter Druck gerieten, zeigte sich, wie wenig eine formale Aufteilung schützt, wenn die Risiken in dieselbe Richtung wirken. Pandemie, Inflation, Zinswende und geopolitische Konflikte waren ein Stresstest für die Vermögensanlage. Wer Diversifikation nur als Verteilung auf verschiedene Anlageklassen versteht, greift zu kurz. 

Entscheidend ist, welche Ertragsquellen ein Portfolio antreiben, wie sie korrelieren – und wie schnell auf neue Bedingungen reagiert werden kann. Genau hier liegt die neue Relevanz von Multi Asset. Nicht als Etikett für einen bunten Fonds, sondern als Auftrag zu Flexibilität. Aktien, Anleihen, Rohstoffe, Edelmetalle oder alternative Risikoprämien sind keine starren Quoten, sondern Werkzeuge. Ihr Einsatz muss sich an Chancen und Risiken orientieren, nicht an einer festgelegten Modellwelt. Denn in volatilen Märkten zählt nicht allein die Teilnahme am Aufschwung. Ebenso wichtig ist es, Verluste zu begrenzen und Kapital für die nächste Chance zu bewahren. Künstliche Intelligenz kann Daten auswerten, Muster erkennen und Entscheidungen vorbereiten. Sie nimmt dem Portfoliomanager aber weder Verantwortung noch Urteilskraft ab. Wenn historische Zusammenhänge brechen, braucht es Erfahrung, Disziplin und die Bereitschaft, eigene Annahmen infrage zu stellen. 

Die wichtigste Anlageklasse der kommenden Jahre steht daher in keinem Kursblatt. Sie heißt Flexibilität. Verbunden mit breiter Diversifikation und aktivem Risikomanagement bietet sie keine Garantie gegen Krisen – aber eine überzeugende Antwort auf eine Welt, in der Gewissheiten immer kürzer halten.

Dieser Artikel ist Teil des EXTRA Multi Asset. Alle Artikel des EXTRA finden Sie hier.

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