Franke und Bornberg – Rating Rechtsschutz: „Die Unterschiede zwischen den Tarifen sind beträchtlich“

Michael Franke
Foto: Franke und Bornberg
Michael Franke: "Rechtsschutz ist längst kein Standardprodukt mehr – die Unterschiede zwischen den Tarifen sind beträchtlich."

Die Qualität privater Rechtsschutzversicherungen steigt, allerdings nur schrittweise. Das zeigt das aktuelle Rating von Franke und Bornberg, das alles in allem 254 Tarife von 38 Versicherern unter die Lupe genommen hat. Mehr als sechs von zehn Angeboten erreichen bei der Neuausgabe mindestens die Note „sehr gut“, gleichzeitig bleibt aber rund ein Fünftel auf einem niedrigeren Niveau.

Das Interesse an Rechtsschutzversicherungen ist laut Franke und Bornberg ungebrochen, der
GDV rechnet für das Jahr 2025 mit rund 26 Millionen Verträgen. Auf 4,1 Milliarden Euro schätzt der GDV die Schadenaufwendungen für das Jahr 2025, nach 3,8 Milliarden Euro im Jahr zuvor. Alles in allem sei die Nachfrage stabil, der Wettbewerb konzentriere sich zunehmend auf Leistungstiefe statt auf den Preis, konstatiert das Analysehaus.


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Viele gute Tarife, aber deutliche Unterschiede

Im Segment für Familien erreichen 11,8 Prozent der Tarife die Bestnote FFF+, also „hervorragend“. Die größte Gruppe mit 50,8 Prozent erhält die Note FFF. Weitere 15,7 Prozent schneiden mit „gut“ ab. Auf der anderen Seite liegen 12,6 Prozent im befriedigenden Bereich, während kleinere Anteile nur ausreichende oder mangelhafte Bewertungen erreichen.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei Tarifen für Singles. 11,8 Prozent der Tarife erhalten das hervorragende FFF+, 50 Prozent ein FFF (sehr gut)“. Je 15,4 Prozent landen bei FF+, 11,0 Prozent bei FF und 9,1 Prozent bei F+. Noch 2,8 Prozent der Tarife erhalten lediglich die Note F. Auch hier erhält kein Tarif ein F-, also ein „ungenügend“.“

Über beide Segmente hinweg bestätigt sich damit ein zweigeteilter Markt: Während viele Tarife ein hohes Leistungsniveau bieten, bleibt ein signifikanter Teil deutlich darunter – mit möglichen Konsequenzen im Leistungsfall.

Schwächen bei zentralen Leistungsmerkmalen

„Rechtsschutz ist längst kein Standardprodukt mehr – die Unterschiede zwischen den Tarifen sind beträchtlich. Wer bei der Auswahl nur auf die Prämie schaut, riskiert im Ernstfall böse Überraschungen,“ sagt Michael Franke, Geschäftsführer von Franke und Bornberg. Ein häufiger Grund, warum Tarife die Höchstnote „FFF+“ verfehlen, ist die fehlende vorsorgliche Rechtsberatung. Viele Produkte bieten keine anwaltliche Unterstützung, solange noch kein konkreter Rechtsfall vorliegt. Gerade diese frühzeitige Beratung könnte jedoch helfen, Konflikte zu vermeiden.

Tarife mit niedrigeren Bewertungen zeigen zudem Defizite in mehreren Bereichen. Dazu zählen insbesondere Arbeitsrechtsschutz, Immobilienrechtsschutz sowie außergerichtliche Leistungen im Verwaltungs-, Steuer- und Sozialrecht. Auch beim Internet-Rechtsschutz sowie bei rechtlichen Themen rund um Familie und Erbe bleiben einige Angebote hinter den Möglichkeiten zurück.

Wettbewerb über Leistung statt Preis

„Der Markt zeigt, dass Qualitätsverbesserung möglich ist – und dass sie nicht automatisch passiert. Wer als Versicherer in der oberen Hälfte des Ratings stehen will, muss in die Breite der Produktqualität investieren,“ sagt Christian Monke, Leiter Ratings Private Risiken bei Franke und Bornberg.

Laut den Analysten verlagert sich der Wettbewerb zunehmend von der Prämie auf den Leistungsumfang. Für einen sehr guten Tarif mit 150 Euro Selbstbehalt zahlen Singles laut der neuen F&B-Analyse ab etwa 320 Euro jährlich, Familien ab rund 350 Euro. Alles in allem seien die Beiträge in der Sparte in den vergangenen Jahren nur moderat gestiegen. Anstelle aggressiver Preismodelle setzen viele Anbieter auf variable Selbstbehalte, die bei Schadenfreiheit sinken können. Die Ratingergebnisse zeigen zugleich, dass Produktvergleiche für Vermittler und Kunden weiterhin eine zentrale Rolle spielen.

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