Die Geopolitik bestimmt nach wie vor die Devisenmärkte, auch wenn die moderaten Ölpreise darauf hindeuten, dass ein Frieden weiterhin eingepreist ist. Der US-Dollar wird kurzfristig durch robustes Wachstum gestützt, die Dynamik in der Eurozone lässt nach und der Yen steht weiterhin unter Druck, beobachtet David. A. Meier, Ökonom bei Julius Bär die Währungsmärkte:
Mehr als ein Vierteljahr nach Beginn des Iran-Kriegs bleibt die Geopolitik ein entscheidender Faktor an den Devisenmärkten. Dennoch hat der Konflikt einen Teil seines Angstfaktors verloren. Negative Entwicklungen, wie die jüngsten Rückschläge bei den Verhandlungen, haben die Ölpreise zwar wieder etwas nach oben getrieben, aber sie sind weit von früheren Niveaus entfernt. Das deutet darauf hin, dass die Märkte auf Frieden setzen.
Der US-Dollar bleibt stark, weniger aufgrund seiner positiven Korrelation mit den Ölpreisen als vielmehr aufgrund einer widerstandsfähigen Wirtschaft, die Zinssenkungen der Fed auf absehbare Zeit zunichte gemacht hat. Die erwartete Verringerung des Zinsvorteils des Dollar gegenüber anderen Währungen dürfte sich kaum materialisieren – das stützt ihn. In Verbindung mit dem anhaltenden KI-Optimismus gibt es gute Gründe, mit einer anhaltenden Dollar-Stärke zu rechnen. Daher haben wir unsere Dreimonatsprognose leicht nach oben korrigiert, behalten aber unseren langfristig bärischen Ausblick bei.
In der Eurozone sehen wir eine nachlassende Dynamik, da höhere Energiepreise hier höheren Tribut fordern. Eine EZB-Zinserhöhung aufgrund der Inflation, nicht aber des Wachstums, dürfte den Euro kaum nennenswert stützen. Das unsichere wirtschaftliche Umfeld untergräbt außerdem das Vertrauen in die positiven Auswirkungen der finanzpolitischen Kehrtwende.
Der japanische Yen hat aufgrund seines Zinsnachteils und seiner Sensitivität gegenüber Energiepreisen weiterhin zu kämpfen, was den Druck auf die Notenbank erhöht, ihre Geldpolitik zu normalisieren. Umfangreiche Devisenmarktinterventionen haben die Abwertung begrenzt; eine restriktivere Bank of Japan könnte eine gewisse Erholung des Yen begünstigen.
Rohstoffwährungen wie der australische Dollar und die norwegische Krone wurden durch verbesserte Terms of Trade und eine restriktive Geldpolitik der Zentralbanken gestützt, was ihren Zinsvorteil vergrößert. Der kanadische Dollar hinkt hinterher, da angesichts der ins Stocken geratenen Neuverhandlungen zwischen den USA, Mexiko und Kanada wieder Unsicherheit aufkommt. In den Schwellenländern bleiben der israelische Schekel und der brasilianische Real die stärksten Währungen, wobei der kolumbianische Peso aufgrund eines potenziell wirtschaftsfreundlichen Wahlergebnisses aufholt.












