Autonome KI-Agenten könnten die Softwarebranche grundlegend verändern. Genau deshalb werden die Quartalszahlen von SAP in dieser Woche weit über das Unternehmen hinaus Beachtung finden. An den Märkten herrscht die Sorge, dass KI-Agenten klassische Unternehmenssoftware überflüssig machen. Es besteht das Risiko, dass eigenständige KI-Agenten künftig Aufgaben direkt auf Betriebssystemebene oder über einfache Schnittstellen erledigen. Wenn ein Chatbot autonom Rechnungen prüft, bucht und Lieferketten steuert, verliert die klassische, teure Benutzeroberfläche einer Software an Wert.
Allerdings sind KI-Modelle nutzlos ohne Kontext. Große Software-Plattformen sitzen auf den wertvollsten Datenschätzen der globalen Wirtschaft, von Finanzen über Personal bis hin zur Logistik. Wer die Datenbasis kontrolliert, kontrolliert auch das Fundament, auf dem KI-Agenten überhaupt erst arbeiten können. Genau daraus ist ein strategischer Machtkampf in der Tech-Welt entstanden. Etablierte Software-Riesen wie SAP, Salesforce, Oracle oder Microsoft haben durch ihre Datenhoheit einen erheblichen Startvorteil. Dieser Schutzwall ist groß, aber nicht unüberwindbar.
Am Donnerstag liefert SAP mit den Quartalszahlen ein wichtiges Update für den gesamten Software-Sektor. Der Ausverkauf der Aktie wurde zwar im Juli gestoppt. Dennoch ist der Kurs seit Jahresbeginn um rund ein Drittel gefallen und liegt gegenüber dem Rekordhoch vom Vorjahr sogar rund 50 Prozent im Minus. Die einen sehen darin eine Kaufchance, die anderen sprechen von einer Value Trap.
Im Mittelpunkt stehen die Cloud-Zahlen. Die Cloud bleibt der wichtigste Wachstumstreiber von SAP. Ein starkes Cloud-Wachstum und ein robuster Current Cloud Backlog würden zeigen, dass die Transformation weiter auf Kurs ist. Der Current Cloud Backlog gilt als wichtiger Frühindikator für das zukünftige Umsatzwachstum. Eine deutliche Abschwächung könnte dagegen Zweifel an der Wachstumsdynamik wecken. Gleichzeitig investiert SAP massiv in KI. Kurzfristig kann das die Margen belasten, langfristig soll es jedoch Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit sichern.
Deshalb könnten die Zahlen von SAP wichtige Hinweise darauf liefern, wie gut sich die etablierten Softwarekonzerne im KI-Zeitalter tatsächlich behaupten können.
Autor Maximilian Wienke ist Marktanalyst bei eToro.














